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Essener wegen Atemgerät vor Disco vom Türsteher abgewiesen

04.04.2013 | 08:00 Uhr
Essener wegen Atemgerät vor Disco vom Türsteher abgewiesen
Das Sauerstoffgerät ist Tim Caspers Wegbegleiter.Foto: Ralf Rottmann

Essen.  Als Lungenkranker in der Disco unerwünscht? Ein Essener wurde am Oster-Wochenende an der Tür eines Clubs nicht eingelassen - weil er ein Atemgerät bei sich trug. Die Chefs von Tanzlokal und Sicherheitsdienst positionieren sich zwar gegen Diskriminierung, verteidigen aber ihre Mitarbeiter.

Dass er sich am vergangenen Samstag nach dem Rot-Weiss-Derby noch für den Besuch einer Essener Diskothek entschied, gehört normalerweise nicht zum Alltag von Tim Caspers. Ganz im Gegensatz zu dem Sauerstoffgerät, auf das der 33-Jährige seit einer schweren Lungenerkrankung nicht verzichten kann – denn da hängt schlicht sein Leben dran. Dass diese Maschine (und nicht etwa das mittelmäßige Unentschieden gegen Kray) ihn letztlich an einem heiteren Abend in der „Musikpalette“ hindern würde, hatte er nicht erwartet. Doch das Gerät von der Größe eines Toasters passe dort nicht hin, befand das Sicherheitspersonal am Einlass.

An der Tür diskutiert man nicht

Ob er „das Ding da“ den ganzen Abend mit sich rumschleppen wolle, habe der Türsteher ihn gefragt, als er gegen 24 Uhr zum ersten Mal in das Tanzlokal an der Kettwiger Straße wollte, um einen Freund zu treffen. „Ja, das brauche ich zum Überleben“, habe Caspers mit Blick auf die noch menschenleere Bar geantwortet, „und auch, dass ich lediglich an der Theke sitzen und nicht auf der Tanzfläche abzappeln will.“ Aber an der Tür diskutiert man nicht, das weiß der 33-Jährige aus Erfahrung. Er selbst hat jahrelang für einen Sicherheitsdienst gearbeitet, unter anderem im Münchner Olympiastadion.

Als er den Satz „das passt hier nicht rein“ zu hören bekam, habe er den Eingang sofort verlassen. Wartende Gäste in der Schlange hätten den Vorfall mitbekommen, sich aber nicht eingemischt, sagt er. Dafür erhielt er jedoch im Internet jede Menge Zuspruch, wo er noch am gleichen Abend sein Bedauern öffentlich machte. „Ich möchte damit lediglich zum Nachdenken anregen“, so der Vater einer zweieinhalbjährigen Tochter, „mit so viel Unterstützung habe ich dabei gar nicht gerechnet.“ Bisher ließ die „Musikpalette“ (Mupa) die Beschwerde im Netz unkommentiert.

Auf Nachfrage der NRZ betonte Geschäftsführer Klaus Koch jedoch: „Bei uns ist jeder willkommen. Und wenn Menschen im Rollstuhl kommen, tragen wir sie sogar die Treppen runter.“ Er habe von dem Fall gehört, wolle ihn auch nicht runterspielen und erklärt ihn so: „Das Sicherheitspersonal wollte die Verantwortung nicht übernehmen, falls etwas passiert. Das ist nicht persönlich zu nehmen.“ Wie die Situation genau lief, wisse er nicht, aber der Ton könne schon mal härter werden, wenn abgewiesene Gäste anfangen zu diskutieren, und 400 weitere in der Schlange warten. Im Ton hätte sich Caspers eher schwerlich vergreifen können: „Um mich aufzuregen, fehlt mir einfach die Puste“, so der Frührentner.

„Diskriminierung dulden wir nicht“

Aber auch der Chef der zuständigen Sicherheitsfirma „Ruhr-Security“, Willy Schüffler, stellt sich vor seinen Mitarbeiter: „Er hat nur verantwortungsbewusst gehandelt.“ Es ginge rein um die Sorge um die Gesundheit eines Gastes bei der Fülle der Menschen, die zu der Party erwartet wurden. „Ein Handicap ist generell kein Grund, jemanden abzuweisen. Diskriminierung dulden wir hier nicht“, betont Schüffler.

