Fernsehen - das Arme-Leute-Medium
13.05.2009 | 12:45 Uhr 2009-05-13T12:45:00+0200
Essen. Fast jedes vierte Essener Kind, das in die Grundschule kommt, besitzt einen eigenen Fernseher. In Familien mit „niedrigem Sozialstatus” hat fast jedes zweite Kind einen Fernseher. In Familien mit „hohem Sozialstatus” bekommen knapp drei Viertel der Kinder täglich aus Büchern vorgelesen.
Fast jedes vierte Einschulungskind in Essen hat schon einen eigenen Fernseher. Das geht aus einer Analyse von Gesundheitsdaten hervor, die ab der kommenden Woche den zuständigen Fachausschüssen im Rathaus vorgelegt wird.
Der Analyse zugrunde liegt der neu erschienene, 233 Seiten starke Band „Soziale Einflüsse auf die Gesundheit von Schulanfängern” der Verwaltung. Er wertet die Daten der Gesundheitsuntersuchungen aus, die an allen Essener Schulanfängern in den Jahren 2000 bis 2007 vorgenommen wurden. Im Blick waren dabei soziale Faktoren. So wurden Eltern während der medizinischen Untersuchung ihrer Kinder gefragt, welcher Bildungsabschluss vorliege, wie oft das Kind fernsehen dürfe – und ob dabei Naschen erlaubt sei –, oder wie häufig dem Kind vorgelesen werde.
Resultat: In Familien mit so genanntem „niedrigen Sozialstatus” hat fast jedes zweite Kind einen eigenen Fernseher. Der „soziale Status” ergibt sich aus Bildungsabschluss und beruflicher Qualifikation. In Familien mit so genannten „hohen Sozialstatus” haben nur 8,5 Prozent der Kinder einen eigenen Fernseher.
Andersherum: In Familien mit „hohem Sozialstatus” bekommen knapp drei Viertel der Kinder täglich aus Büchern vorgelesen. In Familien mit „niedrigem Sozialstatus” erleben das nur 18,4 Prozent der Kinder.
Fehlende Bildung und Armut nachteilig für Gesundheit
Insgesamt belegen die Daten wenig Überraschendes: Fehlende Bildung und Armut wirken sich nachteilig auf die Gesundheit von Kindern aus. Kinder aus unterprivilegierten Familien sind häufiger dick und legen Verhaltensauffälligkeiten an den Tag.
Jedoch hat die insgesamte Zahl übergewichtiger Kinder zugenommen. An krankhaftem Übergewicht („Adipositas”) litten in Essen im Jahr 2007 13,3 Prozent der Kinder. (Schnitt Deutschland: 10,9 Prozent). Im Jahr 2000 waren es noch 9,6 Prozent (Deutschland: 8,7). Doch es gibt auch erfreuliche Nachrichten: Die Zahl von Kindern mit Koordinationsstörungen ist zurückgegangen. Gleichzeitig hat sich die Zahl der Eltern erhöht, die mit ihrem Kind zu den Vorsorge-Untersuchungen (U1 bis 9) gehen.
14:48
Wie kommen sie denn auf die Rechnung, Medley?
Zum einen werden Waren günstiger, je mehr industriell verarbeitet wird (heisst nämlich weniger Menschen arbeiten daran, und weniger Lohn für Mitarbeiter, senkt den Preis fürs Produkt)
Ihrer Logik folgend, müssten Legebatterieneier teuerer als die von Freilandhühnern sein.
Kaufen Sie mal unbehandeltes frisches Obst oder Salat und vergleichen Sie den Preis, mit den gespritzten Billigimporten aus Südamerika.
Vergleichen sie mal die Kosten für eine Spargelcremesuppe, einmal selbstgemacht und eine Tüte von Maggie. An den Preis werden sie nie rankommen, den schlechten Geschmack aber zum Glück auch nicht (Ich gehe jetzt einfach mal davon aus, das Sie ein wenig kochen können).
01:39
@Mao
Im Allgemeinen fehlt aber immer Geld für gesundes Essen....
Ach Gott. Immer und immer wieder diese Verbreitung wirklich grottenfalscher Soziallegenden. :o(((
Es ist nämlich genau andersrum:
A) Das gesündeste Essen ist das billigste, da es am wenigsten industriell verarbeitet ist.
B) Das ungesündeste Essen ist das teuerste, da es am meisten industriell verabeitet ist.
