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“Gemeinde Gottes“ wirbt in Essen hartnäckig um Mitglieder

16.03.2012 | 19:10 Uhr
“Gemeinde Gottes“ wirbt in Essen hartnäckig um Mitglieder
Für esoterische Angebote wie hier eine Klangschale gibt es einen gewaltigen Markt. Doch auch religiöse Splittergruppen wie die „Gemeinde Gottes des Weltmissionsvereins“ machen der Sekteninfo NRW Sorgen. Foto: Martin Möller

Essen.   Die religiöse Gruppe „Gemeinde Gottes des Weltmissionsvereins“ wirbt in der Essener Innenstadt penetrant um Mitglieder. Der Verein Sekteninfo NRW rät, sich gar nicht erst auf eine Diskussion einzulassen. Überrumpelung sei gängige Praxis.

Sie stehen in kleinen Gruppen in der Innenstadt und verwickeln Passanten mit raffinierten Tricks ins Gespräch. Oft packen sie ihre Opfer bei deren Hilfsbereitschaft, indem sie unverfänglich nach dem Weg fragen. Oder sie geben sich als Studenten der Theologie aus, die eine Umfrage für ihr Studium machen müssten.

Die Mitglieder dieser religiösen Gruppe, oft junge Frauen koreanischer Herkunft, sind Mitglieder der „Gemeinde Gottes des Weltmissionsvereins“. Und sie haben ein Ziel: Die vermeintlich heilbringende Lehre zu verbreiten. „Viele Menschen sind in einer solchen Situation viel zu höflich. Es fällt ihnen schwer, sich entschieden abzugrenzen“, sagt Christoph Grotepass, Berater beim Sekteninfo NRW. „Wir hatten schon Klienten, die den Missionaren in ihre Zentrale in der Innenstadt gefolgt sind und sich spontan taufen ließen.“

Wörtliche Auslegung der Bibel

Gerne sprechen die Mitglieder penetrant Menschen auf der Straße an und versuchen über Comics, ihre Aufmerksamkeit zu gewinnen. Dabei versteht sich die Gemeinde als religiöse Gruppe christlicher Prägung mit dem Anspruch, die einzig wahre Interpretation des Christentums zu vertreten. Eine zentrale Annahme der Lehre besagt, dass Gott neben dem Gottvater auch aus einer Gottmutter bestünde, die man verehren müsse. 1964 wurde die Gemeinde in Korea gegründet und betrachtet eine in Jerusalem lebende Frau, genannt „Mutter Jerusalem“, als Fleischwerdung Gottes. Ferner zeichnet sich die Gruppe, ähnlich wie die Zeugen Jehovas , durch eine sehr wörtliche Auslegung der Bibel aus.

„Sicherlich sind die Mitglieder der Gemeinde zutiefst von ihrer Ideologie überzeugt “, so Grotepass. „Nicht jeder Guru will den Menschen nur das Geld aus der Tasche ziehen – harmlos macht das die Sache trotzdem nicht.“ Ist es den Missionaren einmal gelungen, ein neues Mitglied zu werben, steht für dieses zunächst Bibeltraining auf dem Programm. „Von einem Neuzugang wird erwartet, dass er sich komplett von seiner früheren Religionsgemeinschaft lossagt und von seinem sozialen Umfeld abwendet“, erklärt Sabine Riede, Leiterin des Sekten-Info NRW. Im weiteren Verlauf müsse der Gläubige eine vierjährige Ausbildung in Korea durchlaufen.

Beratungsgespräch kann helfen

„Überrumpeln gehört zur Praxis“, so Grotepass. „Menschen, die sich tatsächlich zu einer Taufe haben drängen lassen, haben danach oft mit Ängsten zu kämpfen.“ Ein Beratungsgespräch beim Sekteninfo NRW könne dann helfen, das Erlebte zu verarbeiten.

Kristin Dowe



Kommentare
19.03.2012
20:08
“Gemeinde Gottes“ wirbt in Essen hartnäckig um Mitglieder
von ditku | #6

Was sagt der Sektenführer aus Rom dazu?

18.03.2012
12:06
“Gemeinde Gottes“ wirbt in Essen hartnäckig um Mitglieder
von siebert2 | #5

nehmen die auch leute ohne glied.

1 Antwort
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Name von Moderation entfernt | #5-1

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

17.03.2012
19:39
“Gemeinde Gottes“ wirbt in Essen hartnäckig um Mitglieder
von rudolff | #4

Ich wurde sogar überhaupt nicht gefragt und direkt nach der Geburt von einer Sekte vereinnahmt! Unter der Androhung einer fürchterlichen Strafe nach meinem Tod wurde ich auf Jahre in der Sekte gehalten.

3 Antworten
“Gemeinde Gottes“ wirbt in Essen hartnäckig um Mitglieder
von Chlodwig | #4-1

Ich denke Ihre Eltern werden da ihren Beitrag geleistet haben. Ist mir ähnlich passiert, ohne zu fragen wurde ich einfach Deutscher und musste Jahrzehnte lang die dazugehörige Propaganda ertragen.

“Gemeinde Gottes“ wirbt in Essen hartnäckig um Mitglieder
von Raintier | #4-2

Ein Beratungsgespräch mit Sekteninfo NRW wird Ihnen helfen das Erlebte zu verarbeiten. Da werden sie geblitzdingst.

“Gemeinde Gottes“ wirbt in Essen hartnäckig um Mitglieder
von hajori | #4-3

Ich nehme mal an, daß Ihre Eltern es nur gut gemeint haben!
Es hindert Sie niemand, aus dieser "Sekte" auszutreten!
(natürlich erst nach den Geschenken für Kommunion oder Konfirmation)

17.03.2012
18:28
“Gemeinde Gottes“ wirbt in Essen hartnäckig um Mitglieder
von Chlodwig | #3

Ich denke, der größte Unterschied zu den großen christlichen Gemeinden ist, dass hier:

"dass er sich komplett von seiner früheren Religionsgemeinschaft lossagt und von seinem sozialen Umfeld abwendet"

Das sie von ihrem Glauben überzeugt sind und auch missionieren ist ja okay. Das ist ja bei den meisten religiösen/politischen Organisatoren so.

17.03.2012
13:40
“Gemeinde Gottes“ wirbt in Essen hartnäckig um Mitglieder
von dummmberger | #2

"Und sie haben ein Ziel: Die vermeintlich heilbringende Lehre zu verbreiten"
"Dabei versteht sich die Gemeinde als religiöse Gruppe christlicher Prägung mit dem Anspruch, die einzig wahre Interpretation des Christentums zu vertreten."

Fast alles, was man oben über diese Sekte liest, kann man 1:1 auf die großen christlichen Gemeinschaften übertragen.
Und Mission, also dei Bekehrung der "Ungläubigen" steht im Programm jeder Religion.

Auch wenn ich mit diesen Sekten nichts am Hut habe, man sollte schon vorscihtig mit den Vorwürfen sein.

1 Antwort
“Gemeinde Gottes“ wirbt in Essen hartnäckig um Mitglieder
von usedom1218 | #2-1

@#2: "Vorsichtig mit Vorwürfen" sollte man sein? Aha. Habe noch nie erlebt, dass Vertreter der anderen großen Glaubensgemeinschaften auf der Straße oder an der Haustüre um Mitglieder werben. Allein Zeugen Jehovas, Anhänger der Moon-Sekte, oder früher auch Baghwan-Anhänger und ähnliche Sekten missionieren auf diese Art und Weise. Die meisten dieser Sekten sind gefährlich, übrigens auch Scientology, welche sich auf infame Weise an Kinder heranmacht, die auf Nachhilfe angewiesen sind. Naja, die potentielle Zielgruppe solcher "Organisationen" denkt sicherlich ähnlich naiv.

17.03.2012
01:10
“Gemeinde Gottes“ wirbt in Essen hartnäckig um Mitglieder
von a_ha | #1

Mir ist noch keine begegnet.

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