Frisch auf!

Eine beliebte Route des Sauerländischen Gebirgsvereins verläuft entlang des Golfplatzes in Essen-Heidhausen und an zahlreichen Pferdeweiden. Am Horizont ist bereits Velbert-Langenhorst zu sehen.
Eine beliebte Route des Sauerländischen Gebirgsvereins verläuft entlang des Golfplatzes in Essen-Heidhausen und an zahlreichen Pferdeweiden. Am Horizont ist bereits Velbert-Langenhorst zu sehen.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Der Frühling lockt die Essener ins Grüne. Der Sauerländische Gebirgsverein hat eine Routenempfehlung speziell für die NRZ-Leser erarbeitet.

Essen.. Bei Familie Meyer gibt es eine klare Arbeitsteilung: Der 74-jährige Gerd kümmert sich um die weißen Rauten, also um die Bezirkswanderwege. Seine Frau Renate ist für offene Dreiecke zuständig. Das wiederum sind bestimmte Ortswanderwege. Wenn die beiden Rentner wollten, könnten sie im Essener Stadtgebiet über mehr als 500 Kilometer Wanderweg spazieren. Vermutlich machen sie das sogar, denn die Meyers sind sowohl ausgebildete Wanderführer als auch offizielle Wegezeichner. Vor allem aber sind beide seit rund 15 Jahren im Sauerländischen Gebirgsverein (SGV) aktiv.

Allein im vergangenen Jahr hat die Essener Ortsgruppe 233 Kilometer an Wegstrecken kontrolliert und deren Beschilderung ausgebessert. Im Keller von Gerd Meyer stehen dafür immer ein paar Eimer mit weißer Farbe bereit. In seiner Jackentasche hat der Mülheimer stets einen Packen amtliche Karten einstecken, auf denen er bestimmte Routen markiert hat. Manche Wege tragen ein X im Namen, andere ein Z, ein A oder ein U. Die Meyers machen die Arbeit nicht allein. Insgesamt gibt es circa 700 „Wanderfreunde“, wie Gerd Meyer in seiner Funktion als stellvertretender Vorsitzender erklärt. Landesweit hat der SGV knapp 40.000 Mitglieder.

Bis zu drei Touren pro Woche

Immer mittwochs, samstags und sonntags, trifft sich die Essener Abteilung, um gemeinsam durch die Natur zu streifen. Am Hauptbahnhof haben sich an diesem Tag knapp 20 Personen zusammengefunden. In der Straßenbahn in Richtung Bredeney steigen noch ein paar Senioren dazu. Die Gruppe kennt die Fahrpläne genau. An der Bushaltestelle „Grenze Heidhausen“ warten drei weitere Teilnehmer, gut erkennbar an ihren Wanderschuhen und bunten Rucksäcken. „Da vorne ist übrigens der höchste Punkt von Essen. 202,5 Meter“, sagt Gerd Meyer in seiner Begrüßung.

Bei der Planung nehmen die Meyers viel Rücksicht auf die Belange der anderen Mitglieder. „Die Wanderungen beginnen fast nie vor neun Uhr, da viele Mitglieder ein Ticket haben, dass erst nach neun Uhr gültig ist“, so Meyer. „Wenn wir danach irgendwo einkehren, achte ich darauf, dass es nicht zu teuer wird. Vielleicht zehn Euro für ein Hauptgericht.“ Schließlich, so der Wanderführer, könnte sich nicht jeder dreimal die Woche ein Mittagessen in der Gaststätte leisten.

Andererseits spiele seiner Meinung nach gerade die Geselligkeit für viele Mitglieder eine große Rolle. „Die Leute freuen sich natürlich, wenn sie nicht alleine am Tisch sitzen müssen. Außerdem hält Sport fit.“ Christa Haußmann ist das beste Beispiel für diese These. Die 84-Jährige marschiert ohne Pause durchs Hespertal. Wenn irgendwo ein Ast im Weg liegt, hebt sie ihn auf und wirft ihn zur Seite. „Essen ist viel grüner als man allgemein denkt“, findet die gebürtige Schwäbin. „Als ich hierher gezogen bin, habe ich das erst gar nicht glauben wollen.“

Festes Schuhwerk ist Pflicht

Die heutige Route führt die Gruppe durch den Langenhorster Wald, vorbei am Golfplatz, über matschige Böden und entlang einer Hauptstraße. Anfangs wird noch viel gesprochen: Ostern, das Wetter, Jogger und die neue Beschilderung am Scheppener Weg. Gegen Mittag wird es etwas stiller. Die zwölf Kilometer machen sich bei einigen bemerkbar.

Christa Haußmann könnte auch noch weiterlaufen. Die längste Tour, die sie gemacht hat, ging über 36 Kilometer. Früher ist sie mit dem Verein sogar auf Skifreizeiten gefahren. Andere Mitglieder wollen es lieber etwas ruhiger angehen. Reinhold Walocha will durch das Wandern vor allem die Umgebung kennenlernen. Der 82-Jährige sagt, er sei früher immer nur Auto gefahren. Erst zu Fuß habe er Essen „so richtig entdecken können.“

Damit die NRZ-Leser ihre Heimatstadt auch ein bisschen besser kennenlernen, hat der Gebirgsverein eine Route ausgearbeitet, die einmal um die Margarethenhöhe führt. Für den Start empfiehlt sich die gleichnamige U-Bahnhaltestelle Die Strecke ist 8,2 Kilometer lang und geht größtenteils durch Waldgebiet. Festes Schuhwerk ist daher Pflicht. Zu den Sehenswürdigkeiten auf dem Rundweg zählen die Gruga, das Hundertwasserhaus, der Hülsmannhof und der Halbachhammer Der SGV wünscht allen Wanderern wie immer ein „Frisch auf“.