Das aktuelle Wetter Essen 19°C
Prozesse

Haftstrafen für betrügerische Gastronomen

13.10.2010 | 05:31 Uhr
Haftstrafen für betrügerische Gastronomen
So weit war das Projekt gediehen: Am 10. Juli 2007 verlegte ein Handwerker Dielen aus Bangkirai-Holz für die künftige Sonnenterrasse. Zwei Monate später kam das endgültige Aus. Foto: Ulrich von Born

Essen.Hoch hinaus wollten sie, jetzt sind sie tief gefallen. Die beiden Männer, die auf dem Dach des Hotels Arosa in Rüttenscheid ein exklusives Gastronomiekonzept verwirklichen wollten, wurden vom Landgericht wegen mehrfachen Betruges verurteilt.

Hintergrund
Wieder aktiv

Die Beweise sprachen für sich, auch die Verteidiger hatten die Verurteilung ihrer Mandanten als unumgänglich eingestuft. Freispruch beantragten sie nicht. Ein Rüttenscheider Restaurant, das kürzlich eröffnete, dürfte zum Dunstkreis der Angeklagten gehören. Das erinnert an die aus der Finanzkrise bekannte „bad bank“. Die Verluste werden in der alten „D & D GmbH“ entsorgt, um mit einer anderen Gesellschaft den Neuanfang in der Gastro-Szene zu starten.

Der einschlägig vorbestrafte Daniel K. (32) soll nach dem Urteil der XV. Strafkammer wegen 17-fachen Betruges zwei Jahre und vier Monate ins Gefängnis. Eine Bewährung ist bei dieser Strafhöhe nicht mehr möglich. Seinem bislang nicht vorbelasteten Geschäftspartner Denis R. (31) will das Gericht den Aufenthalt in der Zelle ersparen. Es verurteilte ihn zwar wegen 20-fachen Betruges und Insolvenzverschleppung zu einem Jahr und acht Monaten Haft, setzte die Strafe aber zur Bewährung aus.

Mit mehreren Projekten auf der Rüttenscheider Straße hatten die beiden Angeklagten die Gastronomie in Essen bereichern wollen. Als ihre Umbaupläne scheiterten und sie pleite waren, beauftragten sie weiterhin Handwerker, die dann auf ihren Kosten sitzen blieben. Auch das Hotel Arosa sah keine Miete. Richter Volker Wrobel: „Als sie wussten, dass sie pleite waren, haben sie weitergemacht, um ihren Traum vom großen Stern am Essener Gastro-Himmel zu verwirklichen.“ Dass sie trotzdem Handwerkern Aufträge erteilten, ohne diese bezahlen zu können, war der Vorwurf, den das Gericht ihnen zwei Monate nach Prozessauftakt machte.

Dilettantische Ausführung der Bauarbeiten

Der Anklage von Staatsanwalt Marc Blomenkämper hatten die beiden Angeklagten und ihre Verteidiger Dirk Lindberg und Marc Grünenbaum anfangs noch widersprochen. Daniel K. zu Beginn des Verfahrens: „Wenn man Betrug so definiert, dass man jemanden vorsätzlich schädigt, dann war das kein Betrug.“

K. und R. hatten 2006 die „D & D Handels- und Veranstaltungs-GmbH“ gegründet und ein feines Gastronomiekonzept entworfen. Hoch oben auf dem Dach des Hotels Arosa sollte eine Dachterrasse mit dem Restaurant „Chin Chin“ entstehen. Ganz exklusiv, alles vom Feinsten. Nicht weniger schick die „Lounge“ im Keller des Hotels. Insgesamt 8000 Euro monatlich versprachen sie dem Besitzer des Hotels als Miete. Außerdem mieteten sie auf der Rüttenscheider Straße zwei weitere Geschäftsräume an, einen für ein italienisches Restaurant, einen für Büros.

Es funktionierte nur wenig. Das Gericht sprach von einer dilettantischen Ausführung der Bauarbeiten. Zum Sterben verurteilt war das Dachterrassenprojekt nach Ansicht der Kammer, als der Statiker Sicherungsmaßnahmen verlangte, um den Windverhältnissen in der Höhe zu trotzen. Knapp 150 000 Euro hätte das gekostet. Geld, das in der Kalkulation der Jung-Gastronomen fehlte. Eröffnet wurden die Dachterrassen nie.

