Wie Broelsch in 50 Minuten vom OP zum Flieger kommt
07.11.2009 | 14:10 Uhr 2009-11-07T14:10:00+0100
Essen. Zehnter Tag im Prozess gegen den ehemaligen Star-Chirurgen des Essener Klinikums. Zwei seiner Mitarbeiterinnen sagen vor dem Landgericht Essen aus, und er selbst erklärt, wie er es schafft, in 50 Minuten den OP-Saal im Klinikum zu verlassen und am Düsseldorfer Flughafen abzuheben.
Eher bedächtig stellen die Juristen ihre Fragen im Prozess gegen den Star-Chirurgen Christoph Broelsch (65). Jedes Wort will wohl überlegt sein. Broelsch nimmt das seit zehn Tagen hin. Was bleibt ihm übrig? Dass er ein anderes Tempo kennt, hat er der XXI. Strafkammer schon mal erzählt, als er von fast gleichzeitiger Anwesenheit in mehreren Operationssälen sprach. Am Freitag gibt er ein neues Beispiel.
Es geht um die Frage, ob er tatsächlich an einer am 13. Juni 2006 von 8.55 bis 11.30 Uhr durchgeführten Operation teilnahm, obwohl er bereits um 11.20 Uhr vom Düsseldorfer Flughafen aus zu einem Kongress in China abflog. Eine wichtige Frage, denn für seinen persönlichen Einsatz hatte die Patientin 5000 Euro „Spende” gezahlt. Kein Problem, signalisiert Broelsch, er habe die Kern-OP vorgenommen: „Um 10.30 Uhr war meine Präsenz beendet. Nach Düsseldorf brauchten wir mit dem Fahrdienst 15 Minuten. Einchecken zwei, Sicherheit fünf bis sechs Minuten. Das haben wir öfter gemacht.” Richter Wolfgang Schmidt zweifelt, ob 50 Minuten vom OP bis in den Flieger ausreichen: Händewaschen, umziehen, durchs Klinikum zum Auto, die Wege am Flughafen? Doch der Professor bleibt dabei, er sei so schnell.
Im OP-Protokoll nicht vermerkt
Ihn erschüttert nicht, dass ein Oberarzt bei der Polizei angab, er habe Broelsch mal als anwesend ins OP-Protokoll aufnehmen müssen, obwohl der gar nicht da war. „Der hat doch viel gesagt, vielleicht um sich selbst zu entlasten”, kommentiert er. Dass er im Protokoll der Narkoseabteilung bei dieser OP gar nicht auftauchte? „Was die Anästhesie aufschreibt, entzieht sich meiner Kenntnis.” Auf diese Abteilung scheint er schlecht zu sprechen zu sein. Von einem „zähnefletschend durch die Flure streichenden Anästhesisten” spricht er, weil dieser wegen der Spenden an Broelsch die gesetzlich Versicherten nicht mehr als Privatpatienten abrechnen konnte.
Zwei Mitarbeiterinnen von Broelsch werden gehört. Schlecht reden sie nicht über ihren alten Chef, versuchen ihn und sich selbst zu entlasten. Bargeld wollen sie entgegen vieler Zeugenaussagen auch nicht angenommen haben. Eine 66-Jährige, die von vielen Patienten als zentrale Spendensammlerin angesehen wurde, will immer auf die guten Oberärzte hingewiesen haben: „Als ob die Patienten meinten, nur der Professor könne operieren.”
Broelsch wird auch offensiv. Als eine Mitarbeiterin ausweichend antwortet, warum er ihr den Anwalt fürs Gespräch mit dem Personalchef zahlte, meldet er sich: „Ich sagte: Gehen Sie zu dem Verein nie ohne Anwalt.” Er habe bereut, solch ein Gespräch ohne Anwalt geführt zu haben.
Justiziare wiesen Broelsch wohl auf bedenkliche Spendenpraxis hin
20:38
Gesundheit darf nicht käuflich sein.
Ende und aus.
18:26
Was erwarte ich für ein Urteil in diesem unseren Staat? Den Herrn Professor wird die gesamte Milde der Justiz treffen. Wie das Urteil gegen Herrn Trienekens.
21:11
Nötigung hat Josef noch vergessen. Und wer sich die weinenden Angehörigen im Gerichtssaal ansieht, der könnte zur Auffassung kommen, dass an der Nötigung durchaus etwas dran gewesen sein könnte. Zumal es ja noch andere Fälle gibt, etwa den der Frau, die dreimal wegen Leberkrebs an der Uniklinik Essen erschien und jedes Mal abgewiesen wurde, weil keine Betten frei waren. Angeblich. bis ihr dann das Angebot von Prof. Broelschs Mitarbeiterin gemacht wurde: 5.000 Euro, Überweisungsträger mitbringen, dann steht ein Bett zur Verfügung. Also ich meine, angesichts der Fülle solcher Vorwürfe ist die Pressebehandlung des Falles sehr vorsichtig.
18:51
In fast allen Berichten, bei denen es um Verbrechen geht wird von mutmaßlichen Tätern gesprochen!
Warum soll das bei einem Professor anders sein?
Hier steht nun zwar keine Erpressung mehr im Raum, aber die anderen Anklagepunkte Bestechlichkeit, Betrug und Steuerhinterziehung sprechen für sich.
Bisher ist die Presse doch noch gütlich mit Herrn Broelsch umgegangen.
In Zeiten in denen er noch nicht als mutmaßlicher Rechtsbrecher galt, hat er den Presserummel gerne in Kauf genommen und auch seine Vorteile daraus gezogen. Nun wendet sich das Blatt! So ist halt das Leben. Wer hoch steigt, der kann auch tief fallen!
18:02
Da widerspreche ich die letzten Berichte zielten alle tendenziös also einseitig in eine Richtung, ins Contra.Das kann es wohl auch nicht sein.
Mit Tränendrüse hat das nichts zu tun,sondern mit Rechtssprechung der auch ein Presseorgan wie die WAZ unterliegt
17:42
janbirgit versucht jetzt auf die Tränendrüse zu drücken, wo doch alles Argumentieren nicht mehr hilft, und wo selbst der treueste Verbündete von Prof. Broelsch belegt, dass es so nicht gewesen sein kann wie der Angeklagte es behauptet. Nein, janbirgit, hier geht es nicht um einen Medienpranger, sondern um die Diskussion der WAZ-Berichterstattung. Und diese Diskussion bringt ja auch positive Dinge über Prof. Broelsch hervor. Nur leider nicht im Zusammenhang mit diesen Verfahren.
13:20
Grundsätzlich gilt der Beschuldigte bis zum Urteilsspruch als Unschuldig
Dieser Artikel wird doch durch die Kommentare in einen Medienpranger umgewandelt. eine soziale Zusatzbestrafung findet statt.Ich finde das überhaupt nicht zum Lachen
09:40
Jaja,
unsere Justiz, vllt sollte die mal regelmäßig zur Psychiater??
21:07
qa#7, janbirgit:
Soviel Stuss auf einmal habe ich schon lange nicht mehr gelesen!
Liegt wahrscheinlich daran, daß du unfähig bist, zu erkennen, um was es grundsätzlich geht!
19:03
Jeder Angeklagte hat bis zum Beweis seiner Schuld als unschuldig zu gelten! Das gilt auch für Prof. Broelsch! Aber man darf gerne über seine kuriosen Ausflüchte lachen.