Friedhöfe in der Kostenfalle

Friedhöfe sind für die Stadt Essen ein Zuschussgeschäft. 2014 betrug das Defizit wieder 1,65 Millionen Euro.
Friedhöfe sind für die Stadt Essen ein Zuschussgeschäft. 2014 betrug das Defizit wieder 1,65 Millionen Euro.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Der Betrieb kommunaler Grabfelder ist für Essens Eigenbetrieb Grün & Gruga ein Zuschussgeschäft. In Rede stehen deshalb höhere Gebühren und das Aus für kleinere Friedhöfe.

Essen.. Geld fehlt der Stadt an allen Ecken und Enden. Das gilt auch für den Betrieb der 23 kommunalen Friedhöfe, denn der ist längst nicht mehr kostendeckend. Auch im vergangenen Jahr zahlte der Eigenbetrieb Grün & Gruga, dem die Verwaltung der städtischen Friedhöfe obliegt, wieder drauf: Unterm Strich betrug der Verlust 1,65 Millionen Euro – trotz Einnahmen von fast zehn Millionen Euro. Bei Grün & Gruga weiß man so recht keinen Weg hinaus aus der Kostenfalle. Der Eigenbetrieb wird kaum umhin kommen, die Gebühren anzuheben, auch wenn sich die Konkurrenz darüber die Hände reiben dürfte. Auch das Aus für bis zu 15 kleinere Friedhöfe bleibt eine Option.

Es ist ein Trend, der es Grün & Gruga schwer macht: Die Anteil der Urnenbestattungen steigt und steigt; inzwischen liegt er bei 72 Prozent. Die „Bestattungskultur“ habe sich verändert, heißt es. Der Wegfall des Sterbegeldes dürfte dazu beigetragen haben. Seit der Gesetzgeber das Bestattungswesen zudem im Jahr 2003 auch für private Anbieter geöffnet hat, ist der Marktanteil von Grün & Gruga zurückgegangen von 75 auf 61 Prozent.

Was die Stadt machen könnte

Der Rückgang der Sterbefälle insgesamt auf 7250 im vergangenen Jahr tut ein Übriges, um dem Eigenbetrieb die Bilanz zu verhageln. Was kann die Stadt tun? Mit dieser Frage hat sich ein Arbeitskreis des Umweltausschusses befasst. Die Antworten sind aus Sicht von Grün & Gruga ernüchternd: Rein rechnerisch müsste die Stadt die Bestattungsgebühren um 20 Prozent anheben. Das, so die Einschätzung des Arbeitskreises, dürfte sich jedoch eher als kontraproduktiv erweisen. Sind die Privaten doch günstiger, was an geringeren Personalkosten liegen dürfte.

Grün & Gruga sieht hier übrigens keinen Spielraum für weitere Einsparungen. Heute schon käme es bei Terminen für Bestattungen immer wieder zu Engpässen. Seit 1995 hat der Eigenbetrieb seinen der Personalbestand von 200 Mitarbeiter auf 139 gesenkt. Davon arbeiten 95 im Friedhofswesen. Es ist dennoch nicht auszuschließen, dass es weniger werden. Denn mit der Vergabe der Grünpflege auf Friedhöfen hat Grün & Gruga gute Erfahrungen gemacht; auf 10 der 23 städtischen Friedhöfe kümmern sich Privatfirmen ums Grün.

Weitere Alternativen

Auch die Schließung kleinerer Friedhöfe zieht Grün & Gruga in Betracht. Den Etat würde dies allerdings nur auf lange Sicht entlasten. Kurz- und mittelfristig würde das Defizit sogar steigen, denn Angehörige der dort Ruhenden könnten weiter bestattet werden. Ein Großteil der Kosten fiele noch an.

Das Patentrezept hat der Arbeitskreis also nicht gefunden. Welcher Vorschlag wird umgesetzt? „Es wird auf einen Mix hinauslaufen“, sagt Bernd Schmidt-Knop, II. Werkleiter des Eigenbetriebes. Am Ende wird auch die Stadt helfen müssen. Aus eigener Kraft komme Grün & Gruga beim Friedhofswesen nicht raus aus der Kostenfalle.