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Politik

Ex-SPD-Fraktionschef Willi Nowack - ein Klempner der Macht

20.12.2012 | 12:00 Uhr
Ex-SPD-Fraktionschef Willi Nowack - ein Klempner der Macht
Willi Nowack - wer ist das überhaupt?Foto: WAZ

Essen.  Die Bestätigung der Gefängnisstrafe für den früheren SPD-Fraktionschef Willi Nowack wirft wieder die peinliche Frage auf: Wie konnte dieser Mann in Essen soviel Einfluss bekommen? Ein Sittengemälde über den Klempner der Macht.

Willi Nowack muss ins Gefängnis - und mancher Jüngere wird vermutlich fragen: Aha, aber wer ist das überhaupt? Nun, zunächst kommt es nicht alle Tage vor, dass ein Ex-Politiker, Ex-Landtagsabgeordneter und Ex-Vorsitzender der früher allmächtigen SPD-Ratsfraktion so tief fällt, dass ihm tatsächlich die Zelle blüht. Viel wichtiger aber: Mit Nowack erlebt ein Politiker-Typus Schiffbruch , den es so heute in der Kommunalpolitik selten gibt: bauernschlau, durchtrieben, schamlos und gar nicht mal versteckt auf den eigenen Vorteil bedacht, an Sachfragen wenig, an Machtfragen umso mehr interessiert. Ein Klempner der Macht, das aber virtuos und mit einem guten Gespür für menschliche Schwächen und Eitelkeiten.

Verlorene Jahre für Essen

Wer Willi Nowack und sein „System“ verstehen will, muss sich in die Atmosphäre der 1990er Jahre zurückversetzen. Es war eine bleierne Zeit, für Essen im Rückblick weitgehend verlorene Jahre, in denen alle Probleme dieser Stadt bereits sichtbar waren, ohne dass sie wirklich angegangen oder auch nur als solche erkannt wurden: Überschuldung, städtebauliche Stagnation, Bevölkerungsschwund, Bedeutungsverlust im Konzert der Großstädte. Die politische Verantwortung trug eine SPD, die auf eine bräsige Weise selbstgewiss war, die sich nach Jahrzehnten der absoluten Ratsmehrheit einen anderen Zustand nicht mehr vorstellen konnte; die sich Essen, wie manche sagten, „zur Beute gemacht“ hatte. In zweiter Linie war da eine CDU, die zwar gerne Schaukämpfe ausfocht, in entscheidenden Fragen aber als Juniorpartner zu Diensten war - für ein bisschen Teilhabe an der Macht, „für ein stellvertretendes Fahrrad“, wie es der heutige Bundestagspräsident Norbert Lammert, ein Bochumer, mal spöttisch beschrieb.

„Willi, gib ein Zeichen“

Das war das Klima, in dem Willi Nowack, der ehrgeizige Ratsherr aus Altenessen, 1992 den Fraktionsvorsitz der SPD-Ratsfraktion übernahm, nachdem er seinen Vorgänger Rolf Drewel erfolgreich zermürbt hatte. Chef einer Mehrheitsfraktion - mehr Macht, konnte man damals in einer Stadt nicht erlangen. Der Oberbürgermeister - ein repräsentatives Amt. Der Oberstadtdirektor - zwar Chef der Verwaltung, aber letztlich abhängig von den Entscheidungen des Rates, und das hieß faktisch: von denen Nowacks.

„Willi, gib ein Zeichen“ - so demonstrierte die damalige, von Nowacks Gnaden abhängige Umweltdezernentin Eva-Maria Krüger, wer das Sagen hatte - ein zufälliger Fund in Krügers Akten, eigentlich eine Unvorsichtigkeit. Aber es entlarvte ungewollt die schlichte Wahrheit: Denn bevor Nowack „Zeichen“ gesetzt hatte, lohnte sich für einen Dezernenten nicht mal das Nachdenken, was die Gemeindeordnung durchaus anders sah.

