Für die Jecken hört der Spaß auf

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Heisingen/Werden..  In diesem Jahr wird die Werdener Karnevalsgesellschaft Völl Freud erstmals seinem Heimatstadtteil untreu und zieht mit seiner Gala nach Heisingen. Der Grund: „Der Wirt der Domstuben wünscht keine Veranstaltung mehr mit uns”, klagt die erste Vorsitzende Sigrid Notthoff. Da in Werden auch kein anderer geeigneter Saal zur Verfügung steht, ziehen die Jecken mit ihrer Galasitzung nun in den Heisinger Pfarrsaal St. Georg.

„Es ist wirklich schade, dass es für uns als Werdener Verein hier keine Möglichkeit gibt, zu feiern”, bedauert Notthoff. Zehn Jahre hat die KG Völl Freud in den Domstuben Veranstaltungen wie ihre Monatssitzungen oder kleinere Feiern wie die Bacchus-Beerdigung oder Kinderkarneval stattfinden lassen. In diesem Jahr wollten sie, wie übrigens auch die Fischlaker Karnevalisten und die KG Lindenbeck, die große Gala in den Domstuben veranstalten, da der Hesperkrug, wo sonst die Galas über die Bühne gingen, inzwischen geschlossen hat.

Doch daraus wird leider nichts: „Der Wirt hat uns zu verstehen gegeben, dass er uns nicht garantieren könnte, 2015 den Saal wieder zur Verfügung stellen zu können.” Dabei hatten die Völl-Freudler sich mit den anderen beiden Vereinen bereits abgesprochen – Überschneidungen hätte es nicht gegeben.

Im Vorfeld habe es Streit wegen der Anzahl der Gäste gegeben, berichtet Notthoff. „Es kam immer wieder vor, dass ein paar mehr Gäste zu uns kamen, als ich vorher angemeldet habe. Aber so genau kann ich nun mal nicht vorhersehen, ob nun 30 oder 35 Leute kommen.” Hahn jedoch hätte sich mehrmals darüber beschwert, da ihm für die Mehrzahl an Gästen offenbar das Personal und die Kapazitäten in der Küche fehlten. „Normalerweise freuen sich doch Wirte über mehr Gäste”, wundert sich die Karnevalistin.

Domstuben-Wirt Frank Hahn bewertet die Situation anders: „Ich habe dem Verein keine Absage erteilt“, sagt er, „vielmehr hat er auf meine Gesprächsangebote nicht reagiert.“ Zwar habe es tatsächlich Ärger um Organisationsfragen gegeben, räumt er ein. „Doch da war nicht die Frage, ob 30 Leute oder 35 kommen, sondern eher ob es 20 oder 50 werden.“ Eine nicht unerhebliche Größenordnung, findet Hahn, die darüber entscheide, welchen Saal er zur Verfügung stellt und damit vorheizt und wie viel Personal er einsetzt. „Ich habe das Gefühl, der Verein ist schlecht organisiert.“

Nach einer Veranstaltung mit Jugendlichen kam es zum Disput: Es wurde „Reise nach Jerusalem” gespielt, das Spiel, bei dem die Kinder und Jugendlichen zur Musik um einen Stuhlkreis tanzen – es gibt einen Stuhl weniger als Mitspieler. Stoppt die Musik, müssen die Mitspieler sich so schnell wie möglich auf einen der Stühle setzen. Wer keinen ergattert, scheidet aus. „Dabei ist ein Stuhlbein zu Bruch gegangen”, räumt die Vorsitzende ein. „Daraufhin hat uns der Wirt vorgeworfen, dass wir das Spiel nicht vorher angemeldet haben – dann hätte er alte Stühle heraussuchen können.” Ein Schuh, den sie sich nicht anziehen mag – denn immerhin seien solcherlei Spiele bei Kinder- und Jugendveranstaltungen völlig normal.

Kinder und Jugendliche seien nicht das Problem, entgegnet Hahn: „Da hat sich ein 100-Kilo-Mann mit voller Wucht auf den Stuhl knallen lassen“, habe er beobachtet. „Dass man dann behauptet hat, der Stuhl sei schon vorher kaputt gewesen, war die Höhe.“