Filmdrama "Katutura" - Essener zeigt das Leben in Namibia

Beim Filmdreh zu "Katutura": Der Essener Regisseur Florian Schott gibt letzte Drehanweisungen im ehemaligen Township. Katutura ist eine Vorstadt von Windhoek in Namibia.
Beim Filmdreh zu "Katutura": Der Essener Regisseur Florian Schott gibt letzte Drehanweisungen im ehemaligen Township. Katutura ist eine Vorstadt von Windhoek in Namibia.
Foto: F. Schott
Was wir bereits wissen
Der Essener Florian Schott ist als Regisseur nach Namibia gegangen. Sein erster Spielfilm "Katutura" zeigt das Leben im afrikanischen Elendsviertel.

Essen.. Der Essener Regisseur Florian Schott lebt zurzeit in Windhoek, in Namibia. Vor einigen Wochen hat der 33-Jährige dort die Premiere seines ersten Kinofilms "Katutura" gefeiert. Im Interview gibt er einen Einblick in seinen Berufsalltag und verrät Hintergründe der Dreharbeiten.

Wie lange haben Sie in Essen gelebt? Wann sind sie nach Namibia gezogen?

Florian Schott: Ich bin am 16. März 1982 im Bethesda-Krankenhaus in Essen-Borbeck geboren, in Essen aufgewachsen und zur Schule gegangen. Habe dort auch meinen Zivildienst gemacht. Danach habe ich angefangen an Filmproduktionen zu arbeiten, dafür habe ich Essen bis 2009 immer noch als 'Startpunkt' benutzt, um dann für die verschiedenen Projekte in andere Städte bzw. Länder zu reisen. Seit 2009 wohne ich in Windhoek, Namibia.

Wann hat sich Ihr Berufswunsch entwickelt? Können Sie sich noch an ein bestimmtes Erlebnis oder einen Moment erinnern, der Sie in den Beruf geführt hat?

Schott: Ich war schon immer interessiert an Filmen. das prägende Ereignis war wohl, als mein Vater mich mit elf Jahren in eine Vorführung von "Jurassic Park", der erst ab zwölf Jahren freigegeben war, geschmuggelt hat. Seitdem war ich versessen darauf, so oft wie möglich ins Kino zu gehen. Und darauf, selbst Filme zu machen, die Geschichten zu erzählen, die mir wichtig sind.

Woran arbeiten Sie zurzeit?

Schott: Ich habe gerade die zweijährige Arbeit an "Katutura" beendet, meinem ersten Spielfilm. Der Film ist ein Drama, das in Namibias größtem Township spielt. Ein Großteil dieses Jahres werde ich damit verbringen, den Film zu promoten, mit dem Film auf Filmfestivals zu reisen und ihn hoffentlich möglichst weit in die Welt zu bringen.

2015 werde ich dann auch zum ersten Mal für das deutsche Fernsehen Regie führen und ich fange gerade an, meinen nächsten Spielfilm zu entwickeln, ich hoffe, dass ich diesen Film 2016 drehen werde.

Warum sind Sie nach Namibia gegangen - und warum haben Sie ihren ersten Spielfilm dort gedreht?

Schott: Ich habe 2008 in Namibia bei Dreharbeiten meine Frau kennengelernt. Seitdem halte ich mich auch den größten Teil des Jahres hier in Namibia auf. Der Film "Katutura" ist mir sehr wichtig, da er ein Gefühl vom Leben im Township wiedergibt, mit all seinen dunklen Seiten, Armut, Gewalt, Drogen- und Alkoholmissbrauch. Aber auch von den helleren Seiten, der Kreativität, dem enormen Zusammenhalt in der Familie und dem großen Potential der Menschen.

Was waren bislang beruflich wichtige Stationen in Ihrem Leben?

Schott: Neben den letzten Schuljahren und Zivildienst habe ich 1999 angefangen, bei den Essener Filmkunsttheatern zu arbeiten. Erst als Kassierer in der Lichtburg, etwas später dann als Filmvorführer im Eulenspiegel. Nach dem Zivildienst habe ich dann 2002 angefangen mit Filmarbeit, vorwiegend für deutsche Krimiserien und Fernsehfilme, erst als Regie-Praktikant, seit 2005 dann als Regieassistent.

Ab dieser Zeit bin ich dann auch in meinem Beruf viel gereist, ich habe Filme gedreht in Moskau, Wien, Amsterdam, Rom, Istanbul, Malta, Südafrika, Namibia, Argentinien und der Antarktis. 2009 habe ich mich dann entschlossen, nach Namibia zu ziehen, aber weiterhin auch für Projekte nach Deutschland zu kommen.

2012 habe ich einen selbstproduzierten Kurzfilm inszeniert - "Everything Happens for a Reason", dieser Film ist auf mehreren Filmfestivals gelaufen, hat 2014 die Afrinolly Shortfilm Competition in Nigeria gewonnen und hat mir den Preis als Bester Regisseur bei den 2014 Namibian Theatre & Film Awards beschert.

2014 habe ich dann auch meinen ersten Kinofilm als Regisseur gedreht. "Katutura" hatte Ende Januar 2015 Premiere in Windhoek.

Was hat sie auf den Reisen bereichert und überrascht?

Schott: Die Reisen rund um die Welt und das Leben hier in Namibia haben mein Leben natürlich bereichert. Ich habe es schon immer geliebt zu reisen, neue Leute kennenzulernen. Natürlich bin ich als Filmemacher auch am Leben anderer Leute sehr interessiert. Und ich genieße es, zwei Heimaten zu haben. Ich habe ein Zuhause und Familie in Windhoek und ein Zuhause und Familie in Essen. Das Einzige was schwieriger wird ist die Familienplanung. Als Regisseur ist man halt immer recht viel unterwegs, das kann mitunter schwierig werden.

Was verbinden Sie noch mit Essen?

Schott: Essen ist immer noch meine Heimat. Meine Familie lebt in Essen, ich habe noch meinen Freundeskreis aus Schulzeiten. Auch wenn ich nicht mehr so oft in Essen bin wie zu Schulzeiten ist es doch immer wieder wie "Nach Hause kommen".