Freundliche Übernahme in der Waschkaue

„Noch nie einen Belgier gesehen? Nutzen Sie Ihre Chance!“ – so selbstironisch und charmant hatte sich die Beursschouwburg im aktuellen Pact-Programm angekündigt. Das Brüsseler Kunstzentrum war nicht einfach für ein Gastspiel in die ehemalige Waschkaue auf Zollverein eingeladen. Im Sinne eines „Friendly Takeover“ durften die Belgier für zwei Tage das ganze Haus in Beschlag nehmen, es mit ihren Ideen, ihrer Kunst und mit ihrer Art der Präsentation neu und anders besetzen.

„Wir transferieren ein Gesamtkunstwerk“, freut sich der Pact-Hausherr und künstlerische Leiter Stefan Hilterhaus über diese ganz andere Art der Kooperation. Werde nicht nur eine einzelne Arbeit, sondern eine komplette Handschrift präsentiert, dann könne auch eine bestimmte Atmosphäre transportiert werden. Der Geist des Hauses wird an einem fremden Ort erlebbar.

Das ist eine spannende, eine unbedingt weiter zu verfolgende Idee. Auch wenn das Programm der Beurs für regelmäßige Pact-Besucher kaum überraschend war. Ein humorvolles Video in der Dusche, eine herrlich skurrile Kurzperformance mitten im Foyer, eine Skulptur aus 120 mit kleinen Spiegeln beklebten Fahrradhelmen, die die kleine Bühne zum leuchtenden Sternenhimmel mutieren lässt. Das ist deshalb nicht mehr neu, weil bei Pact selbst die Künstler immer wieder ermutigt werden, alle Räume zu nutzen.

Neu und zum ersten Mal bei Pact zu sehen waren allerdings die Künstler, die die Beurs mitgebracht hat. Zum Beispiel die bildende Künstlerin Miet Warlop, die in „Mystery Magnet“ ein freakiges Farbspektakel veranstaltet.

Buntes Blut spritzt aus riesigen Perückenköpfen auf die weiße Stellwand, es brodelt der Schaum meterhoch aus Flaschen, ein dicker Mann steckt in der Wand fest. Warlops Bühne ist ein Experimentierfeld für Hobbychemiker und wort- und kopflos agierende Figuren mit destruktiver Neigung. Es sprudelt, spritzt und qualmt in dieser anarchischen Cartoon-Szenerie.

Aber vor allem die Musik nimmt an diesen zwei Tagen eine ungewohnt große Rolle ein. Performance und Konzerte, das sind die beiden Schwerpunkte der Beurs. Die beiden Häuser haben ihre Ressourcen zusammengeworfen, um eben das zu erfahren und erfahrbar zu machen: Eine ungewohnte Atmosphäre, einen Blickwechsel.