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Flüchtlinge: Essens Stadtplaner wirbt für neue Siedlungen

29.12.2015 | 10:00 Uhr
Essen im Blick: Stadtdirektor und Planungsdezernent Hans-Jürgen Best an der großen Stadtkarte in seinem Büro im Deutschlandhaus.iFoto: Stefan Arend

Essen.  Essens Stadtplaner Hans-Jürgen Best wirbt für neue Siedlungen auch auf geschützten Flächen, weil nur so eine gerechte Verteilung der Flüchtlinge in Essen möglich sei. Einwohnerzahl steige auf jeden Fall.

Herr Best, viele Bürger sind besorgt über die Pläne, Freiflächen zu opfern, um Siedlungen für Flüchtlinge zu bauen. Haben Sie Verständnis?

Gastkommentar
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Hans-Jürgen Best: Selbstverständlich. Ich verstehe jeden, der für das kämpft, was vor seinem Haus, vor seiner Wohnung an freier Fläche vorhanden ist.

Vielen geht es sicherlich auch um mehr als „nur“ um das Gewohnte und Liebgewonnene. Es geht um Klimaschutz, um den Schutz von Natur und Landschaft.

Best: Diese Aspekte müssen letztlich gegeneinander abgewogen werden. Wir habe es mit einer Entwicklung zu tun, mit der keiner gerechnet hat. Die Wohnungsnachfrage-Analyse von 2013, basierend auf Prognosen aus 2011, ging davon aus, dass im Jahr 2015/16 in Essen 555.000 Menschen leben werden. Jetzt müssen wir feststellen, dass es fast 585.000 sind, also rund 30.000 Einwohner mehr. Erst allmählich verstehen immer mehr Menschen, was das bedeutet.

Wir reden also nicht alleine über Flüchtlinge?

Best: Nein. Die Zahl der Flüchtlinge wird auf rund 12.000 geschätzt. So genau weiß das ja keiner.

Sie haben 15 Flächen vorgeschlagen, 13 davon in Landschaftsschutzgebieten . Warum haben Sie diese Flächen ausgewählt?

Best: Im November gab es auf Bundesebene eine Gesetzesänderung. Danach dürfen Flächen, die im Außenbereich liegen und an eine Wohnbebauung grenzen, mit einfachen Bauten für Flüchtlinge belegt werden.

Standorte für neue...

Das sind alles einfache Bauten?

Best: Ja, es sind im Grunde Holzbauten. Leichte Gebäude mit dünnen Wänden. Nicht etwas, in dem man gerne auf Dauer wohnt. So etwas lässt sich auch leicht wieder beseitigen.

Ihre Ausgangs-These war, wir haben 30.000 Einwohner mehr. Die Stadt braucht also Wohnraum?

Best: Wir müssen uns zunächst ausschließlich um die Flüchtlinge kümmern. Wenn man sagt, sie müssen aus den Zelten raus, dann müssen sie irgendwo hin. Die Frage ist, wohin? Darauf gibt keiner eine praktikable Antwort. Nehmen wir die Vorschläge der Grünen. Sie bedeuten, dass wir die Menschen fast alle im Essener Norden unterbringen, weil hier die großen Brachen liegen! Dann brauchen wir die landwirtschaftlichen Flächen natürlich nicht. Aber dann hätten wir zu Recht die Diskussion über die Ungleichverteilung von Flüchtlingen.

Die Grünen haben auch Flächen im Essener Süden benannt.

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Best: Nicht eine einzige davon ist geeignet. Die Fläche am Karrenbergsfeld in Kettwig liegt in der Abluftfahne einer Biogasanlage. Da riecht es. Am Breloher Steig in Horst gehört der Stadt nicht ein einziges Grundstück. Da kommen Sie in zehn Jahren nicht dran. Die Fläche an der Barkhovenallee/Jakobsallee in Heidhausen will Grün und Gruga vermarkten; dort steht sie in der mittelfristigen Finanzplanung. Dann wäre da der Parkplatz P 2 an der Veronikastraße in Rüttenscheid...

...der zum größten Teil der Messe gehört und den sie ständig nutzt.

Best: Eben! Es wird den überlauten Aufschrei der Messe Essen geben, weil sie während der bald startenden Umbauphase permanent Flächen braucht als Ersatz für Messeveranstaltungen. Man kann alles machen, aber man muss immer überlegen, wie hoch der Preis dafür ist. Unser eigentliches Problem ist doch ein quantitatives. Es kommen jeden Tag 35 Flüchtlinge. Das sind die geschätzten 6400 im nächsten Jahr. Ich muss dafür sorgen, dass die irgendwo unterkommen.

Warum nicht in städtischen Immobilien, die leer stehen?

Best: Gute Idee, aber zum Umbau braucht man zweieinhalb bis drei Jahre und die Kapazität reicht für ca 1400 Flüchtlinge. Abgesehen davon stehen auch die großen Immobilien wieder alle im Norden: an der Söllingstraße, an der Seumannstraße...

Die Leerstandsquote für Wohnungen erscheint plötzlich sehr niedrig.

Best: Die Wohnungsgesellschaften in Essen nennen aktuell Leerstandsquoten zwischen 0,6 und 2,8 Prozent. Der Eigentümerverein Haus und Grund schätzt die Situation ähnlich ein, mit einer etwas höheren Leerstandsquote.

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Flüchtlinge: Essens Stadtplaner wirbt für neue Siedlungen
Flüchtlinge: Essens Stadtplaner wirbt für neue Siedlungen
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http://www.derwesten.de/staedte/essen/fluechtlinge-essens-stadtplaner-wirbt-fuer-neue-siedlungen-id11413146.html
2015-12-29 10:00
Essen, Flüchtlinge, Siedlung, Fläche, Wohnungsmarkt
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