Feuer unter Kontrolle?

Seit die Kommunalaufsicht der Stadt Essen untersagt hat, ihrer Firmen-Holding EVV mit einem zweistelligen Millionen-Kredit unter die Arme zu greifen, ist dort Feuer unterm Dach. Und längst hat der Brand auch auf andere städtische Firmen übergegriffen: Die Wohnungsgesellschaft Allbau sah sich genötigt, vorzeitig ihre Dividende auszuzahlen, die Stadtwerke halfen mit einem Zehn-Millionen-Kredit – und bei der Evag stieg man auf die quietschende Kostenbremse.

Jetzt plant die hochgradig alarmierte Politik den massiven Löscheinsatz für ihre Verkehrs- und Versorgungs-Holding EVV. Der besteht im Verkauf der Essener Anteile am Stadtwerke-Konsortium „Kom9“, ein Firmen-Konstrukt, an dem Essen mit 4,57 Prozent beteiligt ist. Es hält die einstigen Stadtwerke-Anteile der zum Eon-Konzern gehörenden Thüga AG und gilt als glänzendes Stück Tafelsilber im Essener Vermögensschrank: Rund vier Millionen Euro spült die Beteiligung jährlich in die schwindsüchtige Stadtkasse.

Ein hübsches Sümmchen, das man dieses Jahr ein letztes Mal kassieren will – um sich dann im November von der lukrativen Beteiligung zu trennen. In der Politik zeichnete sich gestern eine große Mehrheit für den Verkauf ab, der beachtliche 69,5 Millionen Euro in die EVV-Kasse spülen soll – und der die Finanzprobleme der städtischen Firmen-Holding mittelfristig beheben könnte.

Nein, eine endgültige Lösung ist das nicht, denn wenn der Erlös irgendwann verfrühstückt ist, steckt die Stadt erneut in der misslichen Lage, mit den Gewinnbringern in der EVV – allen voran die Stadtwerke – die Verluste des Nahverkehrs-Anbieters Evag nicht decken zu können. Denn die zum Lückenstopfen genutzte RWE-Dividende, die in besten Zeiten 4,50 Euro betrug und der EVV sogar Gewinne bescherte, ist längst auf einen bescheidenen Euro gesunken – Tendenz weiter fallend.

Und doch: Der Verkauf der „Kom9“-Anteile könnte der Stadt jenen Zeitgewinn bescheren, den man braucht, um die EVV auf neue Beine zu stellen. Scheitert das Vorhaben, so warnte die Stadt gestern in einer nichtöffentlichen Vorlage für den Rat, dann „Bestünde der Druck, andere Optionen zu realisieren“: Gemeint ist damit etwa der Verkauf von RWE-Aktien, von Anteilen des Allbau oder Immobilienverkäufe aus dem Allbau-Bestand.

Die „Kom9“-Anteile loszuwerden, gilt als Lieblingsvariante, doch sie ist kein Selbstläufer. „Wir haben nicht vor, diese Beteiligung zu verramschen“, sagte jüngst Stadtwerke-Vorstandschef Peter Schäfer, das sei „lösbar, aber nicht trivial“.

Denn die Preisfindung hat ihre Tücken: Ursprünglich wurde der Wert der Anteile auf „nur“ 64,5 Millionen Euro geschätzt, erst später vorgelegte Gutachten kamen auf deutlich höhere Beträge, weil sie das Geschäftsmodell als weniger riskant einschätzen. Die Sorge, Essen würde seine „Kom9“-Anteile unter Wert verscherbeln, sei aber unbegründet, heißt es bei der Stadt: Abschläge auf den so genannten fairen Wert in einer Größenordnung von 10 bis 15 Prozent seien bei derlei Geschäften durchaus „nicht unüblich“.

Und wenn der für November geplante Verkauf der „Kom9“-Anteile an einige andere Stadtwerke nicht gelingt? Auch für diesen Fall ist vorgesorgt, ein Überbrückungsdarlehen soll helfen, gespeist aus jenen Geldern, die investiert werden sollten aber nicht wurden.

Das Glutnest bei der EVV, es soll nicht noch einmal aufflammen.