„Gebt den Essenern doch Rosenmontag frei“

Ehemalige Prinzen im Gespräch: Dirk Wagemann (l.) und Hubert Kost.
Ehemalige Prinzen im Gespräch: Dirk Wagemann (l.) und Hubert Kost.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Die großen Feiertage der Karnevals-Session rücken näher. Zwei ehemalige Prinzen sprechen im Interview über Termine,Erlebnisse und ihren Wunsch an Unternehmen

Essen.. Die großen Feiertage der Karnevals-Session 2014/2015 rücken näher. Bevor in der Stadt so richtig die Post abgeht, nahmen sich Vorsitzender Dirk Wagemann und Beisitzer Hubert Kost aus dem Prinzenrat Essen Zeit und besuchten unsere Redaktion. Im Interview sprechen die ehemaligen Essener Prinzen über Erfahrungen ihrer Amtszeit und, was uns bis Aschermittwoch erwartet.

Herr Wagemann, Herr Kost, in knapp zwei Wochen ist Rosenmontag. Sie sind jetzt schon viel unterwegs. Mit Stress und Dauerfahne?

Wagemann: Es ist positiver Stress, denn es macht ja Spaß. Und zum Karneval gehört sicher Alkohol. Aber der Straßenkarneval, den Sie meinen, ist nicht unser Karneval. Bei unseren Sitzungen geht es in der Regel gesittet zu.

Kost: Viele Leute schauen auf die Zeit von Altweiber bis Aschermittwoch. Für uns läuft die Session schon lange und hat im Januar richtig Fahrt aufgenommen. Als Prinzenpaar kommt man in der Session auf 300 Termine und schon mal 20 an einem Tag. Wenn man da immer Alkohol trinkt, hält man das nicht durch.

Essen hat 5000 organisierte Karnevalisten in über 40 Karnevalsgesellschaften. Sie kommen so in der ganzen Stadt rum. Gibt es Feierlichkeiten, die man besonders gerne besucht oder die Ihnen in besonderer Erinnerung geblieben sind?

Kost: Alle reden von den Abendsitzungen. Aber ich habe den sozialen Karneval in besonderer Erinnerung. Wie einen Besuch im Franz-Sales-Haus. Die Menschen wollen ihnen einfach mal die Hand geben, das Prinzenkostüm anfassen. Dann schauen sie in glücklich glänzende Augen. Und dir geht das Herz auf.

Wagemann: Man sieht immer wieder Ecken der Stadt, in die man sonst kaum kommt. In Frintrop gibt es eine kleine Sitzung mit elf Damen und Pfarrer Fritz Pahlke als Büttenredner. Eine Herausforderung.

Vom Kleinen zum Großen: Rosenmontag sind am 16. Februar dann mit Abstand die meisten Menschen im Karneval unterwegs.

Wagemann: Das stimmt. Da reden wir allein bei den beiden Zügen von 180 000 Zuschauern. Aber es wird für uns immer schwieriger. Die Sicherheitsauflagen, wie das Personal, das sie an einem Wagen brauchen. Dann die Wurfware. Von der gab es früher mehr. Mit den Sitzungen verdienen sie das Geld, das dann vom Wagen geworfen wird.

Sind Sie mit der Zusammenarbeit mit der Stadt zufrieden?

Wagemann: Grundsätzlich klappt die Zusammenarbeit gut, wie beispielsweise mit der Reinigung nach dem Zug. Wir würden uns manchmal mehr Fingerspitzengefühl wünschen. Der Rosenmontagszug in der Innenstadt soll sich ja dieses Mal im Bereich Rolandstraße/Huyssenallee auflösen. Das wird eng.

Mit der Stadtspitze haben Sie Glück. Die OB-Kandidaten der großen Parteien sind Jecken.

Kost: Ja, sowohl Reinhard Paß als auch Thomas Kufen sind Ehrensenatoren. Die tun sich nichts. Karnevals-Bürgermeister ist aber Rudi Jelinek. Der ist gerne selbst mittendrin.

Würden Sie sich von jemand mehr Unterstützung wünschen?

Wagemann: Von den Essener Unternehmen. Mehr finanzielle Unterstützung würde dem Karneval, der für Brauchtum und Tradition steht, gut tun. Wir sind sicher nicht Köln, wo die Stadt zu 100 Prozent hinter dem Karneval steht. Aber es wäre doch schön, wenn die Essener Rosenmontag frei hätten.

Letztes Jahr war es beim Rosenmontagszug in der Innenstadt regnerisch und kalt. Zünden Sie dieses Jahr vorab Kerzen in der Kirche an?

Kost: Das wurde wohl letztes Jahr in Kupferdreh getan. Denn da war beim Zug gutes Wetter. Aber Kerzen sind nicht zwingend notwendig. Einen Karnevalisten schreckt schlechtes Wetter nicht ab.