Feierliche Schokoladenweihe

Kennen Sie das Gefühl, wenn etwas so brandneu ist, dass es einem noch gar nicht richtig gehört? Der Pullover, in dem noch das Preisschild klebt oder ein Möbelstück, das nicht den kleinsten Kratzer aufweist? Man mag es irrational finden, aber irgendwie gehört zu wahrem Eigentum ja nicht nur, dass man den Preis dafür bezahlt hat, sondern auch, dass man es mit einem kleinen Ritual in Besitz nimmt. Finde ich zumindest.

Dies habe ich kürzlich, wenn auch eher unfreiwillig, mit meinem neuen Auto getan. Ein kleiner Gebrauchter, was man ihm nicht auf den ersten Blick ansieht. Als ich ihn in Empfang nahm, um ihm sein neues Zuhause zu zeigen, blitzte und blinkte er, als käme er gerade frisch vom Rollband. Auch innen sah es wie geleckt aus, was für meine Verhältnisse eher untypisch ist. Denn ich kutschiere von Haus aus gerne alte Zeitungen, Tüten und sonstigen Unrat durch die Gegend. Ich fühlte mich im eigenen Auto also erstmal fremd. Ein unhaltbarer Zustand.

Dies änderte sich gestern, als ich in der Seitentür einen vergessenen Schokoriegel entdeckte, der sich dank der frühlingshaften Temperaturen inzwischen verflüssigt hatte. Ein Schoko-Reis-Gemisch quoll verräterisch aus der – natürlich geöffneten – Verpackung. Eine Riesensauerei, aber da ich die Dinge positiv sehe, betrachte ich den Vorfall als eine Art Weiheritual. Es besteht kein Zweifel: Jetzt ist es wirklich mein Auto.