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Essener Verwaltung ist überlastet und hofft auf neue Stellen

26.01.2016 | 09:00 Uhr
Essener Verwaltung ist überlastet und hofft auf neue Stellen
Wohnungs-TüV: Marcus Freymann vom Amt für Soziales und Wohnen in Essen prüft, ob diese Allbau-Wohnung in Altenessen an eine Flüchtlingsfamilie vermietet werden kann.Foto: Kerstin Kokoska

Essen.  Die Flüchtlingskrise verursacht im Essener Rathaus erhebliche Mehrarbeit. Nun hofft die Verwaltung, dass das Personal endlich aufgestockt wird.

Für 6000 Asylbewerber will die Stadt jetzt Wohnraum in einfachen Groß-Unterkünften schaffen. Während noch über die dafür geeigneten Flächen diskutiert wird, soll auch die Vermittlung von Flüchtlingen in Privatwohnungen forciert werden. In der Verwaltung verfolgt man mit banger Sorge, ob neues Personal für solche Aufgaben bereitgestellt wird.

In der Vorlage, die am Mittwoch im Rat eingebracht wird, bleibt die genaue Ausstattung der geplanten Wohnungsvermittlung-Agentur offen. Klar ist nur, dass das zuständige Amt für Soziales und Wohnen hier mit der Allbau AG zusammenarbeiten soll. Dabei soll es auch darum gehen, angebotene Wohnungen rascher zu prüfen. „Es muss nicht immer geguckt werden, wo das Fenster sitzt“, formuliert Oberbürgermeister Thomas Kufen flapsig. „Man muss auf Zeit Ausnahmen von bestimmten Standards machen.“

Da würden wohl viele Privatleute zustimmen, die an Flüchtlinge vermieten wollen, aber an amtlichen Vorgaben wie dem Elektro-Check verzweifeln. „Ich war mit der Wohnungsvermittlung unzufrieden“, sagt auch OB Kufen. Tatsächlich hat das Amt für Soziales und Wohnen das selbstgesteckte Ziel, im vergangenen Jahr 800 Flüchtlinge in Wohnungen zu vermitteln, verfehlt; am Ende waren es 665. Dabei hat Amtsleiter Hartmut Peltz bereits Vorgaben gestrichen; so muss kein Energieausweis mehr vorgelegt werden.

Mietobergrenzen gelten für alle Sozialleistungsempfänger

Peltz begrüßt, dass sein Team jetzt mit den Kollegen vom Allbau einen Workshop macht, um die Vermittlungsagentur vorzubereiten, die im Februar für zunächst zwei Jahre ihre Arbeit aufnehmen soll. „Wir brauchen schnellere Abläufe.“ Dabei gehe es auch darum, zügig passende Mieter zu finden. Für einen Single etwa darf das Amt bis zu 335 Euro Brutto-Kaltmiete ausgeben, für eine vierköpfige Familie 636 Euro. Angesichts der monatlich 2000 Euro pro Person im Zeltdorf, ärgert sich mancher Vermieter über das Limit, doch Peltz stellt klar: „Wir können keine Ausnahme für Flüchtlinge machen; die Mietobergrenzen gelten für alle Sozialleistungs-Empfänger.“

Gebraucht werde eher ein Manager, der die Wohnungsangebote im Blick hat und auch weiß, wer in den Unterkünften schon für ein selbstständiges Leben fit ist. „Wir wollen uns da professionalisieren, aber das ist auch eine Frage der Ressourcen“, seufzt Peltz. Bisher laste die Mammutaufgabe auf einem halben Dutzend Kräfte; und wie überall in der Verwaltung nähmen Erschöpfungszustände und Krankheitstage zu.

Flüchtlingskrise mit bisheriger Mitarbeiterzahl nicht zu bewältigen

Dass die Flüchtlingskrise mit der bisherigen Mitarbeiterzahl nicht zu bewältigen ist, weiß auch Personaldezernent Christian Kromberg. Im Oktober 2015 wurden darum schon 65 Stellen geschaffen, im Dezember kündigte er an, den Personalbedarf aller Abteilungen abzufragen. Man darf von einer erheblichen Größenordnung ausgehen; zumal mancher auf den Rathausfluren darauf hinweist, dass andere Großstädte bereits Hunderte neue Jobs geschaffen haben. Und so fordert die SPD-Ratsfraktion jetzt: „Die Stadt muss das Personal in allen betroffenen Fachbereichen aufstocken.“ Kromberg aber sagt, dass Essen als Stärkungspakt-Kommune nicht gar so freihändig agieren könne; für mehr Personal braucht die klamme Stadt das Okay der Bezirksregierung.

Die Verhandlungen über neue Stellen dürften also aufgeladen verlaufen sein. Den errungenen Kompromiss stellt OB Kufen heute im Verwaltungsvorstand vor – rechtzeitig bevor der Rat am Mittwoch einen Nachtragshaushalt beschließt.

Nicht nur Hartmut Peltz dürfte gespannt sein, ob die 15 Stellen, die er für die Wohnungsvermittlung angemeldet hat, bewilligt werden.

Christina Wandt

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2016-01-26 09:00
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