„Das Hotel Arosa trifft kein Mitverschulden“

Von Seiten der Angeklagten geäußerte Kritik, das Hotel habe ihre Arbeit torpediert und so die Pleite herbeigeführt, widersprach das Gericht. Wrobel: „Das Hotel Arosa trifft kein Mitverschulden.“ Dass der Vermieter irgendwann die Lust am Projekt der Angeklagten verlor, erscheint nicht unverständlich. Durch die begonnenen Dacharbeiten tropfte irgendwann Wasser durch die Decke nach unten in den Frühstücksraum. Nach wenigen Wochen legte das Bauordnungsamt der Stadt die Baustelle im September 2007 wegen gravierender Baumängel still.

Das Gericht sah im Angeklagten Daniel K. die treibende Kraft, den Ideengeber des Projektes. So hatte K. sich selbst gesehen und im Prozess von seinem Mitangeklagten Denis R. abgegrenzt: „Denis hatte das Geld und wollte in die Gastronomie. Ich hatte kein Geld, aber dafür Ideen.“ An anderer Stelle führte Daniel K. dem Gericht noch einmal seine Rolle vor Augen: „Ich bin eher der Künstler. Uns beiden war klar, dass wir an die große Kohle kommen.“

Stefan Wette

Facebook
 
Kommentare
27.10.2010
12:06
Haftstrafen für betrügerische Gastronomen
von Mydealz | #19

Man soll auch nicht seinen Mode Laden und die super Party auf Ibiza vergessen. Ist doch alles in die Hose gegangen.

Und im Cinemaxx Turm hat er doch noch nichtmal die Miete gezahlt.

21.10.2010
11:57
Haftstrafen für betrügerische Gastronomen
von outsider | #18

selbst für daniel k. war klar das der tag der abrechnung kommt!

die probleme um herrn k. gibt es bestimmt schon 11-12 jahre. damals mit dem dpc (decadance penthouse club) in den cinemaxx türmen oder 2000 silvester in noch nicht eröffneten holdiday inn express oder die charity geschichte mit boy george in düsseldorf mit anschliessenden ausgedehnten urlaub usw. uws. usw.

es war doch nur eine frage der zeit!

what ever .... in rüttenscheid gibt es macher die noch viel mehr auf ihren kerbholz haben und druff wie jupp den hobbyzuhälter miemen.
die wandern bis jetzt nicht in den bau! daneben sehen daniel k. und sein helferlein aus wie chorknaben.

ich persönlich bin guter dinge und hoffe das dieser prozessausgang die staatanwaltschaft soweit motiviert auch weiter offensichtliche verbrecher aus der gastronomie zur strecke zu bringen.

20.10.2010
15:42
Haftstrafen für betrügerische Gastronomen
von observer | #17

...der bengel träumt doch von waskostetdiewelt-dolcevita-in rüttentütt! doch nicht vom zurückzahlen und buße/reue etc. der muss nur nach dem knast noch 5 jahre die klappe halten und dann ist er raus aus den schulden! na ja, in rü ist er zumindest verbrannt.
wie ich schon in einem anderen thread schrieb, napoleomsyndrom, ein kleiner gernegroß, wenn die profilneurose überhand nimmt, verliert man halt den bezug zur realität! eigentlich sollte der zu einem therapeuten und erst mal klein wieder anfangen...ausbildung zb. um sich normal zu entwickeln!

20.10.2010
09:02
Haftstrafen für betrügerische Gastronomen
von bl | #16

@The Observer

seiner Stärke beraubt... meines erachtens ist er mit bisher jeden projekt in die pleite geschlittert...

so einen blödsinnigen kommentar habe ich wirklich noch nicht gelesen!
als auftragnehmer kann ich doch nicht bei jeden potenziellen kunden davon ausgehen, dass es ein betrüger ist!

viele andere leute haben auch verdammt gute ideen, können diese aber nicht umsetzen, weil sie kein geld dafür haben. BETRUG kommt jedoch für diese leute aber nicht in frage!

