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Für Busse und Bahnen der Evag soll in Essen die grüne Welle gelten

16.09.2012 | 06:00 Uhr
Für Busse und Bahnen der Evag soll in Essen die grüne Welle gelten
Die Strassenbahn soll auf der Helenestrasse durch Vorangschaltung der Ampeln beschleunigt werden.Foto: Oliver Müller

Essen.   Eigentlich ist es eine einfache Rechnung: Eine Straßenbahn mit 100 Menschen benötigt vielleicht 15 Sekunden zum Queren einer Kreuzung. 100 Pkw dagegen mehrere Minuten. Dass die grüne Welle für Busse und Bahnen aus Umweltsicht zwingend ist, dass die Evag-Linien pünktlicher rollen, liegt auf der Hand.

„Sie ist auch wirtschaftlich logisch“, betonen die Verkehrsexperten bei der Evag . Und verweisen dazu auf eine einfache Rechnung: Auf einer signaltechnisch beschleunigten Linie spart die Evag in nahezu allen Fällen einen „Kurs“ (ein Fahrzeug, zwei Fahrer) – und damit 150.000 Euro im Jahr. Die Chancen stehen gut, dass sich da künftig einiges einsparen lässt: Stadt und Evag haben jedenfalls beim VRR die Anträge für eine „signaltechnische Beschleunigung der Straßenbahn-Linien 101, 103, 105 und 109“ laufen, an 27 Ampeln sollen die Voraussetzungen für die grüne ÖPNV-Welle geschaffen werden. Rund 1,6 Millionen Euro wird das Paket kosten, an dem die Stadt mit rund 240.000 Euro beteiligt ist. „Wir sind sehr zuversichtlich, dass der Antrag bewilligt wird“, sagt Rainer Wienke, vom zuständigen Amt für Straßen und Verkehr. 2013/2014 könnten die Linien umgerüstet werden – damit hätten dann allen Essener Straßenbahnen die grüne Welle.

Es ist allerdings nur ein Trostpflaster im Vergleich zur ursprünglichen Planung: Da wollte die Stadt gemeinsam mit der Evag in einem Zehn-Jahres-Programm 276 Ampeln umrüsten, um auf nahezu allen Bus- und Bahnlinien mehr Tempo zu machen. Rund 15 Millionen Euro hätte die technische Umrüstung gekostet: Der Fahrer sendet ein Signal aus, die Ampel erkennt den Vorrang und schaltet auf Grün für Bus oder Bahn. Doch vor allem bei der Busbeschleunigung gab es Ärger, mehrere Anträge in Düsseldorf blieben erfolglos, erst mit dem deutlich gestutzten Ausbauprogramm (das sich allerdings auch aus einem anderen Fördertopf speist) zeichnet sich jetzt der kleine Erfolg ab.

630 Ampeln im Stadtgebiet

Dabei sind die Ampelzeiten eines der zentralen Themen im ÖPNV: Von den 630 „Lichtzeichenanlagen“ im Stadtgebiet werden etwa 560 von Bussen und Bahnen befahren. Seit 1989 versuchen Stadt und Verkehrsbetriebe, die Anlagen auf Vorrang zu schalten. Das ist bisher erst an 155 Standorten gelungen, seit 2004 übrigens vor allem über Datenfunk, bis dahin funktionierte die grüne Welle nur über Gleiskontakte.

An Kontakten ist dabei wirklich kein Mangel: Die Evag-Fahrzeug „berühren“ werktags rund 159.242 Mal eine Ampel – und verlieren dabei in drei von vier Fällen durchschnittlich 30 Sekunden. „Wenn wir bei jeder Ampel-Begegnung nur fünf Sekunden weniger Wartezeit hätten, kämen wir auf einen Zeitgewinn von 221 Betriebsstunden“, hat Evag-Sprecher Olaf Frei ausgerechnet. Dass sich da einiges einsparen lässt, liegt auf der Hand. Bei der Evag sieht man aber auch die erhöhte Reisegeschwindigkeit, damit die verringerte Reisezeit, die erhöhte Pünktlichkeit: „Wir wären damit einfach attraktiver.“ Argumente, die sich der VRR noch einmal genau vorrechnen lassen möchte: Wie viele Minuten am Ende rausspringen, sei für die Bewilligung durchaus entscheidend. Bei Evag und Stadt hat man da jedoch keine Zweifel: „Wir werden auf unsere Sekunden kommen.“

Hans-Karl Reintjens



Kommentare
20.09.2012
20:44
Ja bitte, aber nur wenn auch ne Bahn kommt
von Polterer | #28

Wenn auf der Nordstrecke in Altenessen und Karnap mal mit Anforderungskontakten gearbeitet würde wäre auch viel Energie gespart.
Stattdessen gibt es an jeder Kreuzung in jedem Ampeldurchlauf eine Phase in der nur die U-Bahn fahren darf. Nur kommt halt in 8 von 10 Durchläufen gar keine U-Bahn.
Gleichzeitig muss die U-Bahn meist auch halten weil eben nicht dann geschaltet wird wenn eine Bahn kommt.

