Essens gemeinsamer Standard gegen häusliche Gewalt

Gegen häusliche Gewalt: Vertreter der Essener Krankenhäuser, der Stadt und von weiteren Institutionen haben den Standard unterzeichnet.
Gegen häusliche Gewalt: Vertreter der Essener Krankenhäuser, der Stadt und von weiteren Institutionen haben den Standard unterzeichnet.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Die Krankenhäuser haben eine einheitliche Vorgehensweise unterzeichnet. Mit den Eckpunkten des Konzepts soll Opfern besser geholfen werden

Essen.. In der Medizin- und Gesundheitsbranche konkurrieren die Essener Krankenhäuser und Kliniken täglich um Patienten. Wenn es aber um spezielle Standards geht, können sie sich immer wieder auf einheitliche Vorgehensweisen verständigen: Jüngstes Kind ist der Standard zur Versorgung von Opfern häuslicher Gewalt in den Notfallambulanzen der Stadt. „Ein wichtiger Schritt“, sagt Gerda Kaßner, Geschäftsführerin „Runder Tisch Häusliche Gewalt Essen“ und Gleichstellungsbeauftragte der Stadt. „Ein weiterer Standard, bei dem sich alle Krankenhäuser beteiligen“, ergänzt Dr. Rainer Kundt, ärztlicher Leiter im Gesundheitsamt.

Laut Weltgesundheitsorganisation ist die häusliche Gewalt immer noch ein großer Risikofaktor für die Gesundheit von Frauen. In Essen gab es, laut Statistik, 2013 in Summe 832 angezeigte Fälle von häuslicher Gewalt, die sich vor allem gegen Frauen, aber auch gegen Kinder und Männer richteten. Die Dunkelziffer soll, so die Experten, noch erheblich höher sein, weil viele Opfer die Täter aus dem Familienkreis nicht anzeigen.

Opfer und Täter in der Ambulanz

„Dem wollen wir entgegenwirken. Der Standard bietet dazu eine gute Chance“, sagt Gleichstellungsbeauftragte Gerda Kaßner. Der „Runde Tisch Häusliche Gewalt Essen“, der 2002 gegründet wurde, und die Essener Krankenhäuser haben dieses Konzept zur Versorgung von Opfern häuslicher Gewalt gemeinsam entwickelt. Es besteht aus fünf Eckpunkten: Die Opfer sollen in den Notfallambulanzen besser erkannt und dann gezielt angesprochen werden. „Wenn Opfer in die Ambulanz kommen, sind teilweise Täter oder andere Familienangehörige dabei. Aus Angst, Scham oder auch einfach aus Verzweiflung sagen die Frauen nichts. Dann ist es wichtig, den Opfern die Chance zu geben, dass sie erzählen können, was passiert ist. Eine direkte Ansprache ist notwendig“, erklärt Dr. Alexandra Wahl vom LVR-Klinikum an der Virchowstraße.

Nachhaltige Zusammenarbeit geplant

Der zweite Eckpunkt sieht eine präzise Dokumentation der Übergriffe vor, die beispielsweise auch vor Gericht verwendet werden kann. Dritter Eckpunkt ist eine umfangreiche Dokumentation über Schutz- und Hilfsangebote für Opfer in Essen. „Es gibt ein umfangreiches Netzwerk, wie die Frauenberatung oder das Frauenhaus, sowie Broschüren, die Ansprechpartner bieten und helfen können“, erklärt Gerda Kaßner.

Zum Konzept gehören die weitere Zusammenarbeit der Krankenhäuser und der angeschlossenen Institutionen mit dem „Runden Tisch Häusliche Gewalt“ und ein konkreter Ablaufplan („Work Flow“) für die Versorgung der Opfer. „Wir planen auch künftig mit einer nachhaltigen und interdisziplinären Zusammenarbeit“, sagt Dr. Patricia Aden von der Kreisstelle Essen der Ärztekammer Nordrhein.