Fastenzeit - „Fünf Kilo weniger sind nicht das Ziel“
22.02.2012 | 19:30 Uhr 2012-02-22T19:30:00+0100
Essen. Pfarrer Markus Pottbäcker im Gespräch mit NRZ-Mitarbeiterin Kristin Dowe über die Fastenzeit.
Herr Pottbäcker, Sie sind in Essen nicht nur als Pfarrer, sondern auch als aktiver Karnevalist bekannt. Geht es Ihnen nahe, wenn am Aschermittwoch alles vorbei ist?
Markus Pottbäcker: Das geht mir durch Mark und Bein. Ich liebe die Karnevalszeit über alles und habe jedes Mal einen Kloß im Hals, wenn der Hoppediz auf dem Scheiterhaufen verbrannt wird. Aber das gehört nunmal dazu, und ich freue mich ja auch auf Ostern.
Zumindest für Christen beginnt jetzt die Fastenzeit. Wie halten Sie es mit diesem Thema?
Pottbäcker: Ich achte auf bestimmte Dinge und versuche mich etwa im Konsum von Alkohol und Süßigkeiten etwas zu mäßigen. Vor allem letzteres fällt mir aber schwer. In der Fastenzeit beschäftige ich mich noch intensiver als sonst mit geistlicher Literatur und vertiefe mich in Gebete. Das hat für mich eine tiefere Dimension als mir selbst ständig beweisen zu müssen, wie gut ich auf dieses oder jenes Nahrungsmittel verzichten kann.
Worum geht es in der Fastenzeit wirklich?
Pottbäcker: Jedenfalls nicht darum, Kalorien zu zählen und an Ostern fünf Kilo abgenommen zu haben. Ich verurteile es überhaupt nicht, wenn Menschen gewisse Figurprobleme in den Griff bekommen möchten, aber mit dem Gedanken der Fastenzeit hat das wenig zu tun. Ich glaube, es geht eher darum, zu einem bewussteren Umgang mit sich selbst zu gelangen . Wenn ich zu der Schokolade im Kühlschrank greife, und sie dann vielleicht doch nicht aus Gewohnheit sofort aufesse, habe ich eine ganz bewusste Entscheidung getroffen. Darauf darf ich zu Recht stolz sein.
Welche anderen Varianten des Fastens könnten Sie sich vorstellen?
Pottbäcker: Ich fände es zum Beispiel sinnvoll, sich um einen bewussteren Umgang mit Zeit zu bemühen. Stellen Sie sich vor, Sie würden sich einmal in der Woche mit Ihrem Partner oder einem anderen Menschen, der Ihnen wichtig ist, zusammensetzen und ihm im Gespräch Ihre ganze Aufmerksamkeit schenken. Und dafür weniger vor dem Computer hocken und achtlos Zeit vertrödeln. Vielleicht wäre das eine spannende Erfahrung, von der Sie am Ende profitieren würden.
Haben Sie selbst schon mal eine solche Erfahrung gemacht?
Pottbäcker: Ja, indem ich etwa mal eine Weile meine Mails nicht abgerufen habe. Damit habe ich mich dem Anspruch unserer Gesellschaft widersetzt, ständig für jeden erreichbar sein zu müssen. Da habe ich plötzlich gemerkt: „Du bist gar nicht so wichtig, es läuft auch ohne dich ganz gut.“ Wenn man das einmal kapiert hat und auch die eigene Eitelkeit ein Stück weit überwindet, kann das ungeheuer befreiend sein.
Wie hat sich die Fastenkultur mit den Jahren verändert?
Pottbäcker: Ich möchte nicht wieder auf diesem Punkt herumhacken, aber das Fasten beschränkt sich in der heutigen Zeit sehr stark auf eine Art Körperkult. Der Mensch ist aber ein facettenreiches Wesen, das aus Körper, Geist und Seele besteht. Es tut uns auf Dauer nicht gut, uns nur auf einen Aspekt unseres Seins zu beschränken und die anderen auszublenden. Wenn mir der Magen knurrt, ist das erstmal ein körperliches Signal. Aber es besteht immer ein innerer Zusammenhang mit Geist und Seele. Wir können nur gewinnen, wenn wir uns selbst öfter etwas ganzheitlicher betrachten.
Auf was können Sie nur schwer verzichten?
Pottbäcker: Schlaf. Gerade bei den Frühgottesdiensten, die schon um halb sieben morgens anfangen, komme ich furchtbar schwer aus dem Bett. Ansonsten kriegen Sie mich beim Essen. Ich bin ein Genussmensch und ein großer Freund von Käse und Fisch. Übrigens koche ich auch ganz gut.
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