17.09.2012
18:40
Für Busse und Bahnen der Evag soll in Essen die grüne Welle gelten
von Neu-Essener | #27

Die Beschleunigung ist sehr zu begrüßen. Verglichen mit anderen Städten hat Essen hier noch sehr viel Nachholbedarf, um den ÖPNV attraktiver zu machen.

17.09.2012
09:17
Für Busse und Bahnen der Evag soll in Essen die grüne Welle gelten
von amo17 | #26

Der Vorwurf von einigen Kommentatoren hier im Forum, leere Busse und Bahnen würden bevorzugt, ist nicht zutreffend.

Die Anforderung einer Grünen Ampel passiert nur, wenn der Kurs (das ist diese Bahn oder der Bus) den Fahrplan nicht halten kann.
In Randzeiten, wenn sehr wenige Fahrgäste mitfahren gilt die gleich Taktung des Fahrplan (kann der Nutzer sich besser merken). Es kommt aber fast nie zu Verspätungen, weil die Zeiten fürs Ein-/Aussteigen kürzer sind oder auch kein Bedarf zum Halten an der Haltestelle vorliegt.

16.09.2012
23:24
Sowas kennt die Bogestra noch nicht
von vantast | #25

Seit Jahrzehnten steht die 318 in Bochum in beiden Richtungen an der letzten Kreuzung vor S-Bahnhof Dahlhausen und wartet geduldig auf Grün. Was für eine Energie- und Zeitverschwendung! Wollte denen schon schreiben, weiß aber aus Erfahrung, daß die nur abwimmeln, sie wollen nichts tun: Haben wir immer so gemacht - da könnte ja jeder kommen und Vorschläge machen, z.B. bei den neuen Fahrkartenautomaten, die auf viele Sprachen einstellbar sind, nur:
4er Ticket, Erwachsene, ist in allen Sprachen gleich.
Die interessieren sich nur für ihre Höhergruppierung.

1 Antwort
Für Busse und Bahnen der Evag soll in Essen die grüne Welle gelten
von MeinLieberScholli | #25-1

Seit Jahrzehnten steht die nun schon da?
Unerhöhrt. Da sollte man wirklich mal was machen.
Wie geht es denn mittlerweile dem Fahrer?

16.09.2012
22:49
Für Busse und Bahnen der Evag soll in Essen die grüne Welle gelten
von bb | #24

Verkehrsplaner sollten aber nicht vergessen, dass auch Fußgänger, Fahrradfahrer, Motoradfahrer und Autofahrer zum Verkehr gehören. Wenn demnächst an 560 Ampeln zehntausende Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren regelmäßig mehrere Minuten pro Ampel und Umlauf mit laufenden Motoren herumstehen und auf den ÖPNV warten, wird das weder die CO2- und Feinstaubbilanz verbessern. Fakt ist nun mal, dass der ÖPNV nur einen kleinen Teil des Verkehrs auf unseren Straßen ausmacht, jedenfalls außerhalb der Stoßzeiten des Schülertransports.

Wenn es also Schaltungsoptimierungen gibt, dann bitte für alle Verkehrsteilnehmer. Ökologisch gesehen kann es dabei dann durchaus auch mal vorteilhaft sein, eine Bahn der einen Bus warten zu lassen. Ob das aber die Chef-Öko-Ideologen überhaupt verstehen wollen?
Die Ampelprogramme müssten ökologisch bedarfsgerecht geschaltet werden, so dass die Emissionen insgesamt minimiert werden, ohne die Wartezeiten einzelner Verkehrsteilnehmer übermäßig zu verlängern.

2 Antworten
Fakten
von totti0405 | #24-1

Fakt ist, dass alle von Ihnen genannten zum Verkehr gehören, da haben Sie Recht.

Aber Fakt ist vor allem, dass den weitaus größten Teil des Verkehrs auf unseren Straßen PKW (und LKW) ausmachen - und der ökologische Wahnsinn somit von den Kraftfahrern verursacht wird, die tagein tagaus in ihren Fahrzeugen mit 1-Mann-Besetzung durch die Gegend juckeln.

