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"Spenden-Praxis kannte doch jeder"

19.11.2009 | 18:58 Uhr
"Spenden-Praxis kannte doch jeder"

Es ist seine alte Mannschaft, die „Leberpapst” Christoph Broelsch in seinem Prozess vor der XXI. Strafkammer wiedersieht. Mal sind es seine Sekretärinnen, die ihn, aber auch sich selbst, entlasten wollen, mal Oberärzte. Am Donnerstag tritt seine ehemalige rechte Hand auf.

Professor Andrea Frilling, ehemals Oberärztin in der Allgemeinen Chirurgie am Essener Uniklinikum, Spezialistin für die Chirurgie der Drüsen. Von ihr hat der angeklagte Mediziner eigentlich nichts zu befürchten. Noch im Dezember vergangenen Jahres hatte er sich in der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) für sie eingesetzt. Da war die 55-Jährige nach nur zwei Monaten Probezeit vom örtlichen Universitätsspital entlassen worden. Offenbar mit Blick auf die Ermittlungen gegen Broelsch in Essen, von denen das Spital bei der Einstellung aber schon Kenntnis gehabt haben soll. Broelsch bezeichnete sie in seiner Kritik am Spital als „absolut unschuldig”, für eine Entlassung habe es keinen Grund gegeben. Die Vorwürfe gegen sich selbst, gesetzlich versicherte Patienten nur gegen eine Spende operiert zu haben, soll er im Gespräch mit der NZZ allerdings auch als „verlogene Intrige” bezeichnet haben.

Die Staatsanwälte Hans-Joachim Koch (links) und Christian Bolik vertreten die Anklage im Prozess gegen Christoph Broelsch. Foto: Klaus Micke

Broelsch kennt Andrea Frilling seit langer Zeit. Als er 1998 als renommierter Leberchirurg von Hamburg nach Essen kam, brachte er sie neben anderen Ärzten aus seinem Team mit. Schnell stieg sie zu seiner Stellvertreterin auf. Sie erzählt, dass sie auch früh mit der Spendenpraxis befasst war. So habe es zunächst, wie anderswo auch, in Essen einen Verein zur Förderung der chirurgischen Forschung gegeben, der Spenden entgegen nahm. Auf juristischen Rat hin sei der aufgelöst worden. „Sie stehen mit einem Bein im Gefängnis”, habe der Essener Anwalt Dahm gewarnt. Daraufhin sei der Weg gewählt worden, dass auf ein „Drittmittelkonto” des Klinikums gespendet werden könne. Rückblickend, so betont sie, sehe sie es kritisch, dass Broelsch Patienten vor einer Operation um eine Spende gebeten habe. Danach wäre besser gewesen. Sie sei aber erst durch Ermittlungen der Staatsanwaltschaften sensibilisiert worden. Damals habe das im Klinikum kaum jemanden gestört: „Das wusste doch jeder. Ärzte, das Pflegepersonal, andere Mitarbeiter.”

Verfahren eingestellt

Sie selbst geriet ebenfalls in Verdacht, in einem Fall auf eine Spende für Broelsch hingearbeitet zu haben. Daran habe sie keine Erinnerung, betont sie. Das Verfahren gegen sie war Anfang 2008 eingestellt worden. 10 000 Euro Geldbuße soll sie dafür gezahlt haben.

OP-Pläne aufgestellt

Verantwortlich war sie für die Aufstellung der OP-Pläne. Sie widerspricht Aussagen von Patienten, nach denen es durch die Spende zu schnelleren OP-Terminen kam. Nur medizinische Gesichtspunkte hätten bei der Terminvergabe eine Rolle gespielt, sagt sie. Dass manchen Patienten gesagt wurde, als gesetzlich Versicherte hätten sie ohne Spende ein halbes Jahr auf die Operation zu warten, will sie nicht nachvollziehen können. So lange habe man nie warten müssen. Sie selbst wisse aber nicht, was der Professor im Gespräch mit den Patienten gesagt habe. Vorgekommen sei es aber, dass sie auf seine Weisung schon mal einen OP-Termin für ihn einrückte, räumt sie später ein. Bis zum Abend vernimmt die Kammer sie, weil sie wenig Zeit für einen weiteren Zeugenauftritt hat. Sie bewerbe sich momentan im Ausland, sagt sie.

Mit Politikern war Christoph Broelsch gut bekannt. Er galt als Leibarzt von Johannes Rau. Auch der ehemalige Ministerpräsident Peer Steinbrück (SPD), der ihm hier einen Orden verleiht, soll sich noch 2007 für ihn eingesetzt haben.

Von einer neuen Variante beim Spenden erzählte ein Dortmunder Ingenieur. Broelsch habe gesagt, er habe so großen politischen Einfluss, dass er sein Geld auf jeden Fall bekommen werde. Falls der Ingenieur sich später dagegen wehre, bekäme dieser nur Schwierigkeiten.

