Geschäftsführer geht - Verdi gerät nun unter Zugzwang

Foto: Ralf Hirschberger
Was wir bereits wissen
Geschäftsführer Lothar Grüll wechselt zur städtischen Holding EVV. Damit muss Verdi die Nachfolge noch vor der Fusion mit Mülheim-Oberhausen klären.

Essen..  Die Gewerkschaft Verdi muss die Weichen für eine Fusion ihrer Bezirke Essen und Mülheim/Oberhausen früher stellen als gedacht. Grund ist der anstehende Wechsel des Essener Verdi-Geschäftsführers Lothar Grüll an die Spitze der Essener Verkehrs- und Versorgungs-Holding (EVV).

Eigentlich wollte sich Verdi noch Zeit lassen und im Laufe des nächsten Jahres die Personalie klären, wer den fusionierten Bezirk ab 2018 führen wird. Mit Grülls Wechsel steht das Thema wohl nun noch in diesem, spätestens Anfang kommenden Jahres an.

Die Gewerkschaft hält sich bedeckt, welche personellen Überlegungen im Gange sind, zumal Grüll offiziell vom EVV-Aufsichtsrat noch gar nicht bestätigt ist. Der tagt erst am 8. Dezember.

Nach Informationen dieser Zeitung könnte es auf die Verdi-Chefin aus Mülheim-Oberhausen, Henrike Eickholt hinauslaufen. Sie hatte bereits Anfang des Jahres ihr Interesse selbstbewusst kundgetan. „Für mich ist jetzt schon klar, wenn es einen größeren Bezirk geben wird, kandidiere ich als Geschäftsführerin“, sagte sie im Januar. Daran soll sich nichts geändert haben.

Die 51-Jährige steht seit 15 Jahren an der Spitze von Verdi in Oberhausen und hätte allein wegen des Alters wohl bessere Chancen als Grüll gehabt, der nächstes Jahr 65 Jahre alt wird. Hinzu kommt: In den Essener Reihen gibt keinen Nachfolger für Grüll, den man nun in Stellung bringen könnte. Ob es Eickholt gelingt, die Führung eines Bezirkes Mülheim, Essen und Oberhausen mit über 45 000 Mitgliedern zu übernehmen, ist aber noch von einem anderen Einfluss-Faktor abhängig: In mehreren Bezirken stehen in den kommenden Jahren Fusionen an, so dass so mancher Verdi-Geschäftsführer neu versorgt werden muss.

Fusion Verdi Essen mit Mülheim-Oberhausen ab 2018

Henrike Eickholt sagte am Dienstag zum Thema nur: „Da ist alles noch im Fluss.“ Mehr gebe es im Moment nicht zu sagen. Auch im Essener Bezirk hält man sich zurück. Die Vorsitzende Carolin-Beate Fieback sagte mit Blick auf Grülls Wechsel lediglich: „Wir wollen eine Lösung finden, die auch nach der Fusion Bestand hat, so dass der Posten nicht noch einmal besetzt werden muss.“ Sie kündigte zunächst Gespräche mit der Landesleitung von Verdi an.

Die Verdi-Bezirke Essen und Mülheim-Oberhausen sollen im Jahr 2018 zu einem größeren Verbund verschmelzen. Quasi auf Probe soll die Fusion ab 1. Januar 2018 starten. Vollzogen wird sie offiziell erst mit den neuen Vorstandswahlen, die in Essen im Herbst 2018 anstehen.