Ganztag: Verdi gegen Personal-Verschiebung

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi wehrt sich gegen die geplante Verschiebung von städtischen Beschäftigten hin zur städtischen Tochtergesellschaft „Jugendhilfe Essen“. Wie am Mittwoch berichtet, haben SPD und CDU in einem gemeinsamen Antrag im Rat die Verwaltung beauftragt, ein Konzept zu erstellen, das rund 130 Erzieherinnen und Erzieher, die an Ganztags-Grundschulen arbeiten, künftig zur „Jugendhilfe“ überführt. Bei der „Jugendhilfe“ sind bereits die meisten der insgesamt mehr als 300 Erzieher an den Ganztagsschulen beschäftigt. Einbußen beim Einkommen sind nicht zu erwarten. Auch die „Jugendhilfe“ zahlt nach Tarif.

Trotzdem betont Dirk Achatz, der zuständige Fachbereichs-Vorsitzende bei Verdi: „Die Erzieherinnen, die aktuell bei der Stadt Essen angestellt sind, wollen auf gar keinen Fall in diese Jugendhilfe gGmbH wechseln. Niemand weiß, welche Zukunftsperspektiven sich dort ergeben.“

Wenn die Personalverschiebung schon aus wirtschaftlichen Gründen keinen Sinn ergebe, sei auch fraglich, ob die Änderung organisatorisch wirklich Vorteile bringe. Das führen die Parteien sowie die Jugendhilfe derzeit als wichtigstes Argument ins Feld. Verdi argumentiert genau andersherum: „Würde die Jugendhilfe wieder zur Stadt zurückgeführt, hätte dies viel eher den gewünschten Spareffekt und würde die Steuerungsmöglichkeiten durch den Fachausschuss des Rates verbessern.“

Martina Peil vom Verdi-Bezirk Essen erinnert außerdem daran, dass erst kürzlich SPD und CDU dafür plädiert haben, die Zahl der städtischen Tochtergesellschaften zu reduzieren. „Hier bietet sich nun die einmalige Gelegenheit, dies zu tun. Warum will man diese Möglichkeit nun aber noch nicht einmal prüfen lassen“, fragt Peil.

Dirk Achatz ergänzt: „Die Abschiebung des Personals von der Stadt zur Jugendhilfe löst aus unserer Sicht überhaupt keine Probleme im Offenen Ganztag. Wir wollen Bildung statt Betreuung.“ Unabhängig von der Organisation der Mitarbeiter im Offenen Ganztag bemängelt Verdi unzureichende Rahmenbedingungen: „Viel zu wenige ausgebildete Erzieherinnen sind für viel zu viele Schulkinder zuständig.“