„Gemeinschaft und Geschlossenheit“

Kettwig..  In Kettwig ist vieles in Bewegung. Nah am Geschehen sind stets der Heimat- und Verkehrsverein HVV und die Interessengemeinschaft KettIN. Tobias Appelt sprach mit den Vorsitzenden der beiden Vereine, Martin Kryl (HVV) und Wolfgang Bieger (KettIN).

HVV und KettIN sind sehr umtriebig. Was steht derzeit oben auf der Agenda?

Kryl: Langeweile haben wir nicht. Wir arbeiten gerade daran, unsere strukturellen Abläufe zu verfeinern. Für den Bürger dürfte aber interessanter sein, dass wir auf Hochtouren an der Vorbereitung des Seerosenfestes arbeiten. Zeitweise stand es ja ein wenig auf der Kippe, aber jetzt sind wir so weit, dass es stattfinden kann. Wir bleiben damit an der Ruhr und gehen nicht in die Innenstadt.

Bieger: Wir haben gerade unser Logo überarbeitet: Das „IN“ schreiben wir nun groß. Damit möchten wir auch symbolisch unsere Rolle als Interessenvertretung und nicht nur als Werbegemeinschaft betonen. Wir haben jetzt fast 100 Mitglieder. Das ist erstaunlich, wenn man bedenkt, wie vielfältig und individuell die Interessen unserer Mitglieder sind. Uns ist es wichtig, dass wir Werte wie Gemeinschaft, Solidarität und Geschlossenheit pflegen.

Gutes Stichwort. HVV und KettIN ziehen ja auch oft an einem Strang...

Kryl: Unsere Interessen sind zwar zuweilen unterschiedlich. Aber beide Vereine vertreten die Interessen von Kettwig und seinen Bürgern. Da liegt es nahe, Synergien zu erkennen und sie weiter zu entwickeln.

Bieger: Unsere Interessen ergänzen sich. Beide Vereine wollen den Stadtteil voranbringen. Wir setzen dabei auf den Handel, der HVV auf die Bürger. Beides ist ja miteinander verbunden.

Wenn Sie zurückblicken auf Erfolge der Vergangenheit. Worauf sind sie besonders stolz?

Kryl: Da gibt es einige: zum Beispiel unsere Stadt- und Nachtwächter-Führungen, die sehr beliebt sind. Aber auch die St.-Martins-Züge, unsere Gästebetreuer am Mühlengraben, der Skulpturenpark – oder eben das Seerosenfest. Der Verein zeigt großen Einsatz, um den Stadtteil lebendig zu gestalten und zu erhalten. Oft ist das nicht einfach zu bewerkstelligen. Wir machen ja alles ehrenamtlich.

Bieger: Auf die erweiterte Weihnachtsbeleuchtung, die jährlich mit einem dreistelligen Betrag von KettIN verwirklicht wird, und dass es mit dem dauerhaften Schmuck der Laternen klappt, darauf sind wir stolz. Aber es gibt ja immer neue Themen, etwa Gratis-WLAN in der Stadt. Und andere Themen beschäftigen uns dauerhaft. Etwa der Parkplatzmangel – oder die Sicherheit. Da arbeiten wir gerade an einem neuen Konzept.

Und welche „Baustellen“ wollen sie nun aktuell in Angriff nehmen?

Uns ist die Neugestaltung des „Rathausvorplatzes“ wichtig. Der Wildwuchs konnte zwar etwas eingedämmt werden, aber es gibt weiter Handlungsbedarf. Im April wird dazu ein Runder Tisch veranstaltet, um die bestehenden Möglichkeiten zu diskutieren.

Das Thema „Rathausvorplatz“ liegt auch uns am Herzen. Der Platz muss eine städtebauliche Gesamtfunktion bekommen. Geld dafür können wir möglicherweise von Land und Bund bekommen. Seit 1978 wurde in der Richtung kein Antrag mehr gestellt, und der zuständige Landesminister Groschek signalisierte gar, wegen der mageren kommunalen Finanzen, könnte man auf städtische Eigenmittel verzichten. Außerdem müssen wir daran arbeiten, Grenzen in den Köpfen abzubauen: Altstadt und Neustadt – das muss als ein großes Ganzes wahrgenommen werden.

Abgesehen davon, worauf kann sich der Bürger 2015 freuen?

Kryl: Diverse Feste, allem voran das Seerosenfest im Sommer und das Weihnachtsdorf im Winter. Natürlich auch auf den Martinszug – obwohl wir derzeit noch einen neuen Martin suchen. Vieles von dem, was wir tun, bekommt der Bürger ja nur unterschwellig mit, weil wir darum kein großes Aufheben machen, etwa die Pflege von Denkmälern, Wanderwegen oder Grünflächen.

Bieger: In Kettwig ist ständig was los, wo wir unsere Finger im Spiel haben. Zum Beispiel, dass der Marktbrunnen sprudelt. Aber freuen kann sich der Kettwiger auch aufs fünfte Frühlingsfest, das von diesem Jahr an nicht mehr nur alle zwei Jahre stattfindet, sondern jedes Jahr. Oder das 23. Brunnenfest und das zehnte Kürbisfest. Zudem erscheint bald die 2015er-Ausgabe des Einkaufsführers „Kettwig erleben“.

Sie machen alles ehrenamtlich. Wie motivieren Sie sich für Ihre Aufgabe?

Kryl: Ich bin geborener Kettwiger und ich bin Kettwiger mit Leib und Seele. Es ist die Liebe zu meinem Dorf. Da ist es doch nur logisch, wenn man sich dafür einsetzt. Jetzt, im Ruhestand, hab ich die Zeit dafür. Und seit ich im März 2014 das Amt des Vorsitzenden übernommen habe, habe ich noch keinen Tag Langeweile gehabt.

Bieger: Vor 15 Jahren bin ich angesprochen worden, ob ich dabei mithelfen möchte, eine interessante Sache nach vorne zu bringen – und da war ich noch bei einer kommunalen Einrichtung angestellt. Jedenfalls wurde ich dann Pressesprecher von KettIN. Alles Weitere hat sich dann entwickelt.

Warum sollte denn jemand Mitglied werden bei HVV oder KettIN?

Kryl: Weil es immer etwas gibt, das Menschen für ihren Stadtteil tun können. An vielen Stellen kann sich der Einzelne einbringen. Alles, was wir machen, geschieht als Team-Leistung!

Bieger: In Amerika gibt es etwas, das sie „Broken Window“-Syndrom nennen. Wenn das erste Fenster kaputt geht, geht die Nachbarschaft bald auch den Bach runter. Jeder kann helfen, dass dieses Fenster gar nicht erst kaputt geht und der Stadtteil weiter Aufwind hat.