Der RWE offenbar auch nicht. Der Verein organisiert für jedes Spiel einen Johanniter-Shuttle für Caspers. Doch so etwas erwartet er gar nicht, auch keine Entschuldigung. Die Tage seit seiner Diagnose 2010 werden mehr, an denen dem 33-Jährigen die Kraft zum Aufzustehen fehlt. „Ich werde keine 40 mehr“, sagt er selbst. Trotz allem will er sich aber nicht zu Hause im Selbstmitleid vergraben, er will „alles mitnehmen, was geht“. Auch sein Sauerstoff-Gerät mit in die Disko, das er im Übrigen selbst hätte die Treppe heruntertragen können.

Julia Rathcke


Kommentare
08.04.2013
13:52
Essener wegen Atemgerät vor Disco vom Türsteher abgewiesen
von unverstanden | #39

Ich würde jedem einmal empfehlen, als Türsteher zu arbeiten, bevor er sich zu solch einem Thema äußert.
Ich habe neben meinem Studium als Türsteher gearbeitet und die Beschimpfungen, die ich mir habe gefallen lassen müssen, waren schon sehr schlimm.

Ein Türsteher muss binnen von Minuten abschätzen, passt der mögliche Gast in die Gesellschaft des Abends hinein, ist von diesem Gast ärger zu erwarten, was sagt seine Körpersprache, wie tritt er mir entgegen usw..

Ich habe schon einige Probleme an der Tür bekommen und sogar von denen, von denen man es am wenigsten erwartet hatte. Ich brauchte mich in den vier Jahren Gott sei dank nie Körperlich wehren.

Bedingt das ich auch noch eine Glatze habe, war die erste Beschimpfung immer "Nazi". Gerade bei Menschen mit Migrationshintergrund, sind auch Morddrohungen bzw. Drohungen mit den Brüdern oder der Familie wieder zukommen üblich. Die Polizei musste in vielen Fällen helfen.

07.04.2013
22:23
Erbärmliche Gesellschaft
von dirty.old.man | #38

Nach dem Lesen der meisten Kommentare habe ich meinen Organspenderausweis verbrannt. Es gibt offenbar doch ein Leben nach dem Hirntod.

Haben Schwerkranke ihr Recht auf ein möglichst normales Leben verwirkt?
Sollen Krebskranke in Sterbelager entsorgt werden wie früher Leprakranke?

Mal ehrlich, was nutzt ein gesunder Körper, wenn in ihm ein kranker Geist wohnt?
Das haben sich viele Kommentatoren zweifelsfrei nicht gefragt.
Sie leben offenbar nach dem Motto, "Für den Weg zur Muckibude, zum Jobcenter oder in die Disco reicht (m)ein Spatzenhirn".

Viele Beiträge sind erschreckende Beweise für die soziale Verrohung unserer Gesellschaft.
Alte und Kranke sind Ballast, der möglichst schnell entsorgt werden sollte und kein Recht auf selbstbestimmtes Leben hat.

In Deutschland leben viele tausend Menschen, die gestern mit dem Gefühl völlig gesund zu sein aufgewacht und heute erfahren haben, dass sie unheilbar krank sind.

Das kann übrigens schon Morgen Jeden treffen, der heute Kranke ausgrenzt

05.04.2013
14:58
Essener wegen Atemgerät vor Disco vom Türsteher abgewiesen
von Pase_Lacki | #37

Was für ignorante, speichelleckende Ar*******er hier. Selten solch einen gequirllten Stuss gelesen. Wen geht es was an, ob der Mann dort feiern will oder nicht? Wer erdreistet sich, ihm vorzuschreiben, er sollte lieber zuhause seine "Zeit, die ihm noch bleibt" absitzen? Wer nimmt diese geistigen Tiefflieger in schwarz in Schutz, nur weil er selber mal nicht in irgendeinen Laden gekommen ist (Wundert mich allerdings nicht, wenn man da einen IQ-Test eingeführt hätte an der Tür, müssten 90% der Kommentatoren wohl angeleint draussen bleiben)?

