Firmen sind bei Schülerpraktika noch skeptisch

Dezernent Peter Renzel stellt vor Wirtschaftsvertretern die Online-Datenbank vor, auf der Schüler Angebote buchen und Firmen Praktikumsplätze einstellen können.
Dezernent Peter Renzel stellt vor Wirtschaftsvertretern die Online-Datenbank vor, auf der Schüler Angebote buchen und Firmen Praktikumsplätze einstellen können.
Foto: WAZ
Neues Landesprogramm sieht im Juni drei Schnuppertage für alle Achtklässler in Firmen vor. Stadt richet Homepage ein zur Koordinierung für Schüler und Firmen.

Essen.. Von einem „unserer wichtigsten Vorhaben“ spricht die NRW-Regierung – das Programm „Kein Abschluss ohne Anschluss“ soll Schülern helfen, sich besser vor der Berufswahl zurechtzufinden. Damit sollen langfristig auch die Klagen der Wirtschaft behoben werden, immer weniger Schulabsolventen seien überhaupt in der Lage, eine Berufsausbildung zu absolvieren.

In Essen machen sich Stadt, Schulen, Arbeitsagentur und Wirtschaftsvertreter gemeinsam auf den Weg, um das landesweite, ehrgeizige Vorhaben vor Ort umzusetzen: Zur Organisation der jeweils eintägigen Schnupperpraktika, von denen jeder Achtklässler drei absolvieren soll in verschiedenen Berufsfeldern, wird in Kürze eine Online-Plattform eingerichtet. Unter „www.stubotage.essen.de“ können sowohl Firmen Angebote für die drei so genannten „Berufsfelderkundungstage“ einstellen, Schüler Angebote suchen und buchen und Lehrer die Tätigkeiten ihrer Klasse koordinieren.

Die drei Schnuppertage sollen in Essen ab Mitte Juni stattfinden, zwei Wochen vor den Sommerferien.

"Kein Abschluss ohne Anschluss"

Bei allen Vorteilen, die für die Beteiligten auf der Hand liegen – Firmen können früh auf interessierten Nachwuchs aufmerksam werden, Schüler lernen rechtzeitig das weite Feld der Ausbildungsberufe kennen –, ist derzeit auch noch Überzeugungsarbeit nötig, um genügend Akteure ins Boot zu holen: „Das Programm ist in der Wirtschaft kein Selbstläufer“, berichtet Ulrich Kanders, Geschäftsführer des Essener Unternehmensverbandes (EUV, 300 Mitgliederfirmen). Erstens fragen sich viele Praktiker, was eintägige Firmenbesuche groß an Einblicken liefern können, und zweitens: „Besonders im Handwerk haben es kleine und mittlere Betriebe schwer, Personal abzustellen, das sich um die jungen Gäste kümmert, sodass ein solcher Schnuppertag auch wirklich sinnvoll ist“, sagt Ulrich Meier, der Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerkschaft Essen (2100 Betriebe).

Für Montag, 27. April, 15 Uhr, sind interessierte Firmen in die Räume der Industrie- und Handelskammer (IHK) eingeladen, um weitere Infos zum Programm „Kein Abschluss ohne Anschluss“ zu erfahren. Dann wird auch im Detail die errichtete Online-Datenbank vorgestellt.

Bei aller Skepsis: „Wichtig ist, dass Schüler erste Eindrücke aus Branchen erhalten“, sagt Rolf Heiber, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit. Der Vorteil des Programms sei klar erkennbar: Aus interessierten Schülern könnten wertvolle Mitarbeiter werden. „Das Programm kann helfen, die Passgenauigkeit der Bewerber von vornherein zu verbessern.“ Thomas Mikoleit vom Jobcenter ergänzt: „Viele Jugendliche wissen nichts von der Vielfalt der 350 Ausbildungsberufe, die es in unserer Stadt gibt.“

Den drei Schnuppertagen geht übrigens eine „Potenzialanalyse“ an Schulen voraus. Ermittelt werden Stärken und Schwächen.