Politik und Stadtverwaltung und übrigens auch Stadttöchter wie die Sparkasse, die ihm zum eigenen Schaden einige Millionen D-Mark für seine privaten Immobiliengeschäfte lieh, erlebten ein Machtspiel wie aus dem Lehrbuch: Wer Nowack nützlich war, seinen Interessen diente, konnte mit Belohnung und Beförderung, mit Unterstützung seiner Geschäfte oder politischen Ziele rechnen. Wer nicht, wurde kalt gestellt, klein gehalten, von Entscheidungen abgeschnitten, kalt überstimmt, auch beschimpft.

Harter Junge aus dem Norden

Nowack war da nicht zimperlich - ein harter Junge aus dem Norden, gesegnet mit einem dröhnenden Raubtier-Charme, in diesem Punkt dem späteren Bundeskanzler Gerhard Schröder nicht unähnlich. Es gab Leute, die ihm verfallen waren und das heute nicht mehr wissen wollen. Und nicht wenige, die noch heute aktiv sind, hat Nowack erst auf die politische Karriereschiene gesetzt, - vorausgesetzt sie waren ihm loyal ergeben. Einer ist Reinhard Paß, der heutige Oberbürgermeister, der von 1998 bis 2003 als Nowacks Stellvertreter amtierte und danach selbst den Vorsitz der SPD-Ratsfraktion übernahm. Wenn es nicht so despektierlich klänge, könnte man sagen: Paß hat Nowack viel zu verdanken.

All das ist lange her, Willi Nowack hat längst keine Funktionen mehr, SPD und Stadt mühen sich etwas verschämt, den Mann aus ihrem Gedächtnis zu tilgen. Nur manchmal kommt das sorgsam Verdrängte wieder hoch. Wie jetzt, da der 62-Jährige wegen Insolvenzverschleppung ins Gefängnis soll.

Frank Stenglein



Kommentare
05.01.2013
15:35
Deshalb gibt es in der Demokratie
von meigustu | #19

relativ kurze Wahlperioden. Damit man solche Typen auch wieder los werden kann. Hoffentlich folgt nie wieder jemand dem Irrweg der CDU, die naiv glaubt lange Wahlperioden kämen nur ihr selbst zu gute.

21.12.2012
19:39
Ex-SPD-Fraktionschef Willi Nowack - ein Klempner der Macht
von schloppke | #18

als Ergänzung von #17:
http://www.derwesten.de/incoming/willi-nowack-politisches-intrigenspiel-id2185610.html

Da hat der Willi aber ziemlich geschäumt, damals.
Zumal er mit den eigenen Waffen geschlagen wurde - ich erinnere mich noch an eine Juso-Vorstandswahl, wo plötzlich eine Menge von "Neu-Jusos" auftauchten, die einzig und allein die Funktion hatten, bei der V-Wahl das Nowack-genehme (Ehe-)Paar auf den Schild zu heben.

Widerlich, das. Den Jusos hats damals geschadet, die "Neujusos" hat man danach nie wieder gesehen.
Soviel zum System "Nowack". Damit man ahnen kann, wie der Kerl seine Macht erlangt und gepflegt hat.
Tja, war halt blöd gelaufen, Willi...

21.12.2012
19:10
Ex-SPD-Fraktionschef Willi Nowack - ein Klempner der Macht
von schloppke | #17

@heindaddel @5:
Was macht Nowack? Eingestehen?? Brüllend komisch.
Der hatte einfach nicht mehr die Möglichkeit, sich die Leute, die recherchieren, ermitteln und beurteilen, zurechtzubiegen.

Statt dessen haben die Widerlinge, die ihm jahrelang ins Rektum gestürmt sind, fallen lassen, als Willi Gegenwind bekam. Einfach mal seine alten "Weggefähren" beleuchten...

