Broelsch-Nachfolger bestätigt das „Frisieren“ von Protokollen
13.01.2010 | 13:29 Uhr 2010-01-13T13:29:00+0100
Essen. Zum Plädoyer der Staatsanwaltschaft im Prozess gegen Christoph Broelsch kam es am Dienstag überraschend doch nicht. Dafür bestätigte sein Nachfolger im Uni-Klinikum, dass OP-Protokolle nachträglich von Broelsch oder dessen Sekretärin geändert wurden.
Erst am späten Montagnachmittag kündigte der Frankfurter Broelsch-Verteidiger Jürgen Pauly dem Gericht telefonisch an, dass er doch noch umfangreich Anträge stellen werde. Damit war die Terminplanung der Kammer, die sie kurz zuvor in einer Pressemitteilung vorgestellt hatte, nicht mehr zu halten. Das Plädoyer der Staatsanwaltschaft wird jetzt frühestens am 27. Januar gehalten. Mit dem 11. und 22. Februar hat das Gericht zwei zusätzliche Termine angesetzt. Das Prozessende ist damit vorerst offen.
Vier Anträge stellte Pauly zunächst. Darin geht es vor allem um den vorgeworfenen Abrechnungsbetrug; dass also Broelsch Operationen privatärztlich abgerechnet haben soll, obwohl er gar nicht anwesend war. Pauly will beweisen, dass Broelsch davon überzeugt gewesen sei, dabei rechtlich korrekt gehandelt zu haben. Damit würde der für eine Verurteilung wegen Betruges notwendige Vorsatz entfallen.
Dass es bei den Abrechnungen in der Chirurgie des Uni-Klinikums eher unkonventionell zuging, bestätigte der neue leitende Chirurg des Klinikum, also der Nachfolger des 2007 suspendierten und heute 65 Jahre alten Broelsch. Wenn der Name Broelsch auf dem OP-Protokoll gefehlt habe, so Chirurg Andreas Paul, sei er schon mal von Broelsch oder der Sekretärin nachträglich eingesetzt worden. Broelsch habe auch OP-Berichte geschrieben, obwohl er selbst nicht die ganze Zeit anwesend war. Er vermute, dass dies alles „abrechnungstechnische Gründe“ gehabt habe. Er gehe davon aus, dass dadurch „eine Steigerung der Sätze möglich war“, sagte Paul, dem diese Fragen sichtlich unangenehm waren und der seine Antwort gleich einschränkte: „Ich gebe nur meine Meinung wieder.“
Strikt wies Paul die Darstellung von Broelsch zurück, dieser habe eigene Operationen auf dem Papier seinen Oberärzten überlassen, weil diese für ihre berufliche Laufbahn etwas vorweisen mussten. Paul: „Das stimmt sicherlich nicht. Das brauchte ich auch gar nicht.“
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