Flying Steps – In der Essener Philharmonie trifft Bach auf Breakdance

Coole Kulisse für Breakdance-Weltmeister: Lil Rock (li.), Anna Holmström und Mikel alias Michael Rosemann machten sich auf der Zeche Zollverein schon mal ein Bild vom Gastspielort Essen.
Coole Kulisse für Breakdance-Weltmeister: Lil Rock (li.), Anna Holmström und Mikel alias Michael Rosemann machten sich auf der Zeche Zollverein schon mal ein Bild vom Gastspielort Essen.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Klassische Musik kann auch Vorlage für die Tanzkunst von der Straße sein: Am 22. und 23. August kommt das Ensemble „Flying Steps“ in die Philharmonie.

Essen.. Zu klassischer Musik gehört anmutiger Spitzentanz, dagegen sind es Hip-Hop-Rhythmen, die die Artistik von Breakdance laut unterstreichen. Ballett findet in der eleganten Atmosphäre imposanter Opernhäuser, die Battle-Kultur des Breakdance auf der Straße statt. So bestimmt es das häufig noch immer existente Schubladen-Denken der Kultur, das in Deutschland vielfach anhand der Kategorien „E“ und „U“ unterscheidet. Einen tänzerischen Durchbruch im wahrsten Sinne des Wortes erzielten vor fünf Jahren die mehrfachen Breakdance-Weltmeister Flying Steps mit ihrem Programm „Red Bull Flying Bach“.

In Zusammenarbeit mit dem Opernregisseur Christoph Hagel entwickelte Flying Steps-Gründer Vartan Bassil und seine Breakdance-Crew zur Musik des wohltemperierten Klaviers von Johann Sebastian Bach eine Choreographie mit modernen Breakdance-Elementen. Jetzt ist das Crossover-Dance-Projekt wieder in Deutschland auf Tour, und am 22./ 23. August in der Philharmonie zu sehen.

„In der Schule fand ich Klassik ziemlich öde“

„In der Schule fand ich Klassik wie wohl fast alle Mitschüler ziemlich öde“, gibt Tänzer Mikel, alias Michael Rosemann unumwunden zu. Allerdings habe sich diese Einstellung seit des „Flying Bach“-Programms radikal geändert. Bei Anna Holmström war es ähnlich. „Wieviel in der Musik von Bach steckt, habe ich erst erfahren als wir begannen, die Musik in tänzerische Bilder umzusetzen“ erklärt die 24-jährige Schwedin. Für Tänzer Lil Rock, der eigentlich Niranh heißt, hatte die intensive Beschäftigung mit Bachs Musik gar den Effekt, dass er mittlerweile auch privat klassische Musik hört und gelegentlich sogar Klavier spielt.

Bei dem Flying Bach-Projekt haben Hagel und Vartan die künstlerische Latte bewusst hochgelegt, denn sie wollten nicht, dass Breakdance allein als spektakulär artistische Umrahmung für das wohltemperierte Klavier des barocken Meisters fungiert. „Uns war klar, dass wir tänzerisch mehr wollten, nämlich eine Geschichte erzählen“, sagt Mikel und erklärt, wie man gemeinsam daran ging, getanzte Bilder für das Bachsche Werk zu finden, und Präludium für Präludium, Fuge für Fuge mit adäquaten Bewegungen aus dem Breakdance-Arsenal zu visualisieren. Dabei gehen die Aktiven über 70 Minuten kräfte- und konzentrationsmäßig an ihre Grenzen.

Und bringen Generationen zusammen: „Es ist auch ein Familienprogramm, denn hier kann der Enkel seinen Großeltern zeigen, was ihn am Breakdance anmacht, und vermutlich wird er dann auch die Hochachtung von Oma und Opa für Bach verstehen, vielleicht sogar ansatzweise teilen“, so Mikel.