Essens Bürgerbewegung für die schönen Künste wird 30 Jahre alt

Ein Blickfang, nicht nur bei Nacht: Im Aalto-Theater feiert der "Freundeskreis Theater und Philharmonie" sein 30-jähriges Bestehen.
Ein Blickfang, nicht nur bei Nacht: Im Aalto-Theater feiert der "Freundeskreis Theater und Philharmonie" sein 30-jähriges Bestehen.
Foto: Thomans Schwoerer
Was wir bereits wissen
Freundeskreis Theater und Philharmonie feiert Jubiläum. Mit 15 Millionen Euro wurde in den letzten 30 Jahren die Arbeit der Essener Bühnen unterstützt.

Essen.. Im Vergleich zur langjährigen Tradition der Essener Kulturförderung ist der Verein noch geradezu blutjung. 30 Jahre alt wird der Freundeskreis Theater & Philharmonie in diesem Jahr. Gefeiert wird das am Dienstag, 21. April, mit einer großen Gala im Aalto-Theater. Und zwar mit allen Sparten vom Aalto Ballett bis zum Schauspiel Essen, mit Aktiven und Ehemaligen und natürlich mit den rund 1000 Mitgliedern, die dafür gesorgt haben, dass in den vergangen 30 Jahren mehr als 15 Millionen Euro in die Förderung der Essener Bühnen geflossen ist.

Hervorgegangen ist der Freundeskreis aus der bereits 1955 gegründeten Gesellschaft zur Förderung des Essener Theaterneubaus. Eine handvoll honoriger Bürger um den damaligen Oberbürgermeister Wilhelm Nieswandt und Berthold von Bohlen und Halbach hatten sich den Neubau eines Opernhauses auf die Fahne geschrieben; das im 19. Jahrhundert erbaute Grillo-Theater allein schien für eine aufstrebende Stadt wie Essen zu klein.

Den Idenwettbewerb 1959 gewann bekanntlich der Finne Alvar Aalto. Doch es sollte noch fast 30 Jahre dauern, bis sein großartiger Entwurf 1988 mit Wagners „Meistersingern“ eingeweiht werden sollte. Da hatte der Freundeskreis Theater und Philharmonie seine Arbeit nicht zu den Akten gelegt, sondern längst neue Aufgaben gefunden:

„Das musste internationales Niveau haben“, sagt der Vorstandsvorsitzende Wulf Mämpel, der die Geschicke des Freundeskreises seit 30 Jahren leitet und begleitet. Und in dieses hohe Niveau investieren sie noch immer 300.000 bis 400.000 Euro pro Jahr. Mal wurde eine Million Mark eingeworben, um einen „Ring“ von internationalem Format zu schmieden, mal wurde ein Weltstar wie Luana De Vol für eine denkwürdige „Frau ohne Schatten“ nach Essen geholt. Und mit dem Aalto-Bühnenpreis für junge Künstler wurden herausragende Talente aller Sparten ausgezeichnet. Heutige Weltstars wie Heldentenor Torsten Kerl, der immer noch in Essen lebt, aber genauso an der New Yorker Met oder bei den Bayreuther Festspielen anzutreffen ist, danken es den edlen Spendern am 21. April mit einem Gala-Auftritt. Chordirektor Alexander Eberle, Preisträger von 1998, übernimmt die künstlerische Leitung des Abends.

Mittler zwischen Künstlern und Publikum

Die Nachwuchsförderung liegt dem Freundeskreis in Zukunft besonders am Herzen. Nicht nur auf der Bühne, sondern auch im Publikum. Die Gründung eines jungen Freundeskreises ist geplant, außerdem will man Paten gewinnen, die Schüler in Schauspiel oder Opernhaus begleiten und an das Live-Erlebnis Theater heranführen.

Als Freundeskreis versteht man sich eben nicht nur als großzügiger Geldgeber, sondern auch als Mittler zwischen Künstlern und Publikum. Nicht ohne Grund favorisiert man unter all den möglichen Begriffen von Sponsor, Mäzen und Förderer das Wort von der „Bürgerbewegung im Bereich Kulturförderung“. Die Zukunft wird ihr in Zeiten wachsenden Spardrucks noch manche Herausforderung stellen. Das nächste große Projekt steht schon in Aussicht. Wenn das Grillo-Theater im Jahr 2017 seinen 125. Geburtstag feiert, wird man ein Auftragsstück vergeben. Mit Theatermäzen Friedrich Grillo hat die Geschichte der Essener Kulturförderung schließlich schon Ende des 19. Jahrhunderts begonnen.