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Auto-Streit

Flughafenchef eckt mit teurem neuen Dienstwagen an

13.07.2012 | 07:00 Uhr
Reiner Eismann, Geschäftsführer Flughafen Essen/Mülheim. Foto: Emons

Essen/Mülheim.   Der Chef des Flughafens Essen/Mülheim, Reiner Eismann, gönnte sich eigenmächtig ein teures Auto - und schlug Mülheims Oberbürgermeisterin zuvor eine Verschleierungsstrategie vor. Die ist nun stinksauer: „Das war so nicht abgesprochen“, sagte Dagmar Mühlenfeld auf Anfrage.

In einem Betrieb zu arbeiten, den die Eigentümer dichtmachen wollen, ist kein reines Vergnügen und so wusste Reiner Eismann den Dienstag dieser Woche durchaus zu würdigen. Da funkelte dem Geschäftsführer des Flughafens Essen/Mülheim der neue Dienstwagen auf dem Hof entgegen, frisch angemeldet, ein recht eleganter Lexus 450, halb Benziner, halb Elektroauto, in 5,9 Sekunden von 0 auf 100. Die Freude an dem Gefährt verflog dann ähnlich zügig. Am Donnerstag, keine 48 Stunden später, hatte Eismann bereits seine Aufsichtsratsvorsitzende, Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld, bis zur Zornesröte beschleunigt und sagte Sätze wie „Das stehe ich auch noch durch“ und „Ich habe ein Recht auf das Auto“; womit er recht und unrecht zugleich hat. Die Geschichte dieses Gefährts, sie ist eine Schnurre Marke Mülheim - mit unabsehbaren Folgen.

Der Eindruck macht die Brisanz

Die Grünen empörten sich jedenfalls flugs über Eismanns Tapsigkeit und erinnerten daran, dass der Flughafen jedes Jahr über 600 000 Euro Miese einfliege. Ein 250-PS-Auto sei da „maßlos“ und allemal das falsche Signal. Die CDU sieht Gelegenheit, sich als Sparer-Partei zu profilieren, geht Eismann hart an und will nun gleich alle Dienstwagen aller Stadtbediensteten und Geschäftsführer auf den Prüfstand stellen. Auch SPD-Fraktionschef Dieter Wiechering hält die Anschaffung für „völlig daneben“ und ahnt schon, dass jetzt unschöne Debatten beginnen werden. Dabei fing alles so harmlos an...

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Pierre Ponomareff dreht im Luftschiff über dem Ruhrgebiet seine Runden.

Seit Eismann die Geschäfte am Flughafen führt, fährt er einen Dienstwagen, der ihm vertraglich zugesichert ist und an dem, wie er selbst sagt, „nie jemand Anstoß genommen hat“. Zwei Mal war es eine C-Klasse von Mercedes, zuletzt ein Audi A4. Die Autos mit dem Stern waren gekauft, der Audi geleast. Nachdem die betriebswirtschaftlich sinnvolle Lebenszeit ablief und der Tachostand über 110000 Kilometer hochgeschnellt war, wollte Eismann im vorigen November ein neues Fahrzeug bestellen - und machte dabei zwei Fehler. Der erste: Er gedachte statt einer Limousine einen Geländewagen (SUV) zu nehmen, wieder von Audi, den Q5. Die Begründung, die er Mühlenfeld in einer Mail schriftlich mitlieferte: Er habe „Rücken“, in den Q5 könne er besser einsteigen.

Diese, nun ja, Rückendeckung verwehrte ihm der zahlenfuchsige Chef der städtischen Beteiligungsholding, Dönnebrink. Der Q5 sprenge die Autoklasse aus Eismanns Vertrag, wenn auch nur um einige Tausender, und sei vor allem optisch größer. Im Klartext: Der Eindruck macht die Brisanz aus in einer Stadt, die sich kleiner setzen muss. Eismann möge daher „was Dezentes“ machen, so lautete die Ansage, die auch bei der Aufsichtsratsvorsitzenden so abgespeichert und ad acta gelegt worden war.

