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Arbeitsmarkt

Experten sehen anonyme Bewerbung kritisch

24.08.2010 | 19:56 Uhr
Experten sehen anonyme Bewerbung kritisch
Foto: Dirk Bauer

Essen.Führen anonyme Bewerbungen zu mehr Chancen auf dem Arbeitsmarkt? Essener Experten aus Wirtschaft und Weiterbildung sind eher skeptisch. Im NRW-Arbeitsministerium ist das anonyme Schreiben ab Herbst Pflicht.

Mann oder Frau, Alter, Nationalität und Familienstand un­bekannt sucht eine neue Her­ausforderung. So oder so ähnlich könnten Be­werbungen derer aussehen, die einen Job beim NRW-Arbeitsministerium oder beim Bundesfamilienministerium ergattern wollen. Denn hier ist die anonyme Bewerbung spätestens ab Herbst Pflicht. Der Vorstoß für mehr Chancengleichheit, der am Ende wo­möglich für alle Bewerbungen verpflichtend wird, kommt in Essen sehr unterschiedlich an.

Thomas Soer, stellvertretender Geschäftsführer der Weststadt Akademie, bläut seinen Kunden immer wieder ein: „Das Hochglanzfoto ist bei je­der Be­werbung Pflicht.“ Da­rauf lege er großen Wert und hält deshalb nichts vom anonymisierten Verfahren: „Wenn ich mich um einen Job bewerbe, muss ich mit meiner ganzen Person überzeugen. Das geht mit einer anonymisierten Be­werbung nicht.“ Sollte der Vorstoß der Ministerien letztlich verpflichtend werden, glaubt er nicht, dass dies zu Chancengleichheit führt: „Wer sich dann mit ei­nem Foto und persönlichen Angaben be­wirbt, wird sicher bevorzugter behandelt, als je­mand, der keine Angaben preisgibt.“

„Das schafft nur unnötig Bürokratie“

„Eine echte Katastrophe für das Handwerk“ sieht Ul­rich Mei­er, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, in einem verpflichtenden anonymen Verfahren: „Für viele Ar­beiten ist das Alter von Bedeutung, etwa wenn es darum geht, auf Dächern zu arbeiten oder Fliesen zu verlegen – so ge­nannte Bückarbeit. Hier wird gezielt eingestellt.“ Gerade im Handwerk zähle der persönliche Eindruck und der würde nur im persönlichen Ge­spräch rüber kommen. „Um anonyme Bewerbungen zu sichten, haben Handwerksmeister keine Zeit. Das schafft nur unnötig Bürokratie, die sich keiner leisten kann.“

1300 Bewerbungen muss sie jährlich durchsehen, ob anonym oder nicht – das wäre für Birgit Flamma, Ausbildungsleiterin der Sparkasse, gar keine Frage: „Uns ist wichtig, dass der Gesamteindruck stimmt. Wir achten auf Schulbildung und Sozialkompetenz.“ Was Eltern und Geschwister beruflich machen und die Nationalität der Bewerber sind bei der Sparkasse bedeutungslos: „Wenn jemand ein Vierer-Abitur hat, wird er nicht eingeladen: ob mit oder ohne Migrationshintergrund.“ Gegen ein verpflichtendes anonymisiertes Bewerbungsverfahren hat Flamma nichts einzusetzen.

„Unternehmen in Es­sen sind ohnehin um Vielfalt in ihrer Belegschaft be­müht“

„Ich will wissen, wer sich in meinem Salon vorstellt“, sagt Cornelia Fähnrich, Chefin des Frisiersalon New Hair in Borbeck. Ob jemand jung oder alt ist, spielt für sie eine entscheidende Rolle: „Für unsere jungen Kunden suchen wir junge Friseurinnen; ältere Kunden werden lieber von reiferen Friseurinnen bedient.“ Anonyme Bewerbungen ohne Altersangaben lehnt sie daher ab.

