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Griechenland-Krise

Fachkräfte aus Griechenland suchen in Essen den Neuanfang

18.02.2012 | 13:00 Uhr
Portrait von Konstantinos Markakis, Assistenzarzt in der Zentralen Notaunahme der ev. Kliniken Essen-Mitte der Huyssen Stiftung, am 17. Februar 2012. Foto: Sebastian Konopka / WAZ FotoPool

Essen.   Immer mehr junge Griechen verlassen wegen der Währungs- und Finanzkrise ihre Heimat. So auch der Mediziner Konstantinos Markakis, der nun im Huyssens-Stift arbeitet. Zweifelsohne ist Essen vor allem wegen seiner Krankenhauslandschaft für Mediziner aus dem Ausland attraktiv. Jede Klinik bestätigt Neueinstellungen aus dem Mittelmeerraum.

Alle Sackgassen führen ins Leben zurück. Dieser Satz kommt einem unweigerlich in den Sinn, wenn man sich länger mit Konstantinos Markakis unterhält. Wir treffen den 26-jährigen Mediziner aus Thessaloniki stilecht in einer Grillstube an der Huttoper. Frau Vasso, die Besitzerin, begrüßt Markakis so herzlich, als wäre er ihr Neffe – und nicht einfach nur ein neuer Stammgast. „Ich weiß, wie es ist, in der Fremde zu leben, weit weg von der eigenen Familie“, sagt die 50-jährige Griechin. Der Jungmediziner muss das noch lernen, wie das ist. Wieder. Doch der Reihe nach.

Markakis ist einer dieser vielen, gut ausgebildeten jungen Leute, von denen in den Zeitungen zu lesen ist, dass sie mangels Perspektiven aus dem krisengeschüttelten Mittelmeerland nunmehr im Ausland ihr Karriereglück versuchen – als Juristen, Manager und vor allem als Mediziner. Die Zuwanderung aus Hellas legte deutschlandweit im vergangenen Jahr um 84 Prozent zu. Und waren vor zwei Jahren noch 52 Griechen neu nach Essen gezogen, so tragen seit 2011 nunmehr 137 weitere Türschilder Namen, die wie der von Konstantinos Markakis klingen.

„Deutschland ist offener und liberaler geworden“

Zweifelsohne ist Essen vor allem wegen seiner Krankenhauslandschaft für Mediziner aus dem Ausland attraktiv. Und jede Klinik, die wir angefragt haben, bestätigt Neueinstellungen aus dem Mittelmeerraum. Markakis, der in seinem jungen Lebenslauf einen Einser-Abschluss, seinen Militärdienst und eine Anstellung am Universitätsklinikum von Thessaloniki stehen hat, arbeitet seit November vergangenen Jahres im Huyssensstift .

In der Notaufnahme, um genau zu sein. Was man schon daran merkt, dass er sich stets unruhig umschaut, wenn ein Krankenwagen vorbeifährt. „Oh je, das ist eine unruhige Nacht“, sagte er dann – in Gedanken bei seinen neuen Kollegen.

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Griechenlands Staatspräsident Papoulias hat Finanzminister Schäuble wegen dessen harter Haltung in der Schuldenkrise scharf kritisiert. "Ich kann nicht akzeptieren, dass Herr Schäuble mein Land beleidigt", so Papoulias am Mittwoch.

Markakis ist ein viel zu höflicher Mensch, um auch nur den Hauch von Unzufriedenheit erkennen zu lassen. Die deutschen Kollegen seien allesamt nett, hilfsbereit und so weiter und so fort – und wir haben keinen Grund daran zu zweifeln. Wären da nicht die medial aufgebauschten Spannungen zwischen den Deutschen, den vermeintlichen Spardiktatoren, und den auf dem Boulevard verschrienen Griechen, die allesamt faul, betrügerisch und undankbar seien. „Ich empfinde das Interesse der Deutschen an Griechenland als aufrichtig und mitfühlend“, sagt er im Gespräch, während Vasso das Essen auf den Tisch stellt und dann stehen bleibt, um interessiert zuzuhören.

Griechenland im Streik

Die Berichterstattung in den großbuchstabigen Blättern irritiere ihn schon ein wenig – sowohl wegen der herablassenden Art der Berichterstattung als auch wegen der hohen Auflagenzahl. Vasso nickt zustimmend. Und als Markakis sagt, es sei übertrieben zu behaupten, die Griechen hegten Groll auf die Deutschen, nur weil auf eine brennende deutsche Fahne 27 Kamerateams kämen, nickt Vasso noch heftiger mit dem Kopf.

Der lebensfroh wirkende Markakis hat schon einmal für fünf Jahre in Deutschland gelebt. Seine Eltern sind Lehrer und unterrichten für den muttersprachlichen Unterricht der Griechen in Stuttgart. Damals war er neun Jahre alt. Heute sagt er: „Deutschland hat sich vollkommen gewandelt. Es ist viel liberaler und weltoffener geworden, als es noch in den 1980ern war“, sagt er. Die sich weiterhin zuspitzende Lage in seiner Heimat verfolgt er weiterhin mit Sorge. „Die Menschen sind verzweifelt, weil sie keinen Ausweg sehen. Keiner erklärt ihnen, warum und für was dieser grausame Sparkurs gut ist“, meint Markakis. Mit jedem neuen Sparpaket werde es schlimmer. Und weil nichts mehr ging in Griechenland, ging er selber.

Einen Ausweg gefunden

Wer sind diese Griechen?

Sein bester Freund aus Thessaloniki, Giorgos, ist übrigens auch mitgekommen. Er hat als Kardiologe in der Essener Uni-Klinik angeheuert. Bevor beide die Tasche packten, fuhren sie im Internet durch die Straßen ihres neuen Viertels im Süden Essens. „Schau, hier werden wir dann zusammen essen gehen“, sagte Markakis zu seinem Freund.

Und dann sitzen sie zusammen in der Grillstube bei Vasso an der Huttroper. Sie haben noch immer einen Ausweg aus der Sackgasse gefunden, die ihnen das Leben stellte.

Nikolaos Georgakis

Kommentare
19.02.2012
17:48
Deutschland braucht Fachkräfte
von karmey | #5

Wenn Deutschland das gewohnte Wohlstandsniveau halten will, braucht es gut ausgebildete und junge Fachkräfte an möglichst hoher Zahl. Die boomende...
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Fachkräfte aus Griechenland suchen in Essen den Neuanfang
Fachkräfte aus Griechenland suchen in Essen den Neuanfang
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2012-02-18 13:00
Griechenland,Krise,Auswanderer,Mediziner,Fachkräfte,Perspektiven
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