Diees an sich ja doch erfreuliche Erkenntnis hat dann aber einen soziokulturell-psychologischen Haken, weil:
1) die gesündste und konstengünstigste Nahrung erst einer aufwendigen Zubereitung(reinigen, portionieren, kochen, etc.) bedarf.
und
2) die ungesündeste und teuerste Nahrung hingegen fast keinerlei eigene Arbeitsleistung benötigt. Man reißt die Tüte/Packung auf, steckt den Inhalt in die Mircowelle, drückt einen Knopf und in 2 Minuten steht der, sorry, Fraß auf dem Tisch.
Und für was werden sich dann die Menschen aus den präkeren Umfeldern idR. entscheiden? Für die Gesundheit, für die Geldersparnis oder für die Bequemlichkeit? Na? Gebt euch selbst die Antwort...
Tja, und genauSO ist es leider bei uns und nicht anders, liebe Sozialromantiker, auch dann, wenn man sich aus gutgemeinten menschlichen Mitgefühl eigentlich etwas anders wünscht!!!
01:13
Macht Eltern endlich für ihre Erziehungsleistungen verantwortlich (durch alle Schichten) .
Rechten müssen auch Pflichten entgegen stehen.
Die diversen Erziehungspraktiken bzw deren Fehlen sind auch nicht weniger Kindesmisshandlung als Schläge und zum Teil mit mehr Langzeitschäden versehen.
16:20
Fernsehen verblödet.
Nicht nur Kinder, ganz offensichtlich auch Erwachsene.
Kinder können kaum oder garnicht zwischen Werbung und Film differenzieren und wenn die lieben Kleinen am Samstagmorgen um 5:30 h vor der Glotze sitzen weiss doch kaum ein Erwachsener was dem Nachwuchs da so beigebracht wird. Das hat absolut nichts mit fehlender Zeit oder der Finanzkraft von Papa zu tun, sondern schlicht mit Gedankenlosigkeit, Bequemlichkeit und dem ungesicherten Fernseher im Kinderzimmer oder im Wohnzimmer.
Aber was will man von Menschen erwarten die sich von Talkshow zu Gerichtsshow zu dem größten Schnitzel der Welt durch den Nachmittag zappen, um dann zur Abendentspannung irgendeine Daily Soap als Vorspeise zum gesuchten Superirgendwas zu servieren?
Lieber mit Kindern reden und mal selber was leckeres kochen, gerne gemeinsam mit den Kindern, statt beim Fast Food Duell mitfiebern.
Kinder lernen durch vorleben. Wer selber nicht liest, ausser vielleicht die Bild und die Fernsehzeitung, sich von Fast Food sowie Fertiggerichten ernährt und Kultur für einen Sammelbegriff für das Zeug hält das in die Kulturtasche gehört, der muss sich doch nicht wundern, oder?
Einfach mal selber die Glotze aus lassen und nicht auch noch eine als Babysitter im Kinderzimmer aufstellen. Wäre doch mal ein Anfang.
;)
15:03
Wenn Mama Zeit hat kann sie natürlich den lieben Kleine etwas vorlesen. Das funktioniert aber nur dann wenn Papa genug Kohle nach Hause schleppt und Mama nicht mitarbeiten muss.
Was bleibt denn vielen Familien anderes übrig, als die Kinder sich selbst zu überlassen und das muss weiß Gott nicht unbedingt was mit der Bildung zu tun haben.
13:21
Wenn ich das bei unserer Tochter in der Schule so sehe, dann haben quer durch alle Einkommensschichten ca. 99% aller Kinder einen Fernseher in ihrem Zimmer stehen
12:58
kann den bericht leider aus eigener erfahrung bestätigen. aber es hat nix mit arm oder doof zu tun.
eher mit überlastet sein...würd ich sagen.
stress auf der arbeit, man kommt nach hause ...dann stress mit den kindern...einfach keine zeit mehr für sich haben. die reichen haben ne hausputze etc. ...können ihren kindern mehr bieten..reiten etc...
viele eltern haben es auch nicht gelernt mit ihren kinder zu spielen/ beschäftigen.
12:30
Das ist seit Jahren bekannt. So reproduzieren sich die Gesellschaftsschichten. Arm bleibt arm und doof. Leider. Da wird es schwer, diese Defizite durch unser Bildungssystem auszugleichen. Wir haben unserem kleinen Sohn immer vorgelesen. Fernsehen ist ja an sich nicht schlimm, nur fördert es nicht gerade die Sprachkompetenz.
12:24
Tscha, über Nachrichten sehen und hören redet hier wohl keiner.
Im einschlägigen Fachhandel heißen die privaten Fernsehanstalten übrigen Prekär-TV und USF (Unterschichtenfernsehen).
Da denke einer was er sieht!
12:20
Tja, wen wundert es, wenn Arme zwar eine GEZ-Befreiung (also u.a TV-Gebühren) bekommen, die Tageszeitung aber immer kostenpflichtig ist...