Was weder Mühlenfeld, noch Eismann ahnten: Die vertrauliche Mail des Flughafengeschäftsführers an die OB ist auf unbekannten Wegen breit lanciert worden. So bekommt der zweite Lapsus, der Eismann unterlief, plötzlich Gewicht. Der 59-Jährige ging in dem Schreiben von November irrtümlich davon aus, sein alter A4 wäre gekauft worden und stellte es nun als Vorteil dar, dass er das neue Fahrzeug leasen wolle - weil so „eine Diskussion um gerade in der Kritik stehende Investitionsvorhaben“ vermieden werden könne. Die Beteiligungsholding bucht die Passage unter „Quatsch“ ab, weil seit 2007 schon kein Wagen mehr gekauft worden ist. Wer mag, liest aus den Zeilen heraus, Eismann habe seinen Dienstwagen verschleiern wollen. Die CDU mag. Von einer „Ungeheuerlichkeit“ spricht Aufsichtsratsmitglied Frank Wagner.

Wozu noch einen Geschäftsführer?

Eismann behält dennoch seine ganz eigene Sicht auf die Dinge. Er kann an dem Lexus nichts finden, im Gegenteil, er habe lange gebraucht einen Wagen zu finden, der „etwas innovativ“ ist und dieselbe Leasingrate kostet wie der A4: 269 Euro. „Was ist daran schlimm?“, fragt er. Die Antwort gibt ihm seine Aufsichtsratsvorsitzende, diesmal sogar öffentlich. Ein Lexus sei ein Lexus und eben weder ein A4 noch übermäßig dezent. „Das war so nicht abgesprochen“, sagte Mühlenfeld auf Anfrage, kündigte eine Überprüfung an und vielleicht sogar die - recht kostspielige - Rückabwicklung des Leasingsvertrags. Von Konsequenzen für Eismann selbst wollte sie nichts wissen.

Der Besuch der alten Dame

Die könnten sich ohnehin von ganz allein ergeben. 2013 läuft Eismanns Vertrag aus und auch ohne Dienstwagen-Dilemma wäre eine Verlängerung zumindest keineswegs ausgemacht gewesen. Noch in diesem Jahr muss politisch entschieden werden, wann und wie der Ausstiegsbeschluss zum Flughafen umgesetzt wird. Geben die Gutachten, die ohne Not von Geheimnissen umweht sind, eine realistische und kostengünstige Variante her, hätte sich die Frage nach einem Geschäftsführer und dessen Laufzeit ohnehin gestellt. Jetzt stellt sie sich auch, nur lauter, lärmender, gleichsam wie im Auto-Pilot auf der Krawallschiene. In Mülheim ist wirklich nichts unmöglich.

Von Detlef Schönen



Kommentare
03.08.2012
15:12
Flughafenchef eckt mit teurem neuen Dienstwagen an
von Okey | #34

Eine Frechheit und Unverschämt von Herrn Eismann! Was ist daran Schlimm???? Es gibt Menschen die von 269€ monatlich Leben müssen!!! Er zahlt mal eben seine Leasingrate über 269,-€ monatlich!!!! Die Tank Rechnung geht bestimmt auch auf den Steuerzahler zurück!!! Kein Wunder das der FEM 600 000,-€ Miese fliegt im Jahr! Dunkelziffer unbekannt! Wer weiss wieviele Briefe noch unbekannt an Frau Mühlenfeld geschrieben worden sind! So ein Mensch sollte mit Vorbild voran gehen vor allem zur dieser Zeit!!! SPD kann sich das nicht LEISTEN!!! Da sag ich nur: Auf Wiedersehen Herr Eismann, denn das wäre die richtige Entscheidung! Ohne Worte ohne Kohle! Schämen SIE sich, falls sie das mal lesen sollten!!!

