Fünftklässler haben Meditation auf dem Stundenplan

Klassenlehrerin Christine Steinert leitet die Kinder an, ruhig zu werden und auf den Atem zu achten.
Klassenlehrerin Christine Steinert leitet die Kinder an, ruhig zu werden und auf den Atem zu achten.
Foto: Essen
Was wir bereits wissen
Essener Gymnasium Nord-Ost hat „Achtsamkeitstraining“ verbindlich für den ganzen Jahrgang eingeführt. Forschungsprojekt der Uni Duisburg-Essen

Essen.. Mit neuen Methoden hilft das Gymnasium Nord-Ost seinen Schülern, sich besser konzentrieren zu können. Seit diesem Schuljahr erhalten alle Fünftklässler ein „Achtsamkeits-Training“, das Laien an Meditation erinnert. Die Uni Duisburg-Essen begleitet das Vorhaben wissenschaftlich; erste Ergebnisse sind vielversprechend.

„Achtsamkeit“ ist ein Begriff aus dem Buddhismus. Oder? „Nein, er ist weltanschaulich neutral“, betont Lisa von Stockhausen, Professorin für Psychologie an der Uni. Der amerikanische Biologe Jon Kabat-Zinn hat „Achtsamkeit“ etabliert, er entwickelte entsprechende Trainings für Patienten, die lernen sollten, besser mit chronischen Schmerzen oder mit Angst umzugehen.

Yoga-Übungen in der Schule

Vor anderthalb Jahren fing man am Nord-Ost-Gymnasium damit an, das Training probeweise im Unterricht einzusetzen. Anstelle von Förderunterricht setzten sich Fünftklässler in einen Stuhlkreis, zweimal wöchentlich, einmal 90, einmal 60 Minuten. Ein Lehrer leitete an: Die Schüler begannen, auf ihren Atem zu achten. Dann, eine klassische Übung, unternahmen sie eine „Reise durch den Körper“, versuchten im Sitzen, ihre Arme bewusst wahrzunehmen, die Hände, die Beine, die Füße. „Diese Trainings“, erklärt Lena Wimmer, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Uni, „werden ergänzt durch Yoga-Übungen.“

Und weil die Hochschule aus diesem Experiment ein Forschungsprojekt gemacht hat, wurden die Schüler nach den Übungen getestet, wie ruhig und konzentriert sie sind. Um aussagekräftige Ergebnisse zu erzielen, machte man die Tests auch mit Schülern, die nicht an den Trainings teilnehmen. „Die Resultate sind ermutigend“, sagt Lisa von Stockhausen. Sie sollen in Kürze in Fachmagazinen veröffentlicht werden.

Doch auch ohne wissenschaftlich messbare Resultate haben die regelmäßigen Übungen das Klassen-Klima verändert: „Störungen sind weniger geworden, die Kinder lassen sich viel weniger ablenken“, berichtet Lehrerin Christine Steinert. Schulleiter Udo Brennholt ist vom Erfolg der Übungen überzeugt: „Mittlerweile haben sich sieben Lehrer ausbilden lassen, um die Übungen anleiten zu können. Wir werden weitere Lehrerstunden einsetzen und mehr Pädagogen ausbilden, die Nachfrage ist groß.“ Das bestätigt Silja Bellingrath, Junior-Professorin an der Uni Duisburg-Essen: „Die Schüler fordern die Übungen selbst ein, weil sie merken, dass sie ihnen gut tun.“ Deshalb machen seit diesem Schuljahr grundsätzlich alle Fünfer die Achtsamkeits-Trainings. Die Schule ist jetzt dafür mit einem Preis der Krankenkasse AOK ausgezeichnet worden. Achtsamkeit helfe gegen Prüfungs-Angst, mache die Kinder reifer im Umgang mit sich und anderen: „Überall wird von jungen Menschen erwartet, sich selbst regulieren zu können“, merkt Lisa von Stockhausen kritisch an, „aber niemand bringt es ihnen bei.“