Essens höchster Kirchturm steht in Kray

Die Auszubildenden bei der Vermessung in Kray.
Die Auszubildenden bei der Vermessung in Kray.
Foto: Michael Korte
Was wir bereits wissen
Das Rätsel, ob nun der Kirchturm von St. Hubertus in Bergerhausen oder St. Barbara im Stadtteil Kray höher in den Himmel ragt, ist gelöst. Angehende Vermessungstechniker haben den jahrelangen Disput nun ein für alle Mal beendet. Auch der Brandschaden an der St. Hubertus-Kirche ändert an dem Ergebnis nichts.

Essen.. Der Turmstreit zu Essen ist entschieden: Der höchste Kirchturm der Stadt ist der der St. Barbara-Kirche in Kray. Dieses Ergebnis einer jahrzehntelangen Diskussion in Essen haben jetzt angehende Vermessungstechniker verschiedener Unternehmen ermittelt. Die Vermessung der Essener Kirchturmwelt war Teil eines innovativen Ausbildungsprojekts.

Demnach ist der Kirchturm von St. Barbara mit 72,72 Metern deutlich höher als der von St. Hubertus in Bergerhausen, der mit 62,53 Meter über zehn Meter weniger misst, aber vielen Essenern bislang als der höchste der Stadt galt. Für die Gladbecker Lamberti-Kirche – schon länger unangefochten der höchste Kirchturm im gesamten Bistum Essen – ermittelten die Auszubildenden eine Höhe von 78,72 Meter.

Der Brand ändert nichts an dem Fakt

Allerdings beziehen sich die Höhenangaben nicht auf den jeweils höchsten Punkt des Turms, etwa die Spitze des Kreuzes. Vielmehr wurde in Gladbeck und Kray jeweils eine Kugel direkt unterhalb des Kreuzes angepeilt. Weil diese Kugel in St. Hubertus seit dem Blitzeinschlag und dem verheerenden Brand Anfang Januar fehlt, wurde dort eine Dachgaube knapp unterhalb der Turmspitze als Peil-Punkt genutzt. Auch wenn alle gemessenen Kirchen also letztlich sogar noch höher sind als die nun ermittelten Angaben geht aus dem Vermessungsteam niemand davon aus, dass ein rekonstruierter Hubertus-Turm höher wird, als der Konkurrent aus Kray.

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Der Gönner des Kirchenbaus wollte den Turm sehen

Während des Sommers haben die Auszubildenden immer wieder die einzelnen Kirchen besucht, Messpunkte fixiert – und dabei unter anderem gelernt, dass ein Turm mit einem dünnen Kreuz deutlich schwieriger anzupeilen ist als etwa eine klar erkennbare Hochhauskante.

Hinzu kam – gewissermaßen als Wettbewerbsverzerrung – dass die Turmspitze der St. Hubertus-Kirche im Januar nach dem Brand rund sechs Meter kleiner ist. Doch trotz der fehlenden Spitze und der jeweils unterschiedlichen Peil-Punkte an den verschiedenen Türmen sind sich alle Beteiligten einig, dass auch ein reparierter Hubertus-Turm den der Barbara-Kirche nicht übertreffen wird. „Das ist uns sehr recht“, sagt der dortige Kirchen-Hausmeister Herbert Engel. Nach wie vor sei die Gemeinde sehr damit beschäftigt, Spenden für die Sanierung des Kirchturms zu sammeln – da gebe es keinerlei Bestrebungen, den Turm in Kray in irgendeiner Weise zu übertreffen.

Pastor Hoffmann in Kray hat indes eine Vermutung, warum gerade der Turm der Barbara-Kirche so ungewöhnlich hoch ist: Ende des 19. Jahrhunderts habe Bauer Eickenscheidt den Bau der Kirche mit einer stattlichen Summe unterstützt. „Er soll damals verlangt haben, dass er den Kirchturm von all seinen Feldern aus sehen kann“, so Hoffmann. Von der Hubertus-Kirche, die rund 20 Jahre später vom selben Architekten geplant wurde, sind ähnliche Forderungen nicht bekannt.