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Aufnahmestopp

Essener Tafel muss Arme abweisen

16.07.2009 | 08:40 Uhr
Essener Tafel muss Arme abweisen

Essen. Schweren Herzens hat der Vorstand der Essener Tafel die Entscheidung getroffen, die Ausgabe von Lebensmittelkarten bis September einzustellen. Immer mehr Menschen sind auf die kostenlose Mahlzeit angewiesen. "Wir haben unsere Kapazitätsgrenzen erreicht", sagt der Vorstand.

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Die Essener Tafel hat montags bis freitags von 9 bis 15 Uhr geöffnet.

Kontakt unter Tel.: 0201 / 272 0255

Per Mail an essener_tafel@gmx.de

oder per Fax: 0201 / 27 20 253.

Sie kann das dumme Geschwätz über die Menschen, die von Hartz-IV leben, nicht mehr hören. Auch nicht mehr: „Die sollen sich doch Arbeit suchen.” Für Antje Peters vom Vorstand der Essener Tafel ist die Armut in Deutschland in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Wer das nicht glauben mag, den lädt sie gerne ein zu einem der vier Lebensmittel-Ausgabetage der Tafel am Wasserturm an der Steeler Straße: 250 Menschen stehen da vor der Tür, junge Paare, Rentner, Mütter mit Kindern, viele Alleinstehende, alle Altersschichten sind vertreten, man findet sogar Akademiker.

Es könnte eine Schlange bei Kaufhof an der Kasse sein, bei Karstadt am Limbecker Platz, oder beim Bäcker um die Ecke. Doch hier stehen sie um Lebensmittel an, die die Essener Tafel kostenlos verteilt an diejenigen, die den Hartz-IV-Bezug oder die Grundsicherung nachweisen können. Über 3500 sind es inzwischen, die einmal pro Woche kommen dürfen, rund 2000 werden über zehn weitere Verteilstellen im Stadtgebiet versorgt. Es sind zu viele: Weil der Andrang zu groß geworden ist, weil selbst die vielen Lebensmittel-Spenden nicht mehr reichen, hat die Essener Tafel zum ersten Mal seit 1995 einen Aufnahmestopp verfügt. Damit nicht genug: Wer ab September eine der begehrten Ausgabe-Karten erhält, muss sie nach einem Jahr wieder abgeben.

"Es geht einfach nicht mehr"

30 glückliche Menschen erhielten am Mittwoch noch einmal ihre Lebensmittel-Karte, bis September ist damit erstmal Schluss. Nur in Notfällen werde man eine Ausnahme machen. „Es geht einfach nicht mehr”, begründet Klaus Wehlmann die Entscheidung des Vorstands. „Wir haben einfach unsere Kapazitätsgrenzen erreicht.” Wehlmann befürchtet: „Das wird die Leute hart treffen.” Andererseits, sagt Antje Peters, wolle man ja auch keine lebenslange Versorgung anbieten: „Die Hilfe soll immer nur eine Zeit lang laufen, um die gröbsten Probleme aufzufangen.”

Der Verein kommt auch so kaum nach. Es ist ja nicht nur die Ausgabe am Wasserturm: 22 Kitas werden mittlerweile beliefert, 17 Jugend-, 14 Obdachlosen- und Drogeneinrichtungen, fünf Übernachtungsheime, vier Wohngruppen. „Als wir 1995 angefangen haben”, erinnert sich Antje Peters, „da waren es eigentlich nur Randgruppen, denen wir mit Lebensmitteln helfen mussten. Obdachlose, Drogenabhängige, Prostituierte. Das war überschaubar. Aber heute...”

Fast 100 ehrenamtliche Mitarbeiter

Heute könnte man den Verein gut und gerne als mittelständischen Unternehmen bezeichnen: Mit fast 100 ehrenamtlichen Mitarbeitern, mit einer kleinen Fahrzeugflotte, sechs Kleintransporter, die es im Jahr auf rund 75 000 Kilometer allein in Essen bringen, um Lebensmittel zwischen Kettwig und Karnap einzusammeln. Gespendet wird vor allem von Supermärkten von Lidl bis Edeka, von Großmarkt-Händlern, von 19 Bäckereien. Die Ware ist meist kurz vor dem Verfallsdatum, mancher Artikel wurde von den Supermarkt-Ketten einfach falsch eingekauft, das Brot ist vom Vortag, Salat und Früchte in einem sehr reifen Zustand. Aber alles ist in Ordnung, wird auch vorsortiert. Die Menschen nehmen es dankbar, Menschen, für die Hartz-IV zu wenig ist zum Leben, die vorne und hinten nicht klar kommen.