Skeptisch sieht auch Ulrich Kanders, Chef des Essener Un­ternehmensverbandes, anonyme Be­werbungen und fürchtet steigende Kosten: „Unternehmen in Es­sen sind ohnehin um Vielfalt in ihrer Belegschaft be­müht. Dazu brauchen sie keine Vorschriften.“ Seiner An­sicht nach spielen Alter, Ge­schlecht und Herkunft angesichts des drohenden Fachkräftemangels keine Rolle.

Für Michael Kinzler, Sprecher der Agentur für Arbeit Es­sen, ist der Grundgedanke „ei­ne gute Sache“. „Es ist wichtig, dass die Eignung der Bewerber im Vordergrund steht und keine anderen Faktoren. Anonyme Bewerbungen machen das möglich.“ Bei der Stadtverwaltung ist das Thema hingegen noch nicht präsent: „Wir befassen uns erst mit dem Thema, wenn es verpflichtend wird“, heißt’s aus der Pressestelle.

Pascal Hesse

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Kommentare
26.08.2010
14:18
Experten sehen anonyme Bewerbung kritisch
von Yuki | #19

Eindeutige Zustimmung von mir für diese hervorragende Idee!

Ich kann die Ansicht meiner Vorredner in keinster Weise nachvollziehen, wenngleich ich eine andere Meinung selbstverständlich akzeptiere.

Diese Reform, wäre für Deutschland ein richtiger und höchst lobenswerter Schritt in eine chancengerechtere Zukunft.

Gegner dieser Reform sind meiner Meinung nach hauptsächlich egoistische Elitescouts welche sturköpfig ihre selbstkonstruierte Unternehmensphilosophie durchboxen wollen und darüber hinaus vergessen das es in der Wirtschaft um eine wichtige Grundlage der menschlichen Gessellschaft geht, und nicht um die Konstruierung eigener Wolkenschlösser.

Eine gesetzliche Verpflichtung der anonymen Bewerbungen für alle deutschen Unternehmen halte ich deshalb für notwendig weil wo Rassismus, und alte Vorurteile Existenzen bedrohen und ungenutzens Potential verkommen lassen, darf sich der Staat nicht zurückhalten. Marktfreiheit hin oder her.

26.08.2010
08:41
„Uns ist wichtig, dass der Gesamteindruck stimmt“
von trust | #18

Schon i.d.80ger jahren wurden Bewerbungen beim RWTUEV auf eine Dipl.-Ing stellen nach Einser und Zweit-Kandidaten ausgesucht. Danach nur noch nach Gesicht.

25.08.2010
21:09
Experten sehen anonyme Bewerbung kritisch
von martinff | #17

So einen Unsinn können sich auch nur irgendwelche realitätsfernen Beamten ausdenken. Auf was für Ideen man vor lauter Langeweile kommt...
Am Ende des Tages ist die Sympathie bzw. die zwischenmenschliche Chemie ein entscheidendes und wichtiges, wenn nicht gar das wichtigste Kriterium fr eine Einstellung. Die Kriterien dafür sind halt unterschiedlich. Alter, Geschlecht, Hautfarbe, Herkunft sollten keine Rolle spielen, nur wenn sie es beim Entscheider doch tun, wird er da nach seinen Vorstellungen aussuchen: wer diesen dann nicht entspricht ist halt nach dem persönlichem Gespräch weg. Also einfach nur mehr Bürokratie und Aufwand - das Ergebnisist nicht anders als mit dem heutigen Prozess.

Mein Verbesserungsvorschlag, ein Epilog:

Die Bewerber sollten mindestens während der Probezeit in einer Ganzkörperverhüllung und mit ienem Stimmverzerrer arbeiten, so das der AG nichts über Geschlecht, Herkunft etc erfährt. Außerdem sollte eine gleichgeschlechtliche Bewerbertoilette in jedem Betrieb Pflicht werden, damit der AG nicht durch Ausspionierung des Toilettenganges währendder Probezeit das Geschlechtdeseingestellten feststellen kann. Um die Einhaltung dieser Vorgben sicher zu stellen, sollte mindestens ein weiterer hauptamtlicher Betriebsrat abgestellt werden. Dieser wird wiederum von der neu geschaffenen Behörde Amt für neutralisierte und anonymisierte Bewerberauswahl betreut. Diese tauscht sich regelmäßig mit dem Betreibsrat aus und informiert ihn über diverse Gesetzesändrungen. Bei Streitgkeiten wendet man sich an die neutrale und ebenfalls neu installierte Schlichtungsstelle. Die wird sich dann bei krischen Hinweisen an den AG wenden, der sich vor einer Komision rechtfertigen muss. Diese Kommission ist besetzt mit einer Gleichstellungsbeauftragten, Betriebsräten, Gewerkschaftern und diversen Beamten aus diversen zuständigen Behörden.
Die weiteren Dienstwege beschreibe ich nicht mehr, aber da schlummert noch unendliche Beschäftigung :-)

Armes Deutschland, arme Bürger, die mehr und mehr durchden Staat entmündigt werden. Ich sag nur, nix wie weg hier. Dann sind am Ende wirklich nur noch die Leute hier, die nicht für sich selbst handeln können und um die sich der Staat mit Almosen kümmert. Nur welcher Idiot bleibt noch hier und arbeitet um diesem Staat das Geld dafür zu geben ?

25.08.2010
16:32
„Uns ist wichtig, dass der Gesamteindruck stimmt“
von Armin Laschet | #16

Durch anonyme Bewerbungen, werden die Bewerber auch nicht schlauer.
LACH!!!

25.08.2010
15:58
Blockierter Kommentar.
von http://www.pi-news.net/2010/07/video-aus-paris-sieben-gegen-einen/ | #15

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

25.08.2010
15:56
Blockierter Kommentar.
von http://www.pi-news.net/2010/07/video-aus-paris-sieben-gegen-einen/ | #14

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

25.08.2010
15:17
„Uns ist wichtig, dass der Gesamteindruck stimmt“
von NaJa | #13

Hallo WissenistMacht!

Wenn Sie als Personaler für eine ausgeschriebene Stelle 300 und mehr Bewerbungen erhalten, dann sind Sie froh wenn Sie auf einfache Art und Weise schon mal um 2/3 aussortieren können. Das kann über Notendurchschnitte, Anzahl Vorarbeitgeber, Ausbildungsrichtung usw. gehen. Dafür braucht man Aussagefähige Bewerbungen. Außerdem billige ich jedem Arbeitnehmer zu, daß er sich seine künftigen Mitarbeiter auch nach Sympathie und Gefallen aussucht. Alles andere ist unfug.

25.08.2010
15:07
Experten sehen anonyme Bewerbung kritisch
von karcmarc | #12

@ #9

Darum geht es ja. Es soll zumindest soweit Gerechtigkeit geschaffen werden, daß es zu einem Bewerbungsgespräch kommt.

Niemand wird gezwungen, bis zuletzt mit verbundenen Augen jemanden einzustellen. HIer wird wieder dramatisiert. Mich wundert, dass das Wort *********** noch nicht aufgetaucht ist.

25.08.2010
15:04
Experten sehen anonyme Bewerbung kritisch
von WissenistMacht | #11

Wer keine Ahnung hat . . . .

Die anonyme Bewerbung soll natürlich nicht das Bewerbergespräch ersetzen sondern lediglich verhindern, dass bei der Vorauswahl diejenigen durch das Raster fallen und aussortiert werden, die einen Namen haben, der etwas komplizierter ist oder die Ausländer sind. Entscheidend soll die Eignung sein und nicht das Vorurteil.

Natürlich kann ein spastisch Behinderter eher nicht als Dachdecker arbeiten. Aber auch hier gilt, es soll genau hingesehen und nicht pauschal aussortiert werden.

25.08.2010
15:01
„Uns ist wichtig, dass der Gesamteindruck stimmt“
von 120kgman | #10

Spätestens in der 2. Auswahlrunde wird doch dann entsprechend aussortiert. Ich nehme jetzt mal die dicken als Beispiel weil ich selbst deutlich übergewicht habe´und so hoffentlich niemandem auf die Füsse trete. Wer keine Dicken einstellen will, wird sie nicht einstellen. Fliegen dann halt in der 2. Runde durchs sieb.Wem das Gewicht egal ist wird auch in der nicht anonymisierten 1. Runde nicht aussortieren.

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