21.12.2012
17:57
Ex-SPD-Fraktionschef Willi Nowack - ein Klempner der Macht
von rheinruhrbeobachter | #16

"Politik und Stadtverwaltung und übrigens auch Stadttöchter wie die Sparkasse, die ihm zum eigenen Schaden einige Millionen D-Mark für seine privaten Immobiliengeschäfte lieh, erlebten ein Machtspiel wie aus dem Lehrbuch: Wer Nowack nützlich war, seinen Interessen diente, konnte mit Belohnung und Beförderung, mit Unterstützung seiner Geschäfte oder politischen Ziele rechnen. Wer nicht, wurde kalt gestellt, klein gehalten, von Entscheidungen abgeschnitten, kalt überstimmt, auch beschimpft."

So ist das halt in der Politik. Da dürfen sich die Politiker jedoch nicht wundern, wenn sich die Bürger immer mehr von ihnen abkehren. Dies haben leider alle Parteien nicht erkannt und machen gerade in den Städten so weiter, wie sie es schon in den letzten 50 Jahren getan haben. Und der Bürger hat kaum eine Chance, sich dagegen wehren zu können.

21.12.2012
11:44
Leserbrief
von Erbeck1 | #15

In der NRZ steht heute ein Leserbrief von Herrn Heinz Schuster (dürfte wohl der ehemalige Kleingartenguru sein?) und das ist in der Tat nicht verwerflich.
Den Inhalt bringe ich zwar nicht mit dem Schreiber in Verbindung (selbst sehr dikutierbare Person) , aber passend sind einige Dinge doch sehr !
"Die Stärke von Herrn Nowack war doch nur die Schwäche der anderen!" Das ist vollkommen richtig und der Vorwurf in Richtung Personalpolitik (Klüngel) von damals ebenfalls . Genau aus dieser Tatsache heraus hat sich auch das recht schlechte Niveau (Leistung & Charakter) der heutigen Führungsspitze bei der Stadt-Essen ergeben , was Herr Schuster ebenso richtig anmerkt . Jungste Bemerkungen vom OB lassen hier grüßen , der ja unter Herrn Nowack "groß" wurde - Herr Nowack dürfte uns somit noch lange verfolgen oder lenken !

21.12.2012
10:36
Ex-SPD-Fraktionschef Willi Nowack - ein Klempner der Macht
von ditku | #14

Gerechte Strafe. Allerdings sollte dies auch für andere Ex- und Noch-Provinzpolitiker durchgezogen werden. Dass hieße aber, man könnte in NRW gleich einen neuen Knast für diese Bande bauen.

1 Antwort
Ex-SPD-Fraktionschef Willi Nowack - ein Klempner der Macht
von wohlzufrieden | #14-1

...und ein neues Parlament wählen...

21.12.2012
10:09
Klüngelskerl
von wohlzufrieden | #13

Mein Vater war Klempner. Bitte keine Beleidigungen für einen ehrbaren Beruf, dem ehrbare Leute nachgehen. Der Begriff "Klüngelskerl" würde wohl eher passen...

21.12.2012
08:24
Ex-SPD-Fraktionschef Willi Nowack - ein Klempner der Macht
von mkoerber | #12

Mit anderen Namen auch passend für Gelsenkirchen.....fast jede Stadt im Pott kennt solche Machenschaften und solchen Filz.

21.12.2012
07:38
Ex-SPD-Fraktionschef Willi Nowack - ein Klempner der Macht
von tegtmeier | #11

Klempner iss ja en anständigen Beruf. Parteipolitiker der Macht wär ne Beleidigung. Denn echte Machtpolitiker fang erss bei Tote an und hörn manchmal bei ne Million Tote noch nich auf. Da iss der Willi Nowack en kleineret Licht im Dunkeln.

21.12.2012
06:55
Ex-SPD-Fraktionschef Willi Nowack - ein Klempner der Macht
von markuskarl | #10

Willi
Du wirst wieder zurück kommen und alles wird gut
Glückauf und lass den kopf nicht hängen.

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