„Nein, ich trinke nicht, ich rauche nicht, ich spiele nicht, ich lebe wirklich ganz bescheiden, aber ich kommen mit dem Geld einfach hinten und vorne nicht aus”, sagt zum Beispiel Ralf Rukat. Der behinderte, alleinstehende 42-jährige Mechatroniker lebt seit vier Jahren von Hartz-IV.

Am Anfang war die Scham

„Ich habe mich umschulen lassen, gute Zeugnisse, habe unzählige Bewerbungen geschrieben”, erzählt Ralf Rukat, „ich war bei vielen Vorstellungsgesprächen, hatte fast schon Zusagen in der Tasche. Aber dann hieß es immer, wir suchen Leute mit Erfahrung, tut uns leid.” Irgendwann war dann der Punkt erreicht, „da ging es nicht mehr. Ich hatte nichts mehr, um mir Lebensmittel zu kaufen.” Anfangs habe er sich schon geschämt, „das war ein komisches Gefühl, hierher zu kommen.” Seit April hat er die Lebensmittel-Karte. Für die Essener Tafel ist der Dellwiger, der sich ebenfalls ehrenamtlich beim THW engagiert, voll des Lobes: „Das ist schon toll, was die hier auf die Beine gestellt haben.”

So wie Ralf Rukat wollen jedoch nur wenige ihren Namen nennen: „Es ist schlimm genug, dass ich hier stehen muss”, sagt etwa eine Mutter, die mit ihrem Sohn gekommen ist. Eine andere Frau, auf die daheim vier Kinder warten, möchte ebenfalls anonym bleiben: „Es fällt mir sehr schwer, hierher zu kommen, aber meine Kinder haben Hunger, und ich habe einfach kein Geld. Mein Mann hat Mist gebaut, und jetzt muss es die ganze Familie ausbaden.”

Helfer und Spender gesucht

Ein Familienvater, zwei Kinder, 43, Industriemechaniker, seit einem Jahr im Hartz-IV-Bezug, kennt das anfängliche Schamgefühl: „So geht es wohl allen hier. Keiner hätte wohl gedacht, dass es ihn mal trifft.” Aber er sieht die Sache pragmatisch: „Für die Lebensmittel, die ich hier bekomme, müsste ich gut 80 Euro ausgeben. Das Geld hätte ich niemals.” Nur dank der Essener Tafel komme er über die Runden. Seine Kinder, vier und sechs, kennen das schon: „In ihrem Kindergarten sind eine ganze Reihe Kinder, die auch hierher kommen.”

Man ahnt: Die Essener Tafel kann Hilfe gebrauchen. Es werden, befürchtet Klas Wehlmann, wohl mehr, wenn die Krise erst einmal voll auf den Arbeitsmarkt durchgeschlagen hat. Zeitversetzt werden dann die Hartz-IV-ler vor der Tür stehen: „Ehrlich gesagt, ich weiß nicht, wie wir das auffangen sollen.” Der Verein, der den Wasserturm von den Stadtwerken angemietet hat, will sich ausbreiten, mehr Räume, vor allem mehr Stauraum, mehr Fahrzeuge: „Wir sind dankbar für jede Spende.” Geld, Lebensmittel, ehrenamtliches Engagement: „Rüstige Rentner, die Autofahren können, suchen wir immer.”

Hans-Karl Reintjens

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Kommentare
25.07.2009
23:58
Essener Tafel muss Arme abweisen
von allmutige | #131

Zu dem eigentlichen Inhalt des Artikels will ich nix sagen, auch nicht die vielen unsäglichen Kommentare kommentieren, aber auf eine Nebenbemerkung eingehen: Ich kann es nicht mehr lesen, daß die Tafel Ehrenamtliche immer sucht. Ich habe mich schon mehrfach dort beworben, bin dann aber jedes Mal nicht berücksichtigt worden, obwohl ich einen Führerschein und Fahrpraxis habe

17.07.2009
14:46
Essener Tafel muss Arme abweisen
von GU666 | #130

genau... das Sozialsystem muß abgeschaft werden! ;-)

den Weg ebnen für Raub, Mord und Überfälle.

Ihr solltet alle mal zufrieden sein, das wir noch Sozialsysteme haben. Schämt euch.

