Essens OB Paß über China, Menschenrechte und Design

Foto: Roberto Pfeil
Essens Stadtoberhaupt hat in China den Vertrag für die neue Partnerschaft mit der Millionenstadt Changzhou unterzeichnet.

Essen hat eine neue Partnerstadt: Im Rahmen seiner China-Reise unterzeichnete Oberbürgermeister Reinhard Paß gestern in der Millionenstadt Changzhou den entsprechenden Vertrag. Der OB ist Teil einer NRW-Delegation mit Ministerpräsidentin Hannelore Kraft an der Spitze.

Herr Paß, Sie sind jetzt das dritte Mal in China. Wie klappt es denn inzwischen so mit Ihrem Chinesisch?

Etwas Small-Talk geht schon. Aber hier sind auch immer sehr fürsorgliche Dolmetscher mit dabei. Die Chinesen schätzen diesen formellen Rahmen sehr. Um die Termine herum gibt es übrigens immer etwas zu Essen.

Kommen Sie mit der chinesischen Küche klar?

Ja. Ich bin ein genügsamer Esser. Es gibt viele kleine abwechslungsreiche Gänge, ständig wird etwas Neues hingestellt. Da kann man kaum den Überblick behalten. Wenn etwas auf dem Teller bleibt, ist das nicht schlimm. Wenn alles weg ist, hat der Chinese vielmehr das Gefühl, er habe nicht genug zubereitet.

Wie sieht Ihr Tag in China aus?

Ziemlich vollgepackt mit Programm. Am Mittwoch hatten wir vormittags beispielsweise einen Wirtschaftsgipfel. Dann folgte der politische Teil. Anschließend sind wir in unsere neue Partnerschaft Changzhou gefahren, haben ins Hotel eingecheckt und erst mal durchgeatmet. Ohne mich ging es dann hier nicht weiter, denn es stand als nächstes die Unterschrift für den Partnerschaftsvertrag mit meinem Amtskollegen Fei Gaoyun, dem Bürgermeister von Changzhou, an. Den habe ich auch gleich nach Essen eingeladen. Wir haben ein Werk für Gelenkwellen von Thyssen-Krupp besucht und ein Design-Institut. Design ist hier ein großes Thema...

...der Chinese setzt doch eher auf das Design von anderen...

...man will aber nicht mehr nur kopieren, sondern selbst designen. Beim Thema Entfaltung gibt es Nachholbedarf, vielleicht auch, weil von der Regierung gewisse Freiheiten reduziert sind.

Gibt es für Sie Einschränkungen? Können Sie sich frei bewegen?

Es bleibt dazu kaum Zeit. Am Ankunftstag hatten wir ein kleines Kulturprogramm. Ansonsten: Facebook und Youtube im Internet funktionieren nicht. Aber das Handy geht und wir haben im Hotel Internetzugang. Ich kann also auch hier sehen, was in Essen passiert.

Sind die Menschenrechte ein Thema auf Ihrer Reise?

Der Rahmen ist dafür nicht gegeben. Wenn, wird es an höherer Stelle thematisiert. Wir wollen erst mal eine Basis mit den Menschen schaffen, um dann künftig Themen zu platzieren. Man sollte nicht mit dem schwierigsten Thema anfangen.

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