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Gebremster Drang nach oben

13.10.2014 | 20:00 Uhr
Foto: Hans Blossey

Essen.  Gleich drei City-nahe Essener Bürohochhäuser aus den 1960er Jahren stehen derzeit leer. Zumindest zweien droht der Abriss, denn lohnende Mieten für fällige Investitionen sind am Markt kaum zu erzielen.

Es gab eine Zeit, da prägten Kirchtürme die Silhouette der Stadt. Später folgten die Schlote vor allem der Kruppschen Fabriken, und heute machen Wolkenkratzer die Skyline aus: Sie erzählen vom Wandel einer ganzen Arbeitsregion – Essen, der Schreibtisch des Reviers.

Doch in dem steckt, um mal im Bild zu bleiben, immer öfter der Wurm drin. Denn ein halbes Jahrhundert, nachdem sich die Architekten mit ihren Bauplänen in hiesigen Breiten erstmals himmelwärts orientierten, kommen Hochhaus-Büros zunehmend aus der Mode.

Drei Hochhäuser stehen leer

Zwar war es immer schon etwas teurer, Hochhäuser zu nutzen, aber das gilt erst recht, nun, da Brandschutz-Auflagen, Anforderungen an eine moderne Haustechnik und die digitale Arbeitswelt beachtliche Investitionen einfordern.

Folge: Gleich drei Hochhäuser aus den 1960er Jahren stehen derzeit leer – das alte „Iduna“-Hochhaus am Limbecker Platz, das Hochhaus der Deutschen Bahn am Hauptbahnhof und das einstige „Rheinstahl“-Hochhaus an der Kruppstraße, das Thyssen-Krupp erst vor wenigen Wochen leergezogen hat.

Modernisierung lohnt sich nicht

Fragt man Marcus Kruse von der Projektentwicklungs-Firma Kölbl Kruse, winkt der in allen drei Fällen achselzuckend ab: Kaum Chancen am Markt. Denn die Hochbauten seien „in ihrer Form gefangen“: Der Anteil der vermietbaren Fläche pro Etage ist eher gering, liegt im alten „Rheinstahl“-Hochhaus etwa bei 57 Prozent. Moderne Bürokomplexe kommen dagegen auf bis zu 88 Prozent. Wollte man die anspruchsvollen Immobilien nach modernsten Erfordernissen aufmöbeln und „vollständig revitalisieren“, müsste die Quadratmeter-Miete am Ende um die 18 Euro liegen, schätzt Kruse. Am Markt durchsetzbar sind aber allenfalls um die 14 Euro.

Kein Wunder, dass bei zwei betagten Hochhäusern derzeit ein Abriss im Gespräch ist: so beim alten Deutsche Bahn-Hochhaus direkt am Hauptbahnhof. Bis Anfang kommenden Jahres, so verspricht Olaf Geist, NRW-Regionalleiter des Immobilienunternehmens Aurelis, soll sich der Nebel gelichtet haben, ob das vor zwei Jahren leergezogene Objekt gegenüber dem Handelshof noch mal aufgebrezelt oder dem Erdboden gleich gemacht wird.

Kommentare
14.10.2014
12:09
Gebremster Drang nach oben
von Snupie | #5

Leerstehende Bürohochhäuser wären ideale Bauten für neue Hotels.
Andere Städte setzen auf Hochhäuser.
In Frankfurt gibt es sogar Hochhaustourismus.

1 Antwort
Gebremster Drang nach oben
von michelino | #5-1

An Hotels habe ich auch schon gedacht. Generell werden solche Gebäude, sofern sie nicht durch einen Ankermieter gedeckelt werden oder aus Eigennutz entstehen, gerne auf mehrere Säulen gestellt. Appartements, Hotel, Büros und Einzelhandel sind möglich und geben dem Projekt nicht nur mehr halt, sie strahlen auch positiv auf die Umgebung aus.

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9930919
Gebremster Drang nach oben
Gebremster Drang nach oben
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http://www.derwesten.de/staedte/essen/gebremster-drang-nach-oben-id9930919.html
2014-10-13 20:00
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Essen