17.07.2009
12:46
Essener Tafel muss Arme abweisen
von Miss Piggy | #129

Armut in Deutschland? Dann schaut mal in die Schwellenländer, 3te Welt u.s.w. Ich würde mir gerne meine Lebenshaltung vom Steuerzahler finanzieren lassen. Aber, leider liege ich knapp über der Einkommensgrenze!

17.07.2009
10:05
Essener Tafel muss Arme abweisen
von Meinungsfuchs | #128

Bei vielen Kommentaren könnte man glauben dass sich hier alle FDP Wähler versammelt hätten.
Wie war doch noch die Meinung einiger Parteimitglieder? Harzt IV Empfängern sollte man die Bezüge um 30% kürzen.
Haben sich einige Kommentatoren eigendlich mal Gedanken darüber gemacht was Armut bedeutet?
Die Leute die hier teilweise wirklich schwachsinnige Kommentare abgeben sollten mal zwangsweise einige Monate in Armut leben.
Ob sie dann immer noch so denken?

16.07.2009
22:41
Blockierter Kommentar.
von miriam.lessmann | #127

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

16.07.2009
19:55
Essener Tafel muss Arme abweisen
von Left of Life | #126

Zitat: Wer ist zuständig und buchtet die Volksvertreter (Volksverhetzer)endlich ein???

Das dürfte schwierig und sehr teuer werden. So viele Gefängnisse gibt es nicht. Eingebuchtet werden müssen ja nicht nur die Bankster und Politiker, sondern auch die Profiteure des größten Verbrechens der Nachkriegszeit, das da heißt: Hartz IV

16.07.2009
19:28
Essener Tafel muss Arme abweisen
von Rike57 | #125

Banken
Zocker kehren an Finanzmärkte zurück
Berlin. Die US-Bank Goldman Sachs macht Milliardengewinne. Auch die Banken in Deutschland erholen sich. Das Casino an den Finanzmärkten scheint wieder eröffnet. Wer nicht profitiert, sind hingegen die Bürger und die Unternehmen.

http://www.derwesten.de/nachrichten/nrz/2009/7/15/news-125856211/detail.html

Hoffendlich haben wir genug gespart, sonst können wir die Millionnen der HartzIVler nicht mehr retten!!!!

Dummschwätz!!!

Ach ja, steht nicht auf Volksverhetzung Gefängnis???

Wer ist zuständig und buchtet die Volksvertreter (Volksverhetzer)endlich ein???

16.07.2009
16:16
Essener Tafel muss Arme abweisen
von renitent | #124

Schon seltsam, jene, welche sich am meisten hier aufregen, schreiben Leserbriefe zu einer Tageszeit, während andere arbeiten müssen... Sind die etwa selbst arbeitslos? Diese braune Elite ist echt zu nichts zu gebrauchen! Tsetsetse!
Bei manchem lese ich Sozialneid aus den Worten heraus.. Mensch Leute, ich schäme mich wirklich für euch! Wie kann man so missgünstig sein? EUCH wird NICHTS genommen.. es wird nur anderen gegeben!

16.07.2009
16:06
Essener Tafel muss Arme abweisen
von jauwa | #123

#116 MisterB.
genauso sieht das aus. Ich gebe Dir absolut recht.

Die Probleme liegen wirklich ganz woanders, aber so ist Deutschland. Die Menschen lassen sich problemlos manipulieren und gegeneinander ausspielen!!!!

16.07.2009
15:29
Essener Tafel muss Arme abweisen
von Liferuiner | #122

einige lassen sich den ***** mit steuergeldern in millionen höhe vergolden obwohl sie den karren (hsh) selbst gegen die wand gefahren haben würden dafür sogar klagen ....und ihr regt euch über hartz4 empfänger auf...das sind peanuts im vergleich dazu was hier an subventionen in die banken geflossen ist.....ein euro jobs streichen und damit die vernichtung regulärer Arbeitsplätze verhindern wäre schon mal ne maßnahme! Wenn alle Hartz4 empfänger morgen aufstehen würde und sagen würde her mit der Arbeit ,dann hätten unsere politiker ein großes problem woher nehmen die dann bloß die 7 Mio. Arbeitsplätze ?

guckt euch dochmal um: Die Schulen sind katastrophal , in den Innenstädten sieht es nicht anders aus für all das ist kein geld da aber mehrer milliarden von unserem steuergeld für die eh schon gut betuchten banken und bänkern die die ******** selber verzapft haben weil se den hals nicht voll genug kriegen und die renditen nicht hoch genug waren ...und wir sollen für einen euro arbeiten gehen das ist PERVERS !!!!

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