„Frau Altenkamp muss man dankbar sein“

Man muss der SPD-Vorsitzenden Britta Altenkamp dankbar sein, dass sie die Debatte um die Verantwortung für die Kostenüberschreitung beim Stadionbau und deren einstweilige Finanzierung durch für das Folkwangmuseum bestimmte und daher veruntreute Gelder wieder angestoßen hat. Die von ihr angegriffenen Personen, Alt-Oberbürgermeister Dr. Reininger und Stadtdirektor a.D. Hülsmann, werden sich zu wehren wissen, wenn an den Vorwürfen gegen sie nichts dran ist.

Die Attacke von Frau Altenkamp weist aber weiter, nämlich auf die anschließend und noch gegenwärtig Verantwortlichen in Rat und Verwaltung für den Stadionbau. Sollte, wie Frau Altenkamp annimmt, Ursachen für die Kostenüberschreitung schon zur Amtszeit von Reininger und Hülsmann gelegt worden sein, müssten diese während der Baumaßnahme in Erscheinung getreten sein - also viel eher als die Veruntreuung des Museumsmittel. Es ist schlechterdings nicht vorstellbar, dass der Geschäftsführer der GVE auf eigene Kappe die Nachfinanzierung durch treuwidrigen Zugriff auf Mittel für das Museum dargestellt hätte. Warum sollte er, ist er doch gewiss so klug zu wissen, dass er damit seine berufliche Existenz und seine Altersversorgung aufs Spiel gesetzt hätte. Dazu passt dann der Umstand, dass die dem Geschäftsführer zunächst ausgesprochene fristlose Kündigung wegen begangener strafrechtlicher Untreue ohne bekanntgegebene Gründe durch eine einvernehmliche Aufhebung des Dienstverhältnisses zu Ende dieses Monats ersetzt wurde. Wenn den Geschäftsführer aber kein Unteuevorwurf trifft, ist es unabweisbar zu ermitteln, wer dann für den vom Rechtsamt der Stadt festgestellten objektiv erfüllten Straftatbestand der Untreue in Betracht zu ziehen ist. Axel Wiesener, Essen

Alleine kann Herr Hillebrand die Millionenbeträge nicht an allen Kontrollgremien vorbei in den Stadionneubau geschleust haben. Aber scheinbar wird bei allen Bauprojekten, in denen die Politik involviert ist (siehe auch Berliner Flughafen, Elbphilharmonie, Stuttgart 21 etc.), bei allen Beteiligten - Rechnungsprüfung, Zahlungsanweisende, Aufsichtsräte - nach einem Motto verfahren: „Ahnung habe ich keine, aber es wird schon stimmen“. Offensichtlich sitzen in den Aufsichtsräten nur Politiker nach Parteibuch und nicht Leute mit Fachkenntnissen.


Als die WAZ am 25. April 2013 meine Lesermeinung über höhere Kosten für den Stadionbetrieb veröffentlichte, hielten mich viele für provozierend und übergeschnappt, weil ich die Frage stellte: „Sind es 40, 50 oder 60 Millionen Euro oder noch mehr?“ Leider ist meine Vermutung traurige Wirklichkeit geworden. Heute möchte ich bemerken: Ich kann nicht glauben, dass der frühere GVE-Geschäftsführer Andreas Hillebrand die Schuld an allem tragen soll. Für die Essener Bürger wäre es gut, Hillebrand würde endlich alle Karten aufdecken, auch im Hinblick auf seine Glaubwürdigkeit.
Jürgen Becker, Essen