Frösteln auf dem Arbeitsmarkt

Die Zahl der Arbeitslosen ist im Januar erwartungsgemäß gestiegen, vermeldet die Agentur für Arbeit.
Die Zahl der Arbeitslosen ist im Januar erwartungsgemäß gestiegen, vermeldet die Agentur für Arbeit.
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Was wir bereits wissen
36.181 Essener waren im Januar ohne Job. Das waren 1.122 oder 3,2 Prozent mehr als im Vormonat. Die Arbeitslosenquote stieg um 0,4 Prozentpunkte auf 12,5 Prozent.

Essen.. Mehr Menschen, die ihren Job verloren haben, mehr Langzeitarbeitslose, mehr Jugendliche ohne Beschäftigung und mehr schwerbehinderte Menschen ohne Arbeit: Die Januar-Bilanz für den Essener Arbeitsmarkt lässt frösteln. Für Torsten Withake, Chef der Essener Agentur für Arbeit, ist die Entwicklung allerdings wenig überraschend: „Die Zahl der Arbeitslosen ist im Januar wie erwartet gestiegen.“ Das sei zum Jahresbeginn „saisontypisch“ und erklärbar durch das beendete Weihnachtsgeschäft, Kündigungen und bis zum Jahresende befristete Arbeitsverträge sowie auslaufende Qualifizierungen und Ausbildungen. Der Frühling wird’s schon wieder richten: Eine Belebung auf dem Arbeitsmarkt sagt Withake für den März voraus.

36.181 Essener waren im Januar arbeitslos gemeldet. Das waren 1.122 oder 3,2 Prozent mehr als im Vormonat. Die Arbeitslosenquote stieg relativ deutlich um 0,4 Prozentpunkte auf 12,5 Prozent. Gegenüber dem Vorjahresmonat habe die Arbeitslosigkeit um 0,3 Prozent abgenommen – jedenfalls, was die offizielle Statistik angeht.

Fast 81 Prozent aller örtlichen Arbeitslosen leben von Hartz IV

Der dunklen Seite der Zahlen näherte sich erneut das Hartz IV-Netzwerk Essen (BG45). Wer Licht in die so genannte Unterbeschäftigung bringt, die die nicht gezählten Erwerbslosen wie 2.559 Ein-Euro-Jobber, 3.963 über 58-Jährige, Kranke und Menschen, die an Weiterbildungen oder Eingliederungen teilnehmen, erfasst, kommt zu einem anderen Schluss: 11.009 Erwerbslose fanden im Januar keinen Eingang in die Bilanz. Rechnete man sie in die offiziellen Zahlen ein, stünden am Ende 47.190 Essener ohne Job und eine Arbeitslosenquote von 15,8 Prozent.

Fast 81 Prozent aller örtlichen Arbeitslosen leben inzwischen von Hartz IV-Leistungen. 2.665 davon waren unter 25 Jahre alt. „Der Abbau der Jugendarbeitslosigkeit ist auch 2015 einer unserer Schwerpunkte“, sagte Withake: „Wir sind gut aufgestellt und versuchen, die jungen Facharbeiter schnellstmöglich in den Arbeitsmarkt zu integrieren.“ Der Chef der Behörde am Berliner Platz appellierte abermals an die Betriebe, in Ausbildung zu investieren: „Das bietet nicht nur den Unternehmen Schutz vor Fachkräftemangel.“ Man biete den jungen Menschen zudem die Chance auf eine erfolgreiche berufliche Perspektive.

Essener Unternehmen meldeten dem Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit im Januar 1.011 freie Stellen. Das waren 17 weniger als im Dezember, aber 82 mehr als im Januar des vergangenen Jahres. Nach neuen Mitarbeitern suchten vor allem das Gesundheits- und Sozialwesen, der Handel, unternehmensnahe Dienstleistungen sowie die Logistikbranche und Personaldienstleister. 3.381 offene Stellen wirft die Statistik insgesamt aus. Für jede zehnte Vakanz wird bereits seit sechs Monaten oder länger nach einem passenden Bewerber gesucht. Im Durchschnitt kann eine Stelle erst nach 87 Tagen besetzt werden. 73 waren es im Januar des vergangenen Jahres.