Freibad Hesse - Ist es das wert?
19.02.2010 | 11:35 Uhr 2010-02-19T11:35:00+0100
Essen.Mehr Eintritt für Essens Bäder, damit Hesse erhalten bleibt? Die Essener sind uneins, wie viel Opfer sie für das Dellwiger Freibad bringen wollen.
Achim Rhode zuckt mit den Achseln: Dass er vielleicht 20 Cent mehr für den Eintritt ins Rüttenscheider Schwimmzentrum bezahlen muss, „ist kein Problem.“ Zweimal in der Woche geht der Kinderarzt in der Mittagspause schwimmen, nutzt die 50 Meter Bahn und ist stolzer Besitzer einer Geldwertkarte. Und die findet der 38-Jährige wirklich „günstig“. Dass alle Essener Bäder mit einer Erhöhung der Preise in einem Boot sitzen und damit dazu beitragen sollen, dass Hesse erhalten bleibt, befürwortet Schwimmtrainer Timur Tug. Schließlich sei Essen wenigstens im Hinblick auf den Schwimmsport erfolgreich. Er prophezeit andere Probleme, wenn die Stadt Bäder schließt oder die Öffnungszeiten verkürzt. Und: „Dann werden in ein paar Jahren die Kinder nicht mehr richtig schwimmen lernen.“ Das Frühtraining, so der 28-Jährige, sei außerdem gut besucht. Wegen möglicher Preiserhöhung „meckern die Leute doch immer. Aber wenn mit diesen Mehreinnahmen ein Bad erhalten wird, ist das richtig so.“
Ein Herz für Hesse
Klamme Kassen sieht BMV-Schülerin Susanne Cetnarowski im Falle eines Falles nicht auf sich zukommen. „Das ist doch nicht schlimm“, sagt die 19-Jährige, die zweimal in der Woche dank Schwimmsport ihre gute Figur hält. Aber die junge Frau hat auch andere im Blick: „Vielleicht kann sich eine Familie mit fünf Kindern den Eintritt dann nicht mehr leisten.“ 20 Cent findet Koch Patrick Jung akzeptabel. „Da schlägt einfach mein soziales Herz. Das ist doch nicht viel. Hesse sollte bleiben, sonst müssen Kinder viel durch die Gegend in andere Bäder fahren.“ Sein Kollege, Chef und Freund Jan Sievers schüttelt den Kopf. „Wo fängt sowas an und wo hört das dann auf“, fragt sich der 23-Jährige. Klar, für den Stadtteil Dellwig sei das sicher schade. Aber: „Ich sehe nicht ein, dass wir die Kosten tragen sollen. Uns gibt auch keiner was.“
Keinen Cent mehr möchte Claudius Escher ausgeben. Es sollte andere Wege geben, Gelder frei zu machen. Wenn ich mir so angucke, wer in der Wirtschaft gefördert wird.“ Einmal in der Woche zieht der 31-Jährige aus Steele seine Bahnen im Rüttenscheider Schwimmzentrum. „Eine drohende Schließung darf nicht auf Kosten der Bürger gehen.“
Volker Maiss regt sich auf, wenn er das Wörtchen Hesse nur hört. Neubau, Erhalt des Freibades: Maiss, der im Sommer in der Gruga fünfmal die Woche schwimmen geht, findet die Berechnungen der Politiker seltsam. „25 Prozent Frühschwimmer gegen eine Ersparnis von 200.000 Euro bei der Änderung der Zeiten, wie viel macht das bei den Einnahmen?“, fragt sich der Mitarbeiter der Finanzverwaltung in Essen. „Die Politiker sollten einfach mal ihre Hausaufgaben machen.“ Volker Maiss erinnert sich: „Früher haben die schon das Nöggerathbad geschlossen. Da gab es nicht so ein Theater.“ Der 50-Jährige will sich mit seinen Kollegen und anderen „Frühstücksschwimmern“ per Unterschriftenliste dafür stark machen, dass sich an den frühen Zeiten der Gruga nichts ändert. Als Lösung schlägt er vor, lieber das Grugabad weiter auszubauen und Essens Schwimmaktivitäten dort zu zentralisieren. „Die Infrastruktur und der Platz sind gegeben.“ Mit Blick auf Berufstätige oder den Ansturm, wenn das Grugabad im Sommer wirklich erst um 10 Uhr öffnet, findet Maiss: Wer dann schwimmen will, ist arm dran.“
Die Essener sind sich nicht einig, wie viel Opfer sie für Hesse bringen wollen.
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