Mehr zum Thema:

Gerne auch Bares

Schnelle OP dank Spende

Ehemaliger Oberarzt belastet Broelsch

Stefan Wette

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Kommentare
01.12.2009
17:30
Spenden-Praxis kannte doch jeder
von Mahmud | #32

Nee, es geht momentan vor allem um Steuerhinmterziehung, und das ist nicht so das große Thema. Das machen viele...

01.12.2009
00:46
Spenden-Praxis kannte doch jeder
von josef2710 | #31

Kleine Frage: Geschieht in den Verhandlungen nichts berichtenswertes mehr?
Man bekommt nichts mehr mit! Oder sind Verhandlungstage ausgefallen?
Essen ist zu weit weg um mal eben zum Prozess zu fahren und im Netz findet man nichts aktuelles. Wie kommt das?

28.11.2009
07:51
Spenden-Praxis kannte doch jeder
von Hänschen | #30

Ich fand den Titel eigentlich gut. Denn er sagt genau das aus was in der Verhandlung gesagt wurde.

25.11.2009
18:34
Spenden-Praxis kannte doch jeder
von janbirgit | #29

Was wollt Ihr eigentlich von dem Mann

Jeder bekommt irgendwann sein Urteil.

Es gibt aber noch kein Urteil. Hier zu erörtern zu spekulieren zu vermuten.Ist wohl etwas was sich kein Angeklagter wünscht. Ich möchte einen Schreiber sehen der hier so exessiv zerpflückt würde. Der dies öffentlich dulden würde, Wie gesagt das hat keiner verdient. Keiner der hier Anwesenden ist perfekt.

Wer ohne Sünde ist,der werfe den ersten Stein

Übrigens
Deshalb finde ich auch den Titel (Gerne Bares) mal wieder voll daneben .wie eigentlich jeden Titel in diesem Blogg,von Anfang an, eine pauschale Vorverurteilung ist

25.11.2009
12:02
Spenden-Praxis kannte doch jeder
von Aische | #28

@janbirgit
Natürlich gäbe es mehr weinende Angehörige ohne Forschung. Warum der Herr Professor und seine Mitarbeiter das Geld für Forschungsreisen von armen Patienten nehmen müssen, warum damit Businessclass-Flüge gebucht werden, warum Menschen - nach eigenem Empfinden - unter Druck gesetzt wurden, Geld zu zahlen ohne das sie in einer staatliche Uniklinik nicht behandelt worden wären, all das sind Fragen, die im Prozess behandelt werden. Und nicht durch so eine Plattitüde wie in Kommentar 19. Das ist Rauchbomben-werfen. Oder man sagt ganz klipp und klar. Broelsch hat viel für die Medizin getan, dann darf er auch Gesetze brechen. Strafgesetze, Steuergesetze etc. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Sie das wollen.

24.11.2009
07:41
Spenden-Praxis kannte doch jeder
von Hänschen | #27

17 bezog sich auf einen Kommentar zum Dresdener Urteil gegen den Rechtsradikalen, der eine kopftuchtragende Ägypterin umgebracht hatte, hier stand aber nicht reingehörte.

23.11.2009
20:11
Spenden-Praxis kannte doch jeder
von janbirgit | #26

@Hänschen
Die Frage haben sie selber beantwortet.17.
Wir sind hier nicht die Staatsanwaltschaft.
Aber zu einem Rufmord gehört auch eine Verteidigung,einer Persönlichkeit.
Damit müssen auch sie als Unbeteiligter leben

23.11.2009
17:40
Spenden-Praxis kannte doch jeder
von Hänschen | #25

Was hat dieser weinerliche Kommentar von Janbirgit mit Nötigungs- und Betrugstatbeständen zu tun? Nichts, genauso wenig wie die angegebenen Internetseiten! Bitte beim Thema bleiben!!!

22.11.2009
15:33
Spenden-Praxis kannte doch jeder
von janbirgit | #24

@Juergen Degener

Es gäbe bestimmt noch mehr weinende Angehörige wenn es keine Forschung gäbe bzw keine Leberlebendspende.Die Zahlen von Studien Statistiken der DSO belegen es.
Und die DFG
vergibt mit Sicherheit auch keine Forschungs Gelder die keinen Sinn machen.
Blicken wir einmal zurück:
http://www.uniklinikum-essen.de/fileadmin/_temp_/Imagebroschuere_2008.pdf
http://www.uniklinikum-essen.de/uploads/media/Transplantationsbrosch_re_02.pdf

22.11.2009
13:39
Spenden-Praxis kannte doch jeder
von Octavia | #23

Geld regiert die Welt !

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