18.07.2012
11:42
Da steht in seinem Vertrag...
von Ismet | #33

das dieser einen Anspruch auf einen Dienstwagen hat.
Die genauen angaben, wie dieser Dienstwagen auszusehen hat, steht nichts drin. Er hat ja auch angefragt bzgl. eines Audi Q5, weil dieser "Rücken" hätte. Anstatt ihm mit der Antwort zu kommen "etwas dezentes" zu Kaufen bzw. zu Leasen hätte man Ihm sagen müssen was sein darf und was nicht.
Klar ist doch das der Herr hier auf seinen Vorteil bedacht ist. Und wenn man den Vergleich hier sieht, das ein Lexus höher bewertet wird als ein Audi sprengt hier nochmals den Rahmen. Das Lexus sehr gute Autos baut ist nichts neues, das die über Audi stehen würden schon...
Wenn die Kämmerer etwas mehr "Hirn" gezeigt hätten, wäre diese Posse nienso ausgeartet. Manchmal tut ein Telefonanruf mehr bewirken, als nur diese hirnlosen zweizeiler...

16.07.2012
23:24
An alle sog Hobbypiloten, die hier so gerne diskutieren
von juppko | #32

1. Frage: Wer kennt den Dienstvertrag diesen Herren? 2. Frage: Wären Sie bereit diesen Herren persönlich aus eigener Tasche zu unterstützen, da er anscheinend "excellente Arbeit leistet" , damit sein Fortbewegungsmittel seinem Ego entspricht? 3. Frage: Werden Sie dann auch dafür Sorge tragen, dass auch nach Beendigung des Vertrages dieser Herr nicht auf sein Statussymbol verzichten muss? 4. Frage:Wer von Ihnen gibt diesem doch äußerst kompetenten Herrn nach Beendigung des Vertrages einen neuen Arbeitplatz - evtl. mit einem Ferrari als Dienstwagen - schön wären evtl. auch eine Yacht und eine Dienstwohnung z.B. in Monaco? (wer braucht denn nicht noch ein paar Verlustgeschäfte - der Herr garantiert Ihnen im Gegenzug sicher md. einen Verlust von 1 Mio/Jahr) 5. Frage: Wer von Ihnen hat dem Herrn diesen Lexus vermittelt?
Und nicht vergessen - nicht zu tief fliegen (bekommt dem Geist nicht) - nicht das Sie ihren golfspielenden Nachbarnn in die Quere kommen.

15.07.2012
22:27
Flughafenchef eckt mit teurem neuen Dienstwagen an
von GandalfDERWestfale | #31

Haben schon ein Megagehalt und kriegen trotzdem den Hals nicht voll, aber dem kleinen Bürgern sagen , den Gürtel enger schnallen zu müssen.
Kennste einen kennste alle.
Bei dem Gehalt ist es eine Frechheit das die noch nen Dienstwagen bekommen. Sowas gehört echt abgeschafft.

14.07.2012
16:55
Flughafenchef eckt mit teurem neuen Dienstwagen an
von Rollstuhlfahrer | #30

Ich denke posting #28 und #29 werden die Veröffentlichung des vermeindlichen Dienstwagen Skandals und die Intention dem einen oder anderen näher bringen. Ein bissel darüber nachzudenken kann nicht schaden. Gell.

2 Antworten
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #30-1

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Flughafenchef eckt mit teurem neuen Dienstwagen an
von reinera | #30-2

Lieber Rollstuhlfahrer,
auch der Geschäftsflughafen Essen/Mülheim wäre defizitär geblieben. Es gab also gar kein positives Geschäftsmodell für diesen Flughafen. Dazu kommt, dass der Flughafen Essen/Mülheim keine Düsenflugerlaubnis bekommen hat, so dass das Geschäftsmodell Geschäftsflughafen gar nicht erst abgehoben hätte.
Gleichzeitig hat Bottrop Schwarze Heide die Düsenflugerlaubnis bekommen und die neue 1.500 m Startbahn. Beide Flughäfen, Bottrop und E/MH sind hoch defizitär. Warum soll man dann nicht einfach einen schließen, wo sie doch eh nur 30 km auseinander liegen? Und damit die Verluste des zweiten Flughafens senken?
Das Thema Aeroclub und OVG-Urteil wird sich in dem Moment erledigen, wenn der Aeroclub für sein Hobby selbst aufzukommen hat. Dann ermöglicht Mülheim zwar grundsätzlich das Fliegen an dieser Stelle, nur kann es keiner mehr bezahlen.....