Armselige Kretins.

1 Antwort
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Name von Moderation entfernt | #37-1

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05.04.2013
07:35
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Name von Moderation entfernt | #36

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05.04.2013
01:15
so what?
von udmay1 | #35

wofür sollten die türsteher um entschuldigung bitten?
sie haben ihm eher geholfen,die zeit die ihm noch bleibt, zu nutzen.
wortwahl?
das ist doch kein mädchenkloster,wie jedem die essener polizei bestätigen wird.
laßen wir die kirche im dorf-die jungs an der tür kennen ihre klientel und jeder der schon in der mupa war kann das bestätigen.
da latschen nur ***** und ***** rum
aber wieder toll das aus so nem nichtgrund, wieder ne nachricht gemacht

achso ihr, bevor wieder betroffenheitsmeldungen kommen,leide selber an einer tödlichen krankheit mit x-ops und miesen vorraussichten
gehe auch vor die tür-aber mupa?

04.04.2013
23:53
Essener wegen Atemgerät vor Disco vom Türsteher abgewiesen
von IIDottore | #34

Schwere Sache .
Eineseits will man dem Mann ja wirklich noch ein wenig Lebensfreude gönnen .

Aber wenn es so ist ,wie hier die Vorposter erzählen - Deppen-Laden mit Kellerdisco ,dann ist es auf jeden Fall eine Frage der Verantwortung , die der Herr Caspers auch sich selber stellen sollte . Besonders ,weil er noch Kinder hat ,die ihn noch früh genug vermissen werden . :-(((
Die Türsteher hätten das aber ganz ,ganz anders rüberbringen sollen .Auch wenn Securities selten Samthandschuhe tragen ,rechtfertigt das nicht solche beknackten Sprüche wie sie im Artikel stehen .Dafür sollten sie auch um Entschuldigung bitten !

Aber ich wüßte gern ,warum er denn ausgerechnet da rein wollte ? Gibt es in Essen nur solche Kaschemmen und nichts besseres ,wo man auch mit Atemgerät in einer gewißen Sicherheit ist ?

04.04.2013
23:01
Sicherheit oder faule Ausrede?
von raimont | #33

Aus Sicherheitsgründen abgewiesen? Aahh ja.
Schlechte Luft, viele Menschen usw. in der Disco, dass gibt es auch im Bus, in der Bahn, um nur ein Beispiel zu nennen.
Demnach müsste dem jungen Mann auch die Benutzung der genannten Verkehrsmittel aus Sicherheitsgründen untersagt werden.
Übrigens sollte man dem Betroffenen schon zutrauen für sich selbst entscheiden zu können, was er sich zumuten kann und was nicht.
Für mich klingt die Begründung der Sicherheitsfirma ( auch Spaßbremser genannt) eher an den Haaren herbeigezogen, um ja nicht zuzugeben, dass man einen Fehler gemacht, bzw. sich daneben benommen hat.

1 Antwort
danke...
von casper-79 | #33-1

...auf einen solchen beitrag habe ich den ganzen tag gewartet
vielen dank dafür, du hast den nagel auf den kopf getroffen.
DANKE und gruß Tim

04.04.2013
22:38
Essener wegen Atemgerät vor Disco vom Türsteher abgewiesen
von Heft | #32

Ein Discotheken besuch ist für einen Vater von 2 Kindern in schlechtem gesundheitlichen Zustand allerdings nicht ganz zuträglich.
Spaß hin, Freude her ...


aber ganz abgesehn, von Lärm, Drogen und sogar dem Risiko von Schießereien (OK, vielleicht nur ne Messerstecherei oder Prügelei) und schlechter Luft

kann mir nochmal einer die Vorzüge eines Besuches für einen Menschen in einem so offensichtlich schlechten Zustand erklären?

1 Antwort
@Heft
von mellow | #32-1

"...Lärm, Drogen und sogar dem Risiko von Schießereien (OK, vielleicht nur ne Messerstecherei oder Prügelei..."
Mal ganz ehrlich - sehr paranoid?

04.04.2013
21:08
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04.04.2013
21:05
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