Die Emissionen können nur dann verringert werden, wenn insgesamt weniger Fahrzeuge im Verkehr unterwegs sind und die Leute kapieren, dass es Schwachsinn ist, mit 250-PS-Maschinen durch die Gegend zu heizen, die 15 Liter verbrauchen.

Ob das die Chef-Auto-Ideologen überhaupt verstehen wollen?

Für Busse und Bahnen der Evag soll in Essen die grüne Welle gelten
von amo17 | #24-2

Manchmal ist es schwer zu verstehen, was Sie meinen.

"durchaus auch mal vorteilhaft sein, eine Bahn der einen Bus warten zu lassen."

Es ist das fast schon lustig, wenn hier ein paar Auto-Ideologen argumentieren, die 1,5t/pro Person sollten aus Umweltgründen besser nicht abgebremst werden und daher sollten PKW die Grüne Welle haben.

16.09.2012
21:37
Für Busse und Bahnen der Evag soll in Essen die grüne Welle gelten
von An77 | #23

In Essen gibt es "nur" 630 Ampeln? Also, wenn ich durch die Stadt fahre, nehme ich die aber gefühlt alle mit...;-)

16.09.2012
21:22
Für Busse und Bahnen der Evag soll in Essen die grüne Welle gelten
von dongiovanni | #22

Dass Preis und Leistung im VRR keine Alternative sind, ist hinlänglich bekannt.
Die grüne Welle für Busse und Bahnen wird in Duisburg schon lange gepflegt. Der Schwachsinn selbst. Da stehen Autos mit laufendem Motor manchmal mehr als fünf Minuten bei rot an der Ampel. Es wird ja auch nicht angezeigt, dass eine Gegenbahn kommt, die den Fahrer veranlassen könnte die Maschine abzuschalten. Ich wünsche den Essenern, dass sie solche negativen Erfahrungen nicht selber machen müssen. Ein Blick über den Teller- Stadtrand genügt.

1 Antwort
Zeit gefühlt?
von totti0405 | #22-1

Mehr als 5 Minuten? Das sind dann aber sehr wehleidig GEFÜHLTE 5 Minuten.

Im Übrigen: Es steht doch jedem Autofahrer frei, den Motor auszustellen - der vernünftige tuts auch (warum soll dafür ein extra Schild nötig sein??). Dass jeder Autofahrer weiß, wie er den Motor wieder ankriegt, darf ja vorausgesetzt werden! ;-)

16.09.2012
19:35
VolkesMaul | #20
von dummmberger | #21

Volkes Maul?

Nee, so bescheuert ist das Volk nun auch nicht.

Ich denke mal, dass Sie nur provozieren wollen.

16.09.2012
17:45
Grüne Welle für Arme, Alte, Arbeitslose ...
von VolkesMaul | #20

Es ist doch wieder einmal bezeichnend, dass Schüler, Senioren, Arbeitslose und Sozialhilfebezieher mit der "grünen Welle" bevorzugt behandelt werden, während wir Leistungsträger der Gesellschaft, die diesen ÖPNV größtenteils mit ihren Steuern finanzieren, hinter Bussen und Bahnen an der roten Ampel stehen bleiben und warten dürfen. Und jetzt möge mit bitte niemand dazu raten, mich stattdessen in die hoffnungslos überfüllten Busse und Bahnen zu quetschen, um neben den am frühen morgen schon nach Bier müffelnden Zeitgenossen oder stänkernden Zuwanderer-Jugendlichen von und zur Arbeit zu kommen. Das Letzte, worauf ich in meinem Leben verzichten würde, währen meine eigenen vier Räder.

2 Antworten
Für Busse und Bahnen der Evag soll in Essen die grüne Welle gelten
von amo17 | #20-1

Wie kann man so ignorant und eingebildet sein.
Ich fahre mit der Straßenbahn und zahle jedes Jahr weit über Zehntausend € Einkommensteuern.
Warum soll ich kein Anrecht haben, schneller mit dem ÖPNV zur Arbeit/nach Hause zu kommen?

Für Busse und Bahnen der Evag soll in Essen die grüne Welle gelten
von KomischDasAlles | #20-2

Sie sind vermutlich so ein Vorwärtseinparker, der ander jedes mal behindert ihrer Arbeit nachzugehen.

Gewöhnen Sie sich lieber jetzt schon mal an die Fahnen.

Weichei bin ich auf jedenfall nicht. ;-)

16.09.2012
17:40
Für Busse und Bahnen der Evag soll in Essen die grüne Welle gelten
von Zugezogener81 | #19

Kann mir jemand erklären, warum EVAG und Stadt das beim VRR beantragen müssen?

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