14.07.2012
16:53
Flughafenchef eckt mit teurem neuen Dienstwagen an
von Rollstuhlfahrer | #29

Das Land NRW hat dieses Ziel in den Koalitionsverhandlungen zur bestehenden Regierungskoalition festgelegt (Koalitionsbeschluss vom 6.7.2010). Dem gegenüber steht das sogenannte Aero-Club-Urteil des OVG, das besagt, dass bis zum Jahre 2034 Motorflugbetrieb für Zwecke des Aero Clubs aufrecht erhalten bleiben muss.

14.07.2012
16:51
Flughafenchef eckt mit teurem neuen Dienstwagen an
von Rollstuhlfahrer | #28

Die Flughafen Essen/Mülheim GmbH arbeitet weiterhin unter der Maßgabe, dass sie strukturell nicht in der Lage ist, die durch den Betrieb des Flughafens entstehenden Kosten zu decken. Die drei Gesellschafter einigen sich jährlich, die Verluste durch Kapitaleinlagen auszugleichen. Nicht einigen konnten sich die Gesellschafter bisher einvernehmlich auf die Umsetzung eines neuen Unternehmenskonzeptes „Geschäftsflughafen Essen/Mülheim“, das die Ertragssituation des Flughafens deutlich verbessern würde. Seit dem Jahr 2010 besteht bei allen drei Gesellschaftern die politische Absicht, den Flughafen für die Belange der Allgemeinen Luftfahrt zu schließen, soweit dies rechtlich umsetzbar ist. Dazu haben sich die Räte der Städte Essen und Mülheim an der Ruhr (Beschluss vom 8.7.2010) ausgesprochen. Das Land NRW hat dieses Ziel in den Koalitionsverhandlungen zur bestehenden Regierungskoalition festgelegt (Koalitionsbeschluss vom 6.7.2010). Dem gegenüber steht das sogenannte Aero-Club-Urteil des OVG

14.07.2012
16:50
Flughafenchef eckt mit teurem neuen Dienstwagen an
von Rollstuhlfahrer | #27

Ich würde vorsichtig sein, dem GF die Schuld dafür zu geben, dass der Flughafen keine Gewinne erzielt. Stellt sich die Frage, warum dieser interne Vorgang (wir reden hier über wenige Tausend Euro verteilt über 4 Jahre, als wahrscheinlich 150 Euro im Monat) von interessierter Seite so gepusht wird. Für mich ist das eine Schmierenkomödie zwecks Stimmungsmache. Aber schauen wir doch gemeinsam in den Lagebericht 2010 und lesen:

Siehe Posting #28

13.07.2012
18:50
Flughafenchef eckt mit teurem neuen Dienstwagen an
von Vorstecher | #26

Bald kommt auch noch der Dienst.Helikopter mit Pilot zum vorschein, mal abwarten, was der Eismann noch alles im Tiefkühl hat...

13.07.2012
17:51
Flughafenchef eckt mit teurem neuen Dienstwagen an
von wohlzufrieden | #25

Würde es sich hier um einen bekannten Blödballer handeln, würden ihm alle hier vertretenen Steuerhinterzieher, Heizöltanker und Bewirtung-Quittungs-Fälscher die Stange halten...Und wer jetzt noch behauptet, Blödball hat nichts mit Steuergeldern zu tun, der sollte weiter Blödzeitung, seine Lieblingslektüre lesen...

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