20.10.2010
02:26
Haftstrafen für betrügerische Gastronomen
von The Observer | #15

Danke für die Bar die Essen saufenswert macht, ohne Gefahr laufen zu müssen, dass man gleich blind wird. Jau und die ganzen armen Unternehmer. Welcher ordentlich geführte Handwerksbetrieb leistet denn für mehr als 10.000 Euro ohne Akonto-Zahlung irgend etwas? Willfahrig sind sie beiden auf den Leim gegangen, getrieben von Gier. Diese Art von Dummheit hätte genau so bestraft werden müssen. Darüber spricht hier aber keiner. Hier wird von Scheinwelten gesprochen und das so etwas in Rü nicht gebraucht wird. Wir reden hier über Glamour und Gesprächsstoff. Brot und Spiele und jemand der versucht hat Erfolg zu haben mit seinen Ideen. Er ist wahrhaftig ein schlechter Kaufmann, aber seine Ideen sind gut, nicht immer zu Ende berechnet aber gut. In der nächsten Instanz wird er frei gesprochen, vorausgesetzt sein Anwalt ändert die Strategie. Natürlich hat er Schuld, aber wie soll er er den Schaden gut machen, wenn er sitzt und seiner Stärke beraubt wird? Er wird sich durchsetzen und dann kann er bezahlen. Absitzen ist nicht das Richtige.

15.10.2010
10:02
Haftstrafen für betrügerische Gastronomen
von sfgs | #14

wann ist denn haftantritt?

14.10.2010
22:46
Haftstrafen für betrügerische Gastronomen
von observer | #13

danny pentangeli jetzt auch bei facebook, dafür daniel k. nicht mehr! :-)

14.10.2010
21:52
Haftstrafen für betrügerische Gastronomen
von Eurofighter_Forever | #12

Nur so nebenbei...im Knast wird Daniel schnell zur Daniela gemacht...und 2,5 jahre können soooooooooooooo lang sein:-))))

14.10.2010
21:47
Haftstrafen für betrügerische Gastronomen
von observer | #11

...und nicht noch weitere Friseursalons! :-)

14.10.2010
18:33
Haftstrafen für betrügerische Gastronomen
von Real Rüttenscheider | #10

Bedauerlich? Was ist denn daran bedauerlich? Seit Jahren wird eine Scheinwelt nach der anderen aufgebaut, immer auf Kosten anderer und NIE mit eigenem Kapital. Bedauerlich ist, dass es immer noch diese ganzen dummen Leute gibt, die diesen Schwachsinn in irgendeiner Weise unterstützen. Bedauerlich ist vor allem, dass auch kleine Betriebe betroffen sind, für die der Wegfall solcher Beträge den Ruin bedeuten können. So kann man Existenzen zerstören! Und das alles, weil ein kleiner Verrückter ohne Schulabschluss und Ausbildung glaubt er sei ein Künstler/Gastronom/Geschäftsmann/Partylöwe.

Die Strafen waren längst überfällig, und eigentlich sind sie auch viel zu milde. Leider wird Daniel K. selbst aus der Haft nicht lernen, schließlich wurde ja soeben die nächste Scheinwelt aufgebaut: Pentangeli. Wieder auf Kosten anderer. Mal so nebenbei: Zutaten aus eigenem Anbau. Was für ein Lacher!

Rüttenscheid braucht diese Clowns und ihre Möchtegern-Pseudo-Kreativ-Event-Gastronomie nicht.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/3824665/create

Aktuelle Fotos und Videos
Aus dem Ressort
„Autobumser“ bekam Bewährung
Prozesse
Essen. Versicherungen hatte er zu täuschen versucht, aber vor dem Landgericht Essen legte der 45 Jahre alte Gladbecker ein umfassendes Geständnis ab. Verkehrsunfälle hatte er provoziert und den Versicherungen überhöhte Schadensrechnungen eingereicht. Dafür bekam er vor der V. Strafkammer dank seines...
Einbrecher steht wegen versuchten Mordes vor Gericht
Schwurgericht
Acht Jahre nach der Tat trifft eine 59-Jährige aus Werden im Landgericht Essen auf den Mann, den sie am 27. Juli 2004 beim Einbruch in ihrem Haus überrascht hatte. Auf den Mann, der sie massiv misshandelte, um nicht enttarnt zu werden. Auf versuchten Mord lautet die Anklage vor dem Schwurgericht.