„Essens Beste“ werden in der Philharmonie gekürt

Von Krawallmachern zu Vorbildern: die „engagierten Jungs“ aus Altendorf sind in der Kategorie Ehrenamt für Essens Beste 2015 nominiert.
Von Krawallmachern zu Vorbildern: die „engagierten Jungs“ aus Altendorf sind in der Kategorie Ehrenamt für Essens Beste 2015 nominiert.
Foto: Fotoredaktion Presseamt
Was wir bereits wissen
Ob Integration, Umweltschutz, Sport mit Behinderung oder Identifikationsfigur für Mädchen: alle vier Nominierten für Essens Beste haben den Titel verdient.

Essen.. Wenn am Freitag, 24. April, ab 19 Uhr bei der großen Gala in der Philharmonie „Essens Beste“ zum sechsten Mal gekürt werden, stehen wieder junge Menschen im Rampenlicht, die Großartiges geleistet haben. Sie werden im Rahmen einer Festveranstaltung mit Geld- und Sachpreisen ausgezeichnet und geehrt. Rund 600 junge Talente wurden für sechs Kategorien und einen Sonderpreis vorgeschlagen. Jetzt hat die Jury für den Essens Beste-Sonderpreis ihre Wahl getroffen und vier Nominierte benannt:

Johannes Behr

Der 17-jährige Schüler ist so was wie ein Multitalent: Er ist bereits zum vierten Mal Deutscher Jugendmeister im gehörlosen Tennis, zudem wurde er NRW Meister bei den Herren in der offenen Altersklasse. Außerdem ist der Bergeborbecker fest im deutschen Tennis-Nationalkader und er wurde in die Nachwuchseliteförderung der deutschen Sporthilfe aufgenommen. Neben dem Tennis konnte er auch mit seiner integrativen Fußballmannschaft sportliche Erfolge verbuchen. Obwohl Johannes taub geboren wurde, kann er durch ein Cl-Implantat Töne wahrnehmen und durch tägliches Musizieren seine akustische Wahrnehmung verbessern. Er spielt gut Klavier und arbeitet zusammen mit der Medizinischen Hochschule Hannover sowie mit Komponisten der Musikhochschule an einem Projekt: Gemeinsam versuchen sie spezielle Musik für hörgeschädigte Menschen und Cl-Träger zu komponieren.

Iman Ahmed Hassan

Die 28-jährige Iman kommt aus einer syrisch-libanesischen Familie und hat als Ehrenamtliche beim diesjährigen Internationalen Jugendtreffen der Essener Partnerstädte mitgearbeitet. Nur durch ihre Vermittlung und Vertrauensposition innerhalb der libanesischen „community“ konnten von dort zwei Mädchen teilnehmen, denen es sonst nicht erlaubt worden wäre. Iman, die in Altendorf lebt, ist trotz ihrer schwierigen Lebensumstände in positiver und kraftvoller Mensch, der sich sehr für andere einsetzt. Sie engagiert sich auch in ihrem Stadtteil und leitet dort unter anderem verschiedene Mädchengruppen. Mit ihrem eigenen Migrationshintergrund ist sie dabei Vorbild und Identifikationsfigur und trägt als Mittlerin zwischen den Kulturen zu einem besseren interkulturellen Verständnis bei.

Maximilian Waldvogel

Der Umweltschutz liegt dem 17-jährigen Maximilian am Herzen. Der Werdener packt dort an, wo Hilfe nötig ist, säubert die Brehminsel, das Ruhrufer oder auch das Wäldchen an der Hammer Straße. Auch nach der Absenkung des Baldeneysees war er zu Stelle und half bei der Säuberung des Sees von Müll und Unrat.Das alles tut er ehrenamtlich und in Eigeninitiative. So war er auch nach Sturm Ela sofort zur Stelle, trat der facebook-Gruppe „Essen-packt-an“ bei und half mit, die Folgen zu beseitigen. Trotz Ausbildung verbringt er seine Wochenenden damit, die Umwelt ein wenig sauberer zu machen.

„Die engagierten Jungs“

Die „engagierten Jungs“ aus Altendorf (Foto oben) sind in Essen geboren. Ihre Eltern stammen aus dem Libanon und aus der Türkei. Anstatt zur Schule zu gehen, standen Zerstörungswut und Gewalt auf dem Stundenplan. Als sie 2009 aus einem Spielplatz Kleinholz machten und dabei erwischt wurden, nahm sich der arabische Konfliktvermittler Khaled Saado ihrer an. Sie machten den Schaden nicht nur wieder gut, ihr großes Engagement fiel Mitarbeitern des Stadtteilprojektes Altendorf auf, die den Jugendlichen ein Betreuungsangebot machten, bei dem gemeinsame Aktivitäten auf dem Programm standen. Das Projekt unter dem Namen „engagierte Jungs“ war geboren, an dem bis heute 30 Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund teilgenommen haben. Die Gruppe setzt sich auch kritisch mit Teilen ihrer „community“ auseinander. Mit ihrem Engagement wollen sie dazu beitragen, dass die Stadtgesellschaft ein differenzierteres Bild libanesischen Lebens in Essen erhält.