Gebraucht wird Wohnraum

In Essen herrscht kein Mangel an ungenutzten 08/15-Schulhäusern aus der Kaiserzeit, wohl aber an Grundstücken für gehobenen Wohnungsbau in guten Lagen. Das wissen natürlich auch Stadtteilpolitiker, die sich dennoch leider viel zu oft als Sprachrohre für diejenigen verstehen, die bei der Nutzung von Flächen am liebsten gar nichts mehr ändern möchten. Verbrämt wird die konservierende Grundhaltung dann gerne mit Umweltbedenken oder auch mit angeblicher Denkmalwürdigkeit. Das Ringen um die Kunstwerkerschule, das nun schon gut und gerne zwei Jahrzehnte währt, ist dafür ein typisches Beispiel.

Längst könnten hier - wie auf der anderen Seite der Kunstwerkerstraße - junge Familien leben, für die das Siepental ideal ist. Stattdessen wird mit allerlei Verrenkungen versucht, einem etwas modrigen Backsteinbau eine neue Nutzung zuzuschustern. Dass dabei auch Christdemokraten mittun, deren OB-Kandidat besonders lauthals Wahlkampf macht mit der Notwendigkeit der „wachsenden Stadt“, gehört zu den besonderen Essener Absurditäten. Frank Stenglein