Essens Kämmerer klagt - Töchter sind oft blind fürs Wohl von Mutter Stadt
13.11.2012 | 13:27 Uhr 2012-11-13T13:27:00+0100
Essen. Der üppige Gehaltszuschlag von 49 Prozent für die beiden Chefs der städtischen Tochterfirma GSE sorgt für reichlich Diskussionen. Essens Kämmerer klagt: Das Beispiel der Gehälter zeige wie unterm Brennglas, dass sich bei den Stadt-Töchtern längst ein egoistisches Eigenleben entwickelt habe.
Erst kommt das Kopfschütteln, dann das Achselzucken: Der exorbitante Gehaltszuschlag von 49,1 Prozent für die beiden Geschäftsführer der Sozialgesellschaft GSE – er war augenscheinlich rechtens, auch wenn er jedes Gespür für die finanzielle Lage der Stadt vermissen ließ: Denn während die beiden Chefs der Tochterfirma für sich ein fettes Zubrot aushandelten, diskutierte Mutter Stadt damals die dramatische Gefahr einer Überschuldung.
Kein Wunder, dass sich der städtische Finanzchef, Kämmerer Lars Martin Klieve , jetzt in seiner kritischen Haltung gegenüber den Beteiligungsunternehmen bestätigt sieht: „Ich bin nicht angetreten, um zu sagen: Kürzt den Geschäftsführern das Gehalt...“, sagt Klieve, aber das Beispiel der GSE-Gehälter zeige wie unterm Brennglas, dass sich bei den Stadt-Töchtern längst ein Eigenleben entwickelt habe. Und bei dem gehe es oftmals nur darum, das eigene Stück vom Kuchen möglichst groß zu schneiden.
"Es darf aber nicht jeder nur sein Ding machen"
„Es darf aber nicht jeder nur sein Ding machen“, betont Klieve, „es kommt nicht darauf an, dass ein Teilbereich der Stadt besonders gut abschneidet, sondern dass sich alles dem Gesamtinteresse der Stadt unterordnet.“ Am Ende gelte es, mit Blick auf die knappen finanziellen Mittel ein Paket für die ganze Stadt zu schnüren, und diesem Gesamtinteresse müssten sich alle unterordnen.
Kämmerer Klieve weiß, dass er sich mit solchen Sätzen manchen Geschäftsführer nicht unbedingt zum Freund macht. Und er räumt ein: „Auch bei den Beteiligungsgesellschaften ist schon sehr gute Arbeit geleistet worden, das erkenne ich ausdrücklich an.“ Aber je mehr Vorfestlegungen es hier und da gibt, oft offen ausgetragen, manchmal aber auch geheimniskrämerisch eingestielt, desto geringer fällt der finanzielle Spielraum in anderen Bereichen aus. Das will Klieve korrigieren, im Interesse der Bürger wie im Interesse der Politiker: „Ich bin dafür verantwortlich, dass es überhaupt noch etwas zu entscheiden gibt.“
Klieve kämpft für variable Vergütung
Die Chefgehälter bei den Tochtergesellschaften sind dabei nur ein Thema: Nach NRZ-Informationen nimmt Klieve sich in diesen Tagen auch die Wirtschaftspläne vor, verweigert das Okay des Gesellschafters Stadt, wenn dort dauerhaft der Verzehr von Eigenkapital ausgewiesen wird. Das trifft die Jugendhilfe genauso wie die Grundstücksverwaltung GVE und die Messe. Sie alle müssen ihre Etats jetzt nach neuen Sparmöglichkeiten durchforsten.
Dass man auch bei den Chefgehältern sparen könnte, weiß Klieve, aber das ist nach seinem Bekunden nicht das Hauptziel. Er kämpft nicht für eine geringere, sondern für eine zunehmend variable Vergütung: „Es muss klarer gemacht werden, wofür gezahlt wird. Und ich bin dafür, dass ein größerer Anteil der Vergütung daran geknüpft wird, dass den Erwartungen auch entsprochen wurde.“ Ein entsprechendes Modell ist derzeit in Arbeit.
Linke: Warum eigentlich zwei GSE-Chefs?
Als „absolut instinktlos“ bezeichnete gestern die Ratsfraktion der Linken das Gehaltsplus bei der GSE. Aus ihrer Sicht ist es ein Anachronismus, dass sich die zu 90 % städtische Gesellschaft zwei Geschäftsführer leistet – Relikt einer Verschmelzung zweier Firmen. Kritik üben die Linken am Kämmerer: Die Grenze verlaufe nicht, wie er behaupte, zwischen Stadt und Töchtern, sondern „auch hier zwischen oben und unten“.

18:16
Obwohl unser Kämmerer völlig Recht hat, ist der OB mal wieder untergetaucht.
Schlechtes Gewissen? Oder damit beschäftigt, die Genossen mal wieder auf die richtigen Pöstchen zu schieben?
13:03
Selbstbedienungsladen Stadt-Kasse! Das Ende ist nah!
01:13
Eine seit Jahren unheilige Allianz zwischen Sozis und CDU .Pöstchen werden besetzt , egal ob die Leute geeignet sind oder nicht.Hier in Essen gibt es seit Jahren ein überparteiliches Zusammen wirken für altgediente Parteimitglieder. Dies ist der Grund allen Übels. Es wäre schön zu erfahren, auf welchem Ticket die bestellten Geschäftsführer an ihre Posten gekommen sind.Recherchieren Sie das einmal bitte.
In dieser Sache gibt es keine Allianz zwischen den Parteien.
Das mit den Pöstchen machen seit Jahrzehnten die Sozis unter sich aus.
23:18
In einer funktionierenden, bürgerorientierten und gerechten Stadt, muss der Oberbürgermeister das Maß aller (städtischen) Dinge sein.
Es ist sinnfrei, dass ein Oberbürgermeister nur Bruchteile des Einkommens der Geschäftsführer seiner städtischen Tochtergesellschaften verdient.
Wer auch immer in der Vergangenheit Super Gagen für die Geschäftsführer von städtischen Töchtern gebilligt hat, dem möge der ambitionierte virtuelle Arschtritt eines Bürgers möglichst weh tun.
Wenn Essener Politiker, einschließlich der "Viererbande" noch irgendeinen Bezug zu ihren Bürgern haben, sollten sie umgehend beschließen, dass die Gehälter von Geschäftsführern Essener Töchter, ausschließlich zwischen der Vergütung der Essener Dezernenten und dem Einkommen des Oberbürgermeisters ausgehandelt werden dürfen.
Es ist nahezu pervers, realisieren zu müssen, dass der Essener Oberbürgermeister als Aufsichtsratsvorsitzender der Essener Stadtwerke, knapp ein Viertel des Einkommens seines Angestellten verdient.
22:51
Tja, was mag unterm Strich stehen, wenn städtische Gesellschaften seitens des Kämmerers unter Zwang gesetzt werden, solange weitere Konsolidierungsbeiträge zu leisten, bis die Wirtschaftspläne zu gefallen wissen? Es wäre schön, wenn sich die Redaktion mal der Einkommenssituation und den Arbeitsbedingungen der Beschäftigten in den einzelnen Konzernteilen widmen könnte. Verwunderung etwa über tariflose Bereiche (und dort nicht etwa außertariflich hohe, sondern unterdurchschnittlich niedrige Vergütungen) dürfte gewiss sein...
21:37
Die Gehälter an sich wären für die meisten der Positionen verglichen mit der Privatwirtschaft wahrscheinlich gar kein Problem, wenn da nicht ein entscheidener Haken wäre: die Geschäftsführer tragen kein unternehmerisches Risiko. Unter diesem Aspekt betrachtet scheinen die Gehälter dann schon wiederum ganz üppig, denn dieses Risiko und diese Verantwortung rechtfertigen einen wesentlichenTeil der Entlohnung. Wenn man dann noch sieht, dass ein Teil der Personen eine städtische Pension bekommt bzw. Versorgungsgarantie hat, wird es noch drastischer. Insofern kann man nur sagen, wer wesentliche Risikoelemente eines privatwirtschaftlichenGeschäftsführers nicht trägt, kann nicht erwarten, auch nur annähernd wie ein solcher Geschäftsführer/Unternehmer entlohnt zu werden.
19:44
warum braucht man eigentlich zwei Geschäftsführer für diesen Laden ?
Ist der so groß ? Oder kann der Eine etwa nur lesen und der Andere kann dafür schreiben ?
19:02
Diese Aussage vom Kämmerer kann ich nicht ernst nehmen - Vorkommentatoren haben dazu ja bereits richtige Sichtweisen aufgezeigt !
Vor einiger Zeit wurden doch Bürgersparvorschläge über das Internet gefordert und der Bürger kam dem nach . Gerade die Stadttöchter wurden von mir "eingeworfen" und es gab dazu auch viel Zustimmung - und wie sieht es nun aus ?
Wie gesagt - LACHHAFT !
18:37
Dann soll er sich nicht beklagen, sondern die Töchter auflösen oder zusammenführen. Er ist doch in der Stadtregierung.
Er kann natürlich keine Töchter verschwinden lassen, weil seine Partei dann weniger Pöstchen zu verteilen hätte. Und bevor das passiert....
17:04
Ein bisschen schärfer könnte es Herr klieve es schon formulieren. Auf der einen Seite sind die Geschäftsführer, die sich mehr Gehalt wünschen, auf der anderen Seite sind die, die die Wünsche erfüllen. Und diese Aufsichträte sollten dafür Rechenschaft ablegen und erklären, wo das Geld für die Wunscherfüllung herkommen soll.
Dass man die Anzahl der Töchter reduzieren und mit anderen Städten fusionieren kann, ist wiederum Aufgabe von Herrn Klieve.