Gericht will Missbrauch von Titeln verhindern

Ein Professoren-Titel macht sich gut auf dem Praxisschild eines Steuerberaters, Rechtsanwaltes oder Mediziners. Er könnte den Kontakt zu mehr (wohlhabenden) Kunden zumindest erleichtern und damit Umsatz und Verdienst steigern. Das mag der Anreiz für Angehörige bestimmter Berufsgruppen sein, sich um den Erwerb dieses hohen akademischen Rangs zu bemühen.

Doch diese Mühen können vergeblich sein, wenn die Professoren nach dem Ende ihrer Lehrtätigkeit den mühsam erworbenen Titel behalten wollen, um damit in ihrer freien Selbstständigkeit zu glänzen. Denn das Düsseldorfer Wissenschaftsministerium muss der betreffenden staatlich zugelassenen privaten Universität erlauben, dass sie dem ausgeschiedenen Professor sein Statussymbol belassen darf. Ein Dozent der Essener FOM (Fachhochschule für Ökonomie und Management) scheiterte vor dem Verwaltungsgericht Gelsenkirchen mit seiner Klage gegen das Land NRW. Auch die FOM, die dem Wunsch ihres ehemaligen Professors nachkommen wollte, musste eine Prozessniederlage einstecken.

Für die Kammer war klar ersichtlich, dass der frühere Lehrbeauftragte seinen Titel nach dem Ende seines Dienstvertrages nicht weiter tragen durfte.

Es gibt scharfe Vorgaben

Zu Recht, so die Vorsitzende Richterin, hat das Land scharfe Vorgaben auf diesem Gebiet erlassen. Um eben den Missbrauch von Titeln auszuschließen. Das Gericht ging sogar so weit, dass es die Praxis des Landes, den Titel erst nach zehn Jahren hauptberuflicher Tätigkeit auch privat weiterverwenden zu dürfen, noch für zu großzügig hielt. 15 Jahre schwebte den Richterinnen und Richtern vor. Doch darauf kam es letztlich gar nicht an.

Bei Professoren an Fachhochschulen ist ihre Benennung anders als an staatlichen Universitäten kein regulärer Titel, sondern nur eine Berufsbezeichnung (wie z.B. Richter, Lehrer, usw.). Sie müssen auch keine anstrengende und zeitraubende Habilitation durchstehen. Dennoch hätte grundsätzlich die private Fachhochschule FOM das Weitertragen des Professorentitels gestatten dürfen, wenn das Ministerium zugestimmt hätte. Damit soll die besondere Verbundenheit des Lehrbeauftragten mit seiner Universität zum Ausdruck kommen. Voraussetzung ist allerdings die zehnjährige Tätigkeit als Professor und zwar hauptberuflich. Der Experte für Rechnungswesen und Steuerrecht brachte es aber selbst bei großzügiger Betrachtung nur auf achteinhalb hauptberufliche Jahre.

Dozent reduzierte Stundenzahl

Stutzig geworden war das Ministerium schon durch die Bewerbung des Klägers auf die Essener Stelle. Er hatte nämlich angefragt, wie lange er dort lehren müsse, um den Professoren-Titel dauerhaft behalten zu können. „Nachtigall ick hör dir trapsen!“ Zudem hatte er sich zwischendurch mal seine Semesterwochenstundenzahl von neun auf sieben reduzieren lassen, um sich intensiv einem überaus interessanten Steuerfall aus seiner schon existierenden Steuerberatungskanzlei widmen zu können. Wodurch schon deutlich erkennbar wurde, dass von einer hauptberuflichen Tätigkeit an der Fachhochschule kaum die Rede sein konnte. Vollzeit-Professoren an der FOM müssen 18 Stunden pro Woche lehren.

Dabei hätte der Kläger viel leichter an seinen heiß ersehnten Professoren-Titel kommen können. Er war nämlich schon viereinhalb Jahre, die ihm in Essen auch angerechnet wurden, an der Fachhochschule Heidelberg als Professor tätig. Er hätte dort nur weitere eineinhalb Jahre aushalten müssen. In Baden-Württemberg darf man nämlich schon nach sechs Jahren den Titel behalten. In Ausbildungsfragen sind die Länder autonom. Nicht nur in Österreich, auch im Süden unserer Republik geht man mit repräsentativen Titeln offenkundig etwas großzügiger um.

Wegen der grundsätzlichen Bedeutung des Falls hat das Gericht eine Berufung ausdrücklich zugelassen. Aktenzeichen: 4 K 1068/14