Fast 500 RWE-Fans wollten Nazi-Doku "Blut muss fließen" sehen

Engagement gegen Rassismus und Gewalt ist keine Politik, sondern die Verteidigung von Grundrechten: Das verdeutlichte am Freitagabend auch RWE-Aufsichtsratschef Christian Hülsmann.
Engagement gegen Rassismus und Gewalt ist keine Politik, sondern die Verteidigung von Grundrechten: Das verdeutlichte am Freitagabend auch RWE-Aufsichtsratschef Christian Hülsmann.
Foto: Sebastian Konopka / WAZ Fotopool
"Wehret den Anfängen!", mahnte RWE-Aufsichtsratschef Christian Hülsmann am Freitagabend vor fast 500 Gästen im Stadion. Dort zeigte der Verein den Film "Blut muss fließen" über die Neonazi-Szene. RWE-Hooligans hatten die Vorführung des Films mit der Androhung von Gewalt am 16. Oktober verhindert.

Essen.. Am 16. Oktober bedrohten Hooligans aus der Fanszene des Regionalligisten Rot-Weiss Essen Gäste und Mitarbeiter des Awo-Fanprojektes. Sie verhinderten so die Vorführung des Dokumentarfilms "Blut muss fließen" über die deutsche Neonazi- und Rechtsrock-Szene. Den Film des Regisseurs Peter Ohlendorf zeigten Rot-Weiss Essen, das Fanprojekt, das Aktionsbündnis "Essen stellt sich quer" und GVE darum am Freitagabend vor größerem Publikum im Assindia-Bereich des Stadions. Knapp 500 Zuschauer kamen - auch um die Vorkommnisse in der RWE-Fanszene zu diskutieren.

Auf diese hatte am Freitagabend auch die Polizei reagiert, die mit mehreren Streifenwagen am Stadion Präsenz zeigte. In der Fanszene hatten einige Hooligans angekündigt, die Veranstaltung zu "besuchen". Seit der Bedrohung vom 16. Oktober ermittelt auch der Staatsschutz, "Essen stellt sich quer" und RWE hatten zudem Anzeige gegen unbekannt erstattet. "Wir lassen uns nicht einschüchtern", versicherte zur Begrüßung der Gäste - darunter auch das Regionalliga-Team und einige Ultras - Christian Hülsmann.

Der Aufsichtsratsvorsitzende mahnte: "Wehret den Anfängen!" Er verurteilte die Bedrohung durch die Hooligans, von denen einige der Gruppierung "Alte Garde" angehören sollen, als "Angriff auf die im Grundgesetz verankerten Grundrechte." Der Verein wolle "heute ein Zeichen gegen Rassismus, Gewalt und jede Form von Diskriminierung setzen".

Im Anschluss an die Vorführung des Films diskutierten bei einer von WAZ-Redakteur Marcus Schymiczek moderierten Diskussion Regisseur Ohlendorf, Fanforscher Jonas Gabler, Michael Gabriel (Leiter KOS bei der Deutschen Sportjugend), Max Adelmann (Bündnis „Essen stellt sich quer“) und Michael Welling.

Wir berichten am Samstagmittag online und am Montag in der gedruckten Lokalausgabe ausführlich über die Veranstaltung. (pw/MG)