Evag löst das Rätsel um die klebrige Dehnungsfuge

Da klebten sogar Straßenbahnen fest: Auf einer Länge von drei Kilometern hatte sich die Dehnungsfüge entlang der Schienen gelöst.
Da klebten sogar Straßenbahnen fest: Auf einer Länge von drei Kilometern hatte sich die Dehnungsfüge entlang der Schienen gelöst.
Foto: ANC
Was wir bereits wissen
Extreme Hitze, Materialermüdung und die breiten Räder der Essener U-Stadtbahnwagen verursachten den Schaden auf der Strecke der U11.

Essen.. Na schön, es war heiß. Sehr heiß sogar. Aber solche Tage gab es auch früher schon mal. Warum also konnte sich entlang der Nordstrecke der U-Stadtbahnlinie U 11 auf einer Länge von drei Kilometern Bitumen lösen, als habe eine Riese die schwarze Isoliermasse aufgerollt wie eine Lakritzschnecke? Bei der Essener Verkehrs-AG sind sie überzeugt, diese Frage beantworten zu können.

Da wäre zum einen das Material: Die Nordstrecke wurde 2001 eröffnet, die Dehnungsfuge zwischen den Schienen und dem Asphalt ist also in die Jahre gekommen. Die Haftung der Fuge lasse mit der Zeit nach. Folglich habe sich das verbaute Material, durch die extreme Hitze aufgeweicht, leichter lösen können.

Räder werden zum Problem

Hinzu kommt: U-Stadtbahnen fahren auf Eisenbahnrädern. Deren Lauffläche beträgt 13,5 Zentimeter. Das sind drei Zentimeter mehr als beim Rad einer Straßenbahn, und um eben diese drei Zentimeter stehen die Räder der U-Stadtbahnen auf den Schienen seitlich über. Das ist kein Problem, so lange die Züge auf eigenen Gleiswegen rollen wie etwa auf der Margarethenhöhe. So hatten es sich die Ingenieure vorgestellt, als sie das U-Stadtbahnsystem ersannen. Doch dieses System wurde nie konsequent zu Ende gebaut. Die breiten Eisenbahnräder können deshalb zum Problem werden, wenn die Schienen im Straßenbelag verlegt sind wie teilweise auf der Nordstrecke und auch in Holsterhausen.

Dort blieb die Dehnungsfuge im Boden, auf der Nordstrecke blieb die aufgeweichte Dehnungsfuge dagegen an den Rädern kleben wie Kaugummi. Möglicherweise war das Material einer intensiveren Sonnenstrahlungs ausgesetzt, heißt es bei der Evag. Dort wird nun darüber nachgedacht, Bitumen an den kritischen Stellen alle fünf Jahre auszutauschen. Bislang werden lediglich schadhafte Stellen erneuert.

Die Reinigung der Gleise soll am Dienstag beendet werden. Von elf U-Stadtbahnwagen, die aufgrund mit Bitumen verklebter Räder und Radgestelle aus dem Verkehr gezogen wurden, waren am Montag neun wieder einsatzbereit.