Fußball-Fieber wie daheim im Wohnzimmer
26.03.2010 | 16:43 Uhr 2010-03-26T16:43:00+0100
Das Szenario: Alleine vor dem heimischen Fernseher. Klein flimmert das Spiel der Fußball-Weltmeisterschaft über die Mattscheibe. Doch dann, „Tooor!“, aber niemand da, mit dem man darauf anstoßen könnte.
Statt Fußballfieber nur Tristesse. Dabei ist Fußball doch ein Mannschaftssport - und Fußballgucken eben eigentlich auch. Nach Südafrika reisen muss man dafür aber nicht. Günstiger geht’s beim „Public Viewing“ in der Messehalle 6. Auf einer 110 m² großen Leinwand überträgt der Gründer der Fußballkneipe „11 Freunde – Die Bar“, Thomas Siepmann, alle Deutschlandspiele. Mit urigen Sofas, Biertischen und Fankurven.
Platz für 7500 Fans
„Stadiongefühl und Wohnzimmeratmosphäre verbinden, das ist es was wir wollen“, fasst Siepmann zusammen. Damit kennt er sich aus. Als zur WM 2006 in Deutschland Essen das Schicksal drohte als einzige Großstadt kein öffentliches Fußballgucken zu organisieren, improvisierte der Ballfreund. Ein leerstehendes Holzlager wurde zur Fanmeile. „Bei der darauffolgenden EM 2008 kamen über 50.000 Fans zu unserem etwas anderen Public-Viewing in die Messehalle. Das war ein Familienevent ohne Krawall. Was mich freut ist, dass es zur Hälfte weibliche Fans waren“, erinnert er sich.
Vom 11. Juni bis zum 11. Juli steht nun die 19. Fußball-WM an. Pünktlich eröffnet „11 Freunde – Die WM-Arena“ zum ersten Deutschlandspiel am 13. Juni für bis zu 7500 Fans die fußballfeldgroße Halle. Ausrichter ist die Messe Essen. Statt kahler Wände wird es kuschelig. Mit ockerfarbenen Sofagarnituren, stammtischerprobten Biertischen nebst Bierfass und Stehplatzkurven. „Wir nennen das einfach unser ‘Gelsenkirchener Barock’“, erzählt Siepmann lächelnd.
Wer seine Fußballleidenschaft statt auf dem Sofa lieber unter freiem Himmel ausleben möchte, hat nach derzeitigem Stand der Dinge schlechte Karten: Im Gegensatz zur WM 2006 denkt die Essen Marketing GmbH (EMG) derzeit nicht an eine Übertragung der Spiele auf öffentlichen Plätzen. EMG-Prokurist Dieter Groppe: „Es gab Angebote von Veranstaltern, aber da hätten wir rund 100.000 Euro beisteuern müssen.“
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