Expeditionen ins Ehrenamt

Angela Landes und Ehrenamtslotse André Fendel begrüßen die Schüler der Grundschule Nordviertel in der „Mitmach AG“. Gemeinsam entwickeln die beiden Aktionen, um den Grundschülern das Ehrenamt näher zu bringen.
Angela Landes und Ehrenamtslotse André Fendel begrüßen die Schüler der Grundschule Nordviertel in der „Mitmach AG“. Gemeinsam entwickeln die beiden Aktionen, um den Grundschülern das Ehrenamt näher zu bringen.
Foto: WAZ
Die Ehrenamt Agentur hat an der Grundschule Nordviertel ein Pilotprojekt gestartet, um Kinder an das freiwillige Engagement heranzuführen. Um das Vorhaben an den Schulen umsetzen zu können, werden Lotsen gesucht.

Essen.. Das Ehrenamt wird immer wichtiger: Das hört man besonders von Seniorenheimen, Rettungsdiensten oder Sportvereinen – sie alle könnten ohne das Engagement nicht so viel leisten, wie sie es jetzt tun. Viele Menschen entscheiden sich jedoch erst für eine Tätigkeit, wenn sie in Rente gegangen sind und nach einer Aufgabe suchen. Doch das reicht laut der Ehrenamt Agentur Essen heute nicht mehr, da die Nachfrage steigt – Jugendliche und Kinder sollen also mit ins Boot. Doch so einfach ist es nicht. Die Kinder müssen langsam an das Thema herangeführt werden und ein Lotse soll sie im besten Fall auf diesem Weg begleiten. Doch genau diese Wegweiser fehlen. Deshalb hat die Ehrenamt Agentur Essen jetzt ein Pilotprojekt an der Grundschule Nordviertel ins Leben gerufen – die „Mitmach AG“. In naher Zukunft soll dieses Projekt dann an allen Schulen angeboten werden.

Andrè Fendel ist der erste Ehrenamtslotse und hat jede Menge Spaß dabei. Gemeinsam mit der Projektleiterin Angela Landes von der Ehrenamt Agentur leitet der 31-jährige Student die zehnköpfige Gruppe.

Kinder sind immer mit Spaß dabei

„Jetzt bekommt ihr von uns Zettel mit Sprüchen, die ihr an die richtigen Bilder heftet, die ich in der Klasse verteilt habe“, sagt Angela Landes. Kaum sind die Zettel verteilt, stürmen die Zweit- bis Viertklässler auch schon los. „Ich habe es gefunden“, ruft Tracy, die stolz zeigt, dass ihr Spruch „Feuerwehr, wir helfen mit viel Technik und guter Ausbildung“ passt. Auch Aleyna kann schon nach kurzer Zeit den Zettel an das passende Foto pinnen und erntet lobende Worte. „Wer kann mir denn sagen, mit welchem Thema alle Bilder und Sprüche etwas zu tun haben?“, fragt André Fendel, der die Antwort gleich von allen Schülern bekommt: helfen.

„Wir führen die Kinder spielerisch an das Thema heran, um sie zu sensibilisieren“, erklärt Angela Landes. „Wir animieren sie, sich bei den Aufgaben gegenseitig zu helfen und nach Hilfe zu fragen, wenn man mal nicht weiter weiß. So lernen sie“, ergänzt die Projektleiterin. Die Grundschüler setzen das gut um.

Gemeinsam etwas bewegen

Die eine Stunde nach dem regulären Unterricht verbringen die Schüler aber nicht nur im Klassenzimmer – Angela Landes und André Fendel lassen sich immer etwas Neues einfallen. „Es dreht sich alles ums Helfen, das Miteinander und Gefühle, die Basis des Ehrenamtes“, erklärt die 45-Jährige, die von allen nur Angi genannt wird.

„Die Kinder lernen hier, dass man gemeinsam Dinge verändern kann und auch sie in ihren jungen Jahren durchaus etwas bewegen können“, ergänzt Landes und deutet damit auf das Hundekot-Projekt. „Das war Klasse“, ruft die achtjährige Malwa, „jetzt können wir wieder auf unserem Spielplatz spielen.“ Aufgrund der hohen Anzahl an Hundehaufen haben die Schüler überlegt, wie man gegen das Problem vorgehen könnte. „Wir haben kleine Fahnen gebastelt und die dann in alle Häufchen gesteckt“, erinnert sich Aleyna. „Einige Mädchen fanden das aber total ekelig und sind gegangen“, wirft Tracy ein und lacht. Gebracht hat die Aktion laut den Mädchen ganz viel – jetzt sind kaum noch Hundehaufen zu sehen. Damit aber bald alle verschwunden sind, überlegt die Gruppe, Flyer zu entwerfen und den Besitzern an die Hand zu geben.

André Fendel freut sich jedes Mal, wenn sein Einsatz Früchte trägt und die Kinder mit Freude bei der Sache sind. „Es ist einfach toll, dass auch ich etwas bewegt habe“, sagt der Student der Sozialwissenschaften. „Mir macht die Arbeit mit den Kindern unglaublich viel Spaß“, sagt Fendel, der bereit ist, das erster Ehrenamtslotse auch an anderen Schulen die Mitmach AG zu leiten und weitere Ehrenamtler auf ihrem Weg zu begleiten.

„Engagiert mit Energie“

Nach den Sommerferien soll genau dieses Projekt an den Grund- und weiterführenden Schulen in den Unterricht einfließen. „Engagiert mit Energie“ lautet der Slogan – bislang ist die Ehrenamt Agentur Essen noch im Gespräch mit den Schulen, da laut Angela Landes etliche Lehrer Bedenken hätten, ihre Schüler zu überfordern. „Es würde einfach jeder davon profitieren“, ist sich die Geschäftsführerin Janina Krüger sicher. Die Grundschüler würden beispielsweise für Kleinkinder einen Märchenvorlesetag in der öffentlichen Bücherei veranstalten oder die älteren Schüler gemeinsam mit dem Biologie-Lehrer an einem Projekt arbeiten und anschließend das Erlernte Grundschülern bei einem Ausflug in den Wald erzählen.

„So lernen nicht nur die Kleinen etwas Neues, sondern auch die Älteren. Denn die festigen den Unterrichtsstoff“, so Krüger. „Zudem bilden sie ihre Persönlichkeit und stärken das Selbstvertrauen, ganz abgesehen von dem Wir-Gefühl und der sozialen Verantwortung.“ Natürlich können sich die Schüler auch unabhängig von der Schule engagieren. Laut der Geschäftsführerin der Ehrenamt Agentur, Janina Krüger, sei das Ehrenamt so vielfältig und bunt wie die jungen Menschen.

Doch damit genau diese Projekte in die Tat umgesetzt werden können, werden noch mehr Ehrenamtler wie André Fendel gebraucht. „Oft müssen die Schüler Strecken zurücklegen und das können sie zum einen nicht alleine und zum anderen brauchen die Lehrkräfte Unterstützung“, erklärt Angela Landes. Ein weiteres Problem sei, dass die Organisatoren nicht eine Klasse Grundschüler alleine beaufsichtigen könne. Deshalb sucht die Ehrenamt Agentur Essen rund 25 Lotsen, die die Schüler begleiten. „Ab 18 Jahren kann sich jeder engagieren. Auch die Zeit kann individuell eingeteilt werden“, versichert Janina Krüger. André Fendel bereut seine Entscheidung nicht und rät jedem, es auszuprobieren, „was ich von den Kindern zurückbekomme, ist einfach toll.“