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Familie wagt den Neuanfang auf vom Brand zerstörtem „Hof Brömse“ in Essen

08.07.2012 | 12:00 Uhr
Familie wagt den Neuanfang auf vom Brand zerstörtem „Hof Brömse“ in Essen
In diesem Treppenhaus wird wohl niemand mehr die Stufen erklimmen. Landwirtin Gitta Brömse wohnt jetzt in einem Wohnwagen auf dem Hof. Foto: Thomas Goedde

Essen.  Die Landwirtin Gitta Broemse hat nach einem schwerem Hofbrand in Essen-Dellwig ihr Wohnhaus verloren. Nun fasst sie langsam wieder Mut und bekommt ganz viel Hilfe aus dem Stadtteil. 122 Jahre nach der Errichtung war das Bauernhaus vor vier Wochen vollständig ausgebrannt.

Gitta Brömse ist gefasst. Gut vier Wochen nach Ausbrennen ihres 122 Jahre alten Bauernhauses in Dellwig strahlt sie wieder Zuversicht aus, die 57-Jährige kann sogar etwas lächeln. „Ich bin ein positiver Mensch“, sagt sie. Aber im ersten Moment nach dem Unglück war auch sie „wie gelähmt“. Sie stand unter Schock.

Alles ist schwarz, auf dem Boden liegt Asche zusammen mit verbrannten Büchern, oben ist die halb heruntergekommene Decke zu sehen, die Treppe ist völlig zerstört. Die Bäuerin erzählt von den Dingen, die hier vor dem Brand zu sehen waren, von alten Bilder, die den Hof vor 50 Jahren zeigten, und auch von der Pfeife des Hofgründers Heinz Brömse aus dem Jahr 1890. „Das sind Erinnerungsstücke, die nicht mehr zu ersetzen sind.“

Rauchmelder retten die Kinder

Der 9. Juni schien ein ganz normaler Tag zu sein. Gitta Brömse befand sich am Nachmittag auf dem Erdbeerfeld, am Abend sollte die EM eröffnet werden. Doch plötzlich sah sie Flammen aufsteigen, ihr Haus schien zu verbrennen. Sie konnte sich nicht bewegen, war wie versteinert und musste von Freunden vom Feld und in Sicherheit gebracht werden. Auch ihre drei Kinder, die sich im Haus befanden, konnten sich vor den Flammen retten. Sie wurden von Rauchmeldern rechtzeitig gewarnt.

Erst Tage später konnte Gitta Brömse das wirkliche Ausmaß des Brandes realisieren: Das Haus, in dem schon vier Generationen lebten, wird nie wieder bewohnbar sein. Doch sie betont: „Das Wichtigste ist, dass kein Mensch oder Vieh zu Schaden kam.“

Der Brand ist für die Bäuerin der zweite Schicksalsschlag binnen zwei Jahren. Im August 2010 hatte sie schon ihren Mann verloren. Er starb bei einem Verkehrsunfall.

„Irgendwann reicht es auch!“, sagt Gitta Brömse. Der vor zwei Jahren eingeleitete Neuanfang schien doch wieder in die richtigen Bahnen zu laufen. Zusammen mit Sohn Boris, selbst gelernter Landwirt, konnte sie weitermachen. Nun sei die Zukunft wieder ungewiss.

Kinder wohnen im Gemeindehaus

Freunde halfen sofort: Für die Bäuerin wurde ein Wohnwagen gekauft, damit immer jemand auf Hof und Vieh aufpassen konnte. Die drei Kinder wohnen nun übergangsweise im nahen Gemeindehaus. Eine Containerwohnung auf dem Hof sei in Planung. „Das ist eine schöne Erfahrung, wenn man von allen Seiten Hilfe bekommt“, meint Gitta Brömse. Man merke, dass man nicht alleine sei. „Anderen wird es in einer ähnlichen Situation schlechter gehen, als uns.“

Auch die kurz nach dem Brand tief verstörte 14-jährige Tochter konnte wieder aufgerichtet werden. Die Mutter berichtet über die SMS, die sie nachts von ihrer Tochter bekam: „Wir schaffen das“, schrieb sie.

Die Anteilnahme der Freunde, Nachbarschaft und übrigen Dellwiger sei berührend. Sie wüssten, dass „der Hof einfach zum Stadtteil gehört“, sagt die Bäuerin. So veranstaltete die Kraienbruchschule einen Sponsorenlauf. Der Fußballverein DJK Dellwig plant ein Benefizspiel. Ein Freund der Familie kümmert sich um die Scheune, andere um den Hofladen, der nächste vermisst die Maße für die Containerwohnung. Ein Stück weit Aufbruchstimmung ist zu spüren auf dem 109 Jahre alten Hof. Immerhin.

Julian Soldat



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