Das aktuelle Wetter Essen 24°C
Kirche

Evangelische Pfarrer dürfen homosexuelle Paare bald trauen

03.02.2016 | 12:00 Uhr
Evangelische Pfarrer dürfen homosexuelle Paare bald trauen
Bereits seit dem Jahr 2000 dürfen evangelische Pfarrer homosexuelle Paare segnen.Foto: Imago

Essen.   Ab Mitte März dürfen Pfarrer homosexuelle Paare trauen und ihre Ehe ins Kirchenbuch eintragen lassen. Für die meisten Essener Pfarrer war die Entscheidung überfällig.

Als Ulrich B. (Name ist der Redaktion bekannt) und sein Mann sich vor zwei Jahren trauen ließen, war es eine Hochzeit mit zwei Seiten. „Die standesamtliche Trauung war ein Krampf. Umso schöner war das Wohlgefühl, das uns in der Kirche gegeben wurde.“ Erst kurz vor der Hochzeit ließ er sich taufen. Durch seine Arbeit hatte er die evangelische Gemeinde Essen-Altstadt kennen gelernt und wurde offen empfangen. „Ich hatte nie geglaubt, dass eine christliche Kirche so modern, offen und menschenfreundlich sein kann.“ Durch sie sei er zum Glauben gekommen – und zum Segen Gottes für seine Ehe.

Pfarrer dürfen selbst entscheiden

Bereits seit dem Jahr 2000 dürfen evangelische Pfarrer homosexuelle Paare segnen. Sie tun dies in einem Gottesdienst, der mit dem normalen Traugottesdienst fast identisch ist, nur müssen sie ein Element der Trauagende weglassen. Mit der Entscheidung der Landessynode der evangelischen Kirche im Rheinland fällt diese Unterscheidung: Ab Mitte März, nach Veröffentlichung der Änderung der Kirchenordnung im Kirchlichen Amtsblatt, dürfen Pfarrer homosexuelle Paare trauen und ihre Ehe ins Kirchenbuch eintragen lassen.

Foto: privat

„Das ist genau der Schritt in die richtige Richtung“, sagt Steffen Hunder, Pfarrer der evangelischen Gemeinde Altstadt, zu der Entscheidung der Synode. Er hat Ulrich B. und seinen Mann im April 2014 gesegnet und erinnert sich noch gut an die Erwartungen des Esseners. „Er fühlte sich vom Staat diskriminiert, weil der eigene Begriffe für ihn erfand, und fragte: ,Das wird doch beim lieben Gott nicht auch so sein, oder?’“

Die Pfarrer dürfen sich selbst entscheiden, ob sie die Trauung mit ihrem Gewissen vereinbaren können und durchführen möchten. „Die meisten Essener Pfarrer haben den Beschluss der Synode sehr positiv aufgenommen“, sagt Stefan Koppelmann, Pressesprecher der evangelischen Kirche in Essen.

Zu ihnen gehört auch Annette Stolte, Pfarrerin im Schuldienst. „Dieses Zwei-Klassen-Trausystem, das wir vorher hatten, hat mich immer sehr traurig gemacht. Das war nicht seelsorgerisch.“ Die Entscheidung der Synode sei längst überfällig gewesen. Stolte hat bereits drei homosexuelle Paare gesegnet. Zwei Männer entschieden sich für eine Hochzeit in der Dechenhöhle in Iserlohn; der enge Raum sollte symbolisieren, wie sie sich verstecken mussten. „Die Angst, von der Kirche zurückgewiesen zu werden, ist immer noch tief in den Köpfen vieler Homosexueller.“

„Die Gemeinde, auch die älteren Mitglieder, ist viel offener als man denkt“

Anette Stolte, Pfarrerin im Schuldienst, wird diesen Sommer ein lesbisches Paar trauen Foto: Katharina Kemme/FUNKE Foto Services Foto: Katharina Kemme

In ihrem Umfeld hat sie nun eine große Erleichterung wahrgenommen, die meisten begrüßten die Gleichstellung der Ehe. Was sie den Skeptikern erwidert? „Es gibt keine Argumente gegen die gleichgeschlechtliche Ehe. Die Liebe Gottes ist allen Menschen zugesagt und sein Segen ist nicht teilbar.“

Eine ältere Dame fragte einmal Steffen Hunder, ob sie ihren Enkel nun weniger lieb haben sollte, weil er einen Mann liebt. „Natürlich nein“, erwiderte der Pfarrer und merkte: „Die Gemeinde, auch die älteren Mitglieder, ist viel offener als man denkt.“

Kirche
Die evangelische Homo-Ehe

Im Jahr 2000 hatte die evangelische Kirche im Rheinland bereits eine sogenannte Gottesdienstliche Begleitung für gleichgeschlechtlich Liebende möglich gemacht.

Nach der diesjährigen Entscheidung der Landessynode dürfen künftig nicht nur Ehepaare getraut werden, sondern auch gleichgeschlechtliche Paare in einer Eingetragenen Lebenspartnerschaft.

Die Pfarrer können die Trauung von gleichgeschlechtlichen Paaren aus Gewissensgründen ablehnen.

Die Änderung der Kirchenordnung tritt mit ihrer Veröffentlichung im kirchlichen Amtsblatt ein.

Zur Trauung von Ulrich B. und seinem Mann kamen viele Gläubige, weil sie einmal bei einer Trauung zweier Schwuler dabei sein wollten. „Es war einfach nur wunderschön“, erinnert sich der Essener. Und es zeigte ihm, dass die Kirche viel offener sein kann als der Staat, der ihm und anderen homosexuellen Paaren den konstruierten Begriff „Lebenspartnerschaft“ auferlegt hat. Für ihn ist klar: „Das, was in den Schlafzimmern geschieht, sollte den Staat nichts angehen und schon gar nicht sollte jemand danach beurteilt oder klassifiziert werden.“

Artikel auf einer Seite lesen
  1. Seite 1: Evangelische Pfarrer dürfen homosexuelle Paare bald trauen
    Seite 2: Was andere Essener Pfarrer zur Segnung homosexueller Paare sagen

1 | 2

Kommentare
03.02.2016
13:18
Evangelische Pfarrer dürfen homosexuelle Paare bald trauen
von buschul | #2

Eine Trauung (besser sollte man allerdings von Segnung sprechen) gleichgeschlechtlicher Paare dürfte sich aus der Bibel nicht so ohne weiteres...
Weiterlesen

Funktionen
Fotos und Videos
Gast im Müllheizkraftwerk
Bildgalerie
WAZ öffnet Pforten
Besuch im Essener Dom
Bildgalerie
WAZ öffnet Pforten
1000 Herzen Triathlon
Bildgalerie
Triathlon
RWE gegen Arminia Bielefeld
Bildgalerie
DFB-Pokal
article
11520630
Evangelische Pfarrer dürfen homosexuelle Paare bald trauen
Evangelische Pfarrer dürfen homosexuelle Paare bald trauen
$description$
http://www.derwesten.de/staedte/essen/evangelische-pfarrer-duerfen-homosexuelle-paare-bald-trauen-id11520630.html
2016-02-03 12:00
Essen, Kirche, Glaube, Trauung, Homosexuelle Paare,
Essen