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Gefängnisausbruch auch in Essen denkbar

02.12.2009 | 17:01 Uhr
Gefängnisausbruch auch in Essen denkbar

Essen. Ein Gefängnisausbruch mit Hilfe eines Vollzugsbeamten, wie er den beiden Schwerverbrechern Michalski und Heckhoff in Aachen gelang, wäre auch in Essen denkbar. Das hat der Leiter der JVA eingeräumt. Der letzte Ausbruch in Essen gelang einem Inhaftierten 2002.

Ein Gefängnisausbruch mit Hilfe eines  Vollzugsbeamten, wie er den beiden Schwerverbrechern Michalski und Heckhoff in Aachen gelang, wäre auch in Essen denkbar. Das räumt der Leiter der hiesigen Justizvollzugsanstalt, Herbert Paffrath ein. „Grundsätzlich ist die Sicherheit hier  gewährleistet, aber die Gefahr, dass Sie einen bösen Buben beschäftigen, besteht überall.“

Selbstverständlich lege man  bei der Einstellung von Vollzugsbediensteten strengste Kriterien an. „Die werden von uns gründlich durchleuchtet, auch was ihre familiäre und finanzielle Situation betrifft.“ So solle ausgeschlossen werden, dass ein Angestellter in einer solchen Schlüsselposition erpressbar sei. Auch Polizei und Landesinnenministerium schauten sich das Vorleben des  Bewerbers genau an.  „Die Sicherheitsüberprüfung wird routinemäßig alle fünf Jahre wiederholt“, betont Paffrath. Gebe es besondere Hinweise, könne man einen Angestellten auch in noch kürzeren Abständen überprüfen.

Sensibilisierung beginnt in der Ausbildung

Herbert Paffrath ist Leiter der JVA Essen. Foto: Remo Bodo Tietz

Dennoch könne niemand völlig ausschließen, dass ein Beamter in eine „Extremsituation“ gerate, „wenn die Frau laufen geht, das Häuschen in Gefahr ist oder die Schulden sich häufen.“ In so einer Notlage könne der verlässliche Mitarbeiter zum bösen Buben werden, der einem Gefangenen zur Flucht verhilft. „Der ist erpressbar, braucht das Geld; vielleicht treten Mittelsmänner eines Gefangenen sogar an seine Familie heran und setzen sie unter Druck.“

Schon während der Ausbildung würden die Bediensteten für diese Problematik sensibilisiert. „Das ist hier eine gefahrengeneigte Arbeit, und unsere Leute verfügen natürlich über das Instrumentarium, damit umzugehen“, versichert Paffrath. Werde jemand auch nur gebeten, einen Brief nach draußen zu schmuggeln, müsse bei ihm die Alarmglocke läuten. „Das kann ein Test sein oder ein Versuch, etwas gegen ihn in die Hand zu bekommen, ihn erpressbar zu machen. Hier sitzt ja die Crème de la Crème der Verbrecherwelt.“

"Wer verzweifelt ist, kann Mist bauen"

Um eine spätere Erpressung zu verhindern, sei es daher wichtig, ein Klima zu schaffen, in dem ein Beamter eine kleinere Verfehlung freiwillig meldet. Außerdem werde in überschaubaren Teams gearbeitet, in denen man mitbekommen sollte, wenn ein Kollege in eine Notlage gerate. Das Wohl seiner Angestellten liegt Paffrath also aus guten Grund am Herzen: „Wenn jemand in eine verzweifelte Lage gerät, kann es passieren, dass er Mist baut .“

Dass sich jemand mit einem Gefangenen so solidarisiere, dass er ihn befreie, habe er während seiner 30-jährigen Tätigkeit in Gefängnissen allerdings noch nicht erlebt. Ohnehin sehe er im Ausbruch „keine Alltagsgefahr“; in Essen habe es zuletzt im Jahr 2002 einen Fall gegeben. Und der Aachener Ausbruch sei landesweit der erste in diesem Jahr. Fluchtpläne aber mache wohl jeder zweite Gefangene: „Die haben ja 24 Stunden am Tag Zeit, darüber nachzudenken.“ Sache der Beamten sei es, die  Umsetzung solcher Pläne zu verhindern.  „Hier bohrt regelmäßig einer ein Loch in die Wand, das müssen wir entdecken. Obwohl sowas kein ernsthafter Ausbruchsversuch ist, sondern eine Kinderei.“

Christina Wandt

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