„Exil“ öffnet Horizonte

Altenessen..  Das Ferienangebot im Jugendhaus „Exil“ der evangelischen Gemeinde Altenessen-Karnap an der Hövelstraße sieht in diesem Jahr anders aus als sonst. Ja, Tagesausflüge haben die Sozialarbeiter und ihr Team für die Kinder auch organisiert – ins Bergbaumuseum nach Bochum oder ins Ruhrmuseum auf Zollverein – ein Ausflug musste wegen des Sturms ausfallen. „Zeit in Räumen“ ist das überschrieben. In der zweiten Ferienwoche verbringen die Kinder zwischen 11 und 15 Jahren die Zeit durchgehend in den Räumen des Jugendhauses.

Die Jungen hocken an den flaschen Tischen, malen, schnipseln und kleben, was das Zeug hält. Nur ab und zu blicken sie auf, zeigen ihre Werke Jons Schüttler und Moritz Spilker. „Die beiden Künstler helfen bei der Umsetzung der Ideen“, sagt Sozialarbeiter Dennis Längert (30). Er selbst hatte folgende Idee: Die Kinder, die zur offenen Kinder- und Jugendarbeit ins „Exil“ kommen, sollen fünf Tage lang etwas in dem Haus renovieren. Da es die Toiletten nötig hatten, griffen die Jungs – die beiden Mädchen sind heute nicht da – zu Farbe und Pinseln und sorgen zunächst für einen neuen, weißen Anstrich. Das allein reicht noch nicht. In einem zweiten Schritt entwerfen sie Dekos, die später die Trennwände der Toiletten zieren werden. Der Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt. Aladin (11) malt einen schwarzen Stierkopf auf rotem Untergrund. „Das ist das Zeichen der Chicago Bulls“, erklärt der Basketball-Fan. Sein zweites Motiv ist schwer zu erkennen – zumindest auf den ersten Blick. „Das ist doch das Tattoo von Jons“, lacht Aladin.

Bei Marvin, 12 Jahre alt, geht es geometrischer zu. Er schneidet akkurat verschiedenfarbige Dreiecke aus, um sie später zu einer Form wieder zusammenzuführen. Die Idee hat er vorher als kleine Skizze angefertigt. „Das war allein meine Idee“, wie er betont.

Dennis Längert schaut zu, wie die Gruppe das Projekt, das vom „Kulturrucksack NRW“ gefördert wird, mit Leben füllt. „Es geht darum, bei den Kids Horizonte zu öffnen. Für viele hört die Welt am Berliner Platz auf“, sagt der 30-Jährige. Nach dem Besuch im Bergbaumuseum und im Ruhrmuseum auf Zollverein hätten die Kinder einen Eindruck davon, welche Rolle Kohle und Stahl in der Region gespielt haben. Auch die Renovierung der Toiletten ist für ihn nicht nur schlichte Handarbeit. „Die Kinder sollen erfahren, dass sie etwas verändern können.“ Und das tun sie ohne Unterlass, bis, ja bis die Essenszeit gekommen ist. Selbstgemachte Sandwiches stehen heute auf dem Speiseplan. Die Verpflegung gehört im „Exil“ dazu, nicht nur während des Projekts „Zeit in Räumen“, das am Freitag endet.

Genauso gehört es zum „Exil“ , dass es offen für alle ist. „Wir schließen keinen aus. Multi-Kulti ist doch auch die Lebenswelt, die die Kinder in ihrem Alltag erleben“, so Dennis Längert. Die Jungen hocken derweil schon wieder an den Tischen: malen, schnipseln, kleben. Bis Freitag soll alles fertig sein.

In naher Zukunft soll es noch zweimal die „Zeit in Räumen“ geben. Der Ausflug zum Planetarium in Bochum wird nachgeholt. Außerdem geht es noch für einen Tag zum